Chronik

Hausverwalter soll 2,6 Millionen Euro untreu verwaltet haben: Haftstrafe

Ein 59-jähriger stand am Donnerstag vor dem Salzburger Landesgericht. Zu "99 Prozent" werde er die fehlenden Gelder zurückzahlen können.

Hausverwalter soll 2,6 Millionen Euro untreu verwaltet haben: Haftstrafe SN/anton prlic
Prozess am Donnerstag.

Die Überweisung an den Golfclub könne er sich nicht erklären. "Vielleicht haben wir ein Turnier gehabt", sagt der 59-jährige Hausverwalter, Makler und Immobilienentwickler zu Richterin Stephanie Schmid. Sie hatte ihn gefragt, wieso eine der sechs Firmen, bei der er Gesellschafter ist, eine Summe von 7000 Euro an den Golfclub Mondsee überwiesen habe. Zuvor war von einem Rücklagenkonten einer von ihm verwalteten Eigentümergemeinschaft eine Summe von 100.000 Euro an selbige Firma überwiesen worden. Eine private Verwendung des Geldes stritt der Angeklagte erst ab. "Könnte das Geld für den Golfclub nicht doch ein privater Zweck gewesen sein?", fragt die Richterin.

Es war nur ein Beispiel aus der Finanzwelt des Angeklagten. Der 59-Jährige stand am Donnerstag vor dem Salzburger Landesgericht. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Er habe 2,6 Millionen Euro von Rücklagenkonten der von ihm verwalteten Eigentümergemeinschaften an ihm nahe stehende Firmen überwiesen. In einer Loch-auf-Loch-zu-Strategie habe er Beträge von den Rücklagenkonten überwiesen, um sie für Bauprojekte, andere Gläubiger oder einfach für sich selbst zu nutzen, sagte Staatsanwältin Sandra Wimmer. "Er hat die von ihm verwalteten Gelder zweckwidrig verwendet."

Wie die "Loch-auf-Loch-zu-Strategie" funktioniert haben soll

Wimmer nennt ein Beispiel für das Jonglieren von Finanzen, das der Hausverwalter vom Jahr 2008 bis zum Jahr 2015 betrieben haben soll. So sei im Jänner 2013 ein Betrag von 20.000 Euro mit dem Grund "Reparatur" von einem Rücklagensparbuch überwiesen worden. "Am nächsten Tag überwies er den selben Betrag wegen eines Exekutionsverfahrens einer seiner Firmen", sagt Wimmer.

Sein Mandant werde sich umfassend schuldig bekennen, sagte der Anwalt des Angeklagten, Manfred Klicnik. Der Angeklagte selbst rechtfertigte sich, dass er bereits 477.000 Euro an Rückzahlung geleistet habe und er auch die restlichen fehlenden Beträge noch zurückzahlen werde, wenn man ihn nur ließe. Zudem habe er auch immer wieder tatsächlich Reparaturen durchgeführt. "Wenn das Geld gebraucht wurde, war es auch immer da." Richterin Schmid sah sich veranlasst, dem Angeklagten die Problematik des Sachverhaltes zu verdeutlichen. "Wenn man ihnen eine Million Euro wegnimmt: Geht ihnen das Geld erst ab, wenn sie es brauchen, oder sobald es fort ist?" So sei es auch mit dem Vorwurf der Untreue: Auch wenn von den entnommenen 2,6 Millionen Euro tatsächlich derzeit 1,9 Millionen Euro fehlten, sei ihm dennoch der ursprünglich entnommene Betrag anzulasten.

"Geld hat kein Mascherl"

Der Finanzgutachter gewährte dann einen genaueren Einblick in die komplizierte Welt der Finanzgebarung des Angeklagten. Am Beginn eines Jahres habe er vom Konto einer Eigentümergemeinschaft 100.000 Euro entnommen. "Sie haben es zwar Ende des Jahres wieder rücküberwiesen. Am Anfang des folgenden Jahres wurde es aber erneut entnommen", sagt der Gutachter. Bei diesem einen Konto blieb so im Laufe der Jahre eine Entnahme von 686.000 Euro und eine Rückführung von 400.000. "Geld hat kein Mascherl", sagt der Gutachter.

Das Gericht wollte zudem wissen, wie er sich die Rückzahlung der noch ausständigen 1,5 Millionen Euro vorstelle. Er wolle Kredite aufnehmen, sagte der Angeklagte. Auf einen Hinweis seines Anwaltes führte er an, dass er auch noch mehrere Grundstücke verkaufen wolle. "Und das geht sich aus?", fragte Richterin Schmid. "Das ist zu 99 Prozent sicher", sagte der Angeklagte.

Geld läge auch noch in einem ausständigen Bauprojekt, sagte der 59-Jährige weiter. Dort habe er eine Tankstelle abtragen lassen, Tanks entsorgt, den Boden dekontaminiert. Seit Anfang des Jahres habe er nun endlich die Baubeginnsanzeige bekommen. Der Baukredit von rund 500.000 Euro sei bereits auf einige der löchrigen Konten überwiesen worden. Einer der Anwälte der Privatbeteiligten fragte nach: "Das heißt, sie haben den Baukredit für Rückzahlungen verwendet?" Der Angeklagte bejahte.

Der Angeklagte wurde schließlich zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt, ein Jahr davon unbedingt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, keine der Parteien hat eine Erklärung abgegeben. Gegen den 59-Jährigen laufen noch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Betrugs.

Quelle: SN

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