Chronik

Haus der Natur: Drastischer Rückgang bei Amphibien

Drei Experten des Haus der Natur belegen es: In den vergangenen 20 Jahren ist die Grasfrosch-Population drastisch eingebrochen. Das sei eine "Warnung an die Menschheit".

Heute gibt es um fast sieben Mal weniger Grasfrösche als noch vor 20 Jahren. SN/martin kyek
Heute gibt es um fast sieben Mal weniger Grasfrösche als noch vor 20 Jahren.
Der Grasfrosch ist die häufigste Amphibienart in Österreich. Er verliert seinen Lebensraum. SN/kaufmann
Der Grasfrosch ist die häufigste Amphibienart in Österreich. Er verliert seinen Lebensraum.
Ein Erdkrötenpärchen auf Wanderschaft. SN/kaufmann
Ein Erdkrötenpärchen auf Wanderschaft.

Auch in Österreich gibt es einen alarmierenden Rückgang an Tier- und Pflanzenarten. Martin Kyek, Peter Kaufmann und Robert Lindner vom Haus der Natur belegen diese Beobachtungen nun mit konkreten Zahlen. Ihre Studie wurde vor Kurzem im renommierten Fachjournal PLOS ONE veröffentlicht.

20 Jahre lang Amphibienzäune überwacht

Bei der Erhebung der Daten waren Freiwillige ein wesentlicher Faktor. Das Land Salzburg (Naturschutz und Straßenbau) finanzierte das Projekt. Bei Amphibienzäunen entlang von stark befahrenen Straßen wurden im Frühling, wenn die Frösche und Kröten wandern, bis zu 20 Jahre lang Zählungen durchgeführt.

Grasfrosch besonders betroffen

Das Ergebnis der Studie ist ähnlich drastisch wie der vor kurzem bekannt gewordene massive Einbruch bei Insektenpopulationen: Die Bestände der Erdkröte sind in den letzten beiden Jahrzehnten zwar stabil geblieben, die des Grasfrosches jedoch um 83 Prozent eingebrochen. Oder anders gesagt: Vor 20 Jahren gab es um fast sieben Mal mehr Grasfrösche als heute.

Der Grasfrosch ist die am weitesten verbreitete Amphibienart Österreichs, die Experten orten daher einen "massiven Verlust an Biomasse für die heimischen Ökosysteme".

Ursachen sind nicht vollständig geklärt

Die Ursachen für diesen Rückgang sind zwar noch nicht vollständig geklärt, sicher erscheint jedoch der Zusammenhang mit dem ansteigenden Nutzungsdruck auf die Landschaft. Bodenversiegelung, Entwässerung, industrielle Landwirtschaft und Fischbesatz in Gewässern verändern die Lebensräume der Amphibien nachhaltig. "Wenn wir nicht gezielt gegensteuern und anfangen, den Fröschen ihre Feuchtlebensräume zurück zu geben, ist die biologische Vielfalt und damit unsere eigene Lebensqualität in Gefahr", so Martin Kyek.

Auch Peter Kaufmann zeigt sich besorgt: "Dieser katastrophale Rückgang hat weitreichende und unabsehbare Konsequenzen für die heimische Natur und unser Ökosystem."

Am stärksten sind alpine Täler betroffen

Betrachtet man die vorliegenden Daten, so zeigt sich, dass der Amphibien-Rückgang in den alpinen Tallagen derzeit am stärksten ist. Im Flachland sei das verfügbare Land bereits in der Nachkriegszeit immer intensiver genutzt worden. Nun zeichne sich diese Entwickung auch innergebirg ab. Dadurch verliere vor allem der Grasfrosch seinen Lebensraum. Andere Arten, wie etwa der Laubfrosch, sind großflächig zu Raritäten verkommen.

"Warnung an die Menschheit"

Dieser Lebensraumverlust und der damit einhergehende massive Verlust an Organismen ist ein überregionales Phänomen, was auch durch den kürzlich nachgewiesenen Rückgang der Insekten in deutschen Schutzgebieten belegt ist. Für Robert Lindner sind die Ergebnisse der Studie Beleg dafür, dass die kürzlich von zahlreichen Wissenschaftlern unterzeichnete "Warnung an die Menschheit" auch in Österreichs Aktualität hat: "Österreich begreift sich immer noch als eine ,Insel der Seligen' in der von Politikern sogar die Verringerung europäischer Naturschutzstandards gefordert wird. Die Wahrheit ist, dass wir uns auch hierzulande mehr anstrengen müssen, um nachfolgenden Generationen eine artenreiche, funktionierende und damit lebenswerte Umwelt zu hinterlassen."

(SN)

Aufgerufen am 23.04.2018 um 12:03 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/haus-der-natur-drastischer-rueckgang-bei-amphibien-20732659

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