Chronik

Heikle Frage in Salzburg - wann darf ein Wolf bejagt werden?

Das Land Salzburg legt im Entwurf zum "Managementplan Wolf" fest, was ein Problemwolf ist. Das sei dann der Fall, wenn er sich auf Nutztiere als Beute spezialisiert habe und dabei mehrmals auch Zäune überwinde.

Symbolbild. SN/fotolia/byrdyak - stock.adobe.com
Symbolbild.

Welcher Wolf ist ein Problemwolf und darf deshalb erlegt werden? Das will das Land Salzburg im "Managementplan Wolf" festlegen, dessen Entwurf der zuständige Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) am Mittwoch vorgelegt hat. "Es werden weitere Wölfe kommen", sagt Schwaiger. "Darauf wollen wir vorbereitet sein."

Der Salzburger Wolfsbeauftragte Hubert Stock, der maßgeblich an der Erarbeitung des Plans beteiligt war, sagt: "Unstrittig war schon bisher, dass Wölfe, die eine Gefährdung von Menschen und Hunden darstellen, entnommen werden können." Was das genau bedeutet, wurde in einem 2012 präsentierten österreichischen Wolfsmanagementplan definiert. "Neu ist in unserem Entwurf, dass auch Wölfe, die sich auf Nutztiere spezialisiert haben und mehrmals Zäune überwunden haben, dazukommen. Wir orientieren uns hier am Schweizer Vorbild."

Am Freitag wird der Entwurf in der im Mai vom Land eingerichteten Expertengruppe diskutiert, in der unter anderem auch der Naturschutz vertreten ist. Dann soll auch eine Zahl festgelegt werden, wie viele durch Herdenschutzmaßnahmen geschützte Nutztiere ein Wolf getötet haben muss, um als Problemwolf zu gelten. Stock wollte sich am Mitwoch noch nicht festlegen. In der Schweiz gibt es eine Spannbreite von 15 bis 35 Haustieren, je nachdem, in welchem Zeitraum die Übergriffe passiert sind und ob es sich um ein Wolfsrudel oder einen einzelnen Räuber handelt. Jener Wolf, der im Frühling im Pongau rund 30 Schafe und Ziegen getötet bzw. verletzt hat, war nach der Einschätzung von Stock kein Problemwolf. Es gab keine speziellen Herdenschutzmaßnahmen.

In der Praxis wird es kompliziert werden, einen Wolf zu entnehmen. Nur Angriffe auf Herden, die durch zumutbare Maßnahmen geschützt sind, werden gezählt. "Auf den Almen ist Herdenschutz schwierig", sagt Stock. Eine Pauschalgenehmigung für den Abschuss wird es nicht geben. Die Behörden müssen jeden einzelnen Vorfall prüfen und dokumentieren. Zuerst muss noch versucht werden, den Problemwolf zu vergrämen. Gelingt das nicht, folgt ein Abschussbescheid, der vermutlich beeinsprucht wird. Bis der Bescheid rechtsgültig sei, könne durchaus ein Jahr vergehen, so Stock. Und dann muss man den Wolf innerhalb einer im Bescheid festgelegten Zeit und Region erst erwischen. Stock: "In der Schweiz wurden bisher 17 Wölfe zum Abschuss freigegeben. Nur neun wurden tatsächlich erlegt."

Internationale Abkommen wie die EU-weit gültige FFH-Richtlinie schützen den Wolf streng, lassen aber die Entnahme von Problemwölfen zu. Aber nur dann, wenn der Wolf in seinem Verbreitungsgebiet einen guten Erhaltungszustand hat. "Was das genau heißt, ist in der FFH-Richtlinie nicht definiert", sagt Stock. "National oder im gesamten Verbreitungsgebiet? Das muss dann die Behörde abwägen."

Der Geschäftsführer des Naturschutzbunds in Salzburg, Hannes Augustin, sagt, es sei eigenwillig, dass das Land schon vor der Diskussion am Freitag in die Öffentlichkeit gehe. "In der Sache gibt es eine gemeinsame Gesprächsbasis und eine gewisse Annäherung. "Grundsätzlich hat der Wolf auch in Österreich die Berechtigung, da zu sein. Er ist eine Bereicherung für das Ökosystem, auch wenn er sich auf manche menschlichen Aktivitäten negativ auswirkt. Die Landwirte müssen unbürokratisch entschädigt werden." Ein wolfsfreier Alpenraum komme für den Naturschutzbund nicht infrage, so Augustin. "Aber wir sind auch nicht dafür, dass jeder Wolf tabu ist." Bei Gefahr in Verzug und verhaltensauffälligen Tieren, die öfter Nutztiere angreifen, sei eine Vergrämung und in letzter Konsequenz der Abschuss möglich."

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