Chronik

Hintersee verlandet weiter

Das beliebte Ausflugsziel hat zwei Probleme: Einerseits kommt viel Geschiebe in den See, andererseits wird es von Besuchern geflutet. Pläne zur Verbesserung sind ins Stocken geraten.

Der Hintersee ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel geworden. Beinahe 90.000 Besucher wurden in den vergangenen Sommern jeweils gezählt, ein guter Teil kommt aus den arabischen Ländern. Sie alle genießen das herrliche, fast unvergleichliche Panorama. Doch dieses könnte ein Ablaufdatum erhalten, denn der See drohe zu verlanden, sagt Wolfgang Urban, Direktor des Nationalparks Hohe Tauern. "Wir wollen das Delta regenerieren, es droht zu versanden. Der Bach ist dort nur mehr zehn bis 20 Zentimeter tief, es kommt viel Geschiebe rein, der Bach hat viel Schleppkraft."

Der See liegt in der Kernzone des Nationalparks und ist ein Naturdenkmal. "Natürliche Prozesse haben Vorrang, aber wir sagen auch: Wenn im Zuge des Managements Nachteile befürchtet werden, braucht es keine Genehmigung, um den Hintersee zu erhalten. Er ist ja ein wichtiges Naherholungsgebiet." Ziel des Nationalparks sei es, den See zu erhalten, ohne tief technisch eingreifen zu müssen, sagt Urban. Laut seinen Vorstellungen sollte der Bereich des Deltas leicht ausgebaggert und ein Bereich festgelegt werden, in dem sich der Bach ausfächert. "Dann würde der Bach nicht mehr so viel Material in den See schleppen."

Dadurch könne man den See zwar nicht für alle Zeit erhalten, aber das Naherholungsgebiet wäre auf absehbare Zeit gesichert, sagt Urban. "Man würde wieder ausbaggern müssen, denn es kommt weiter Geschiebe nach." Doch entgegen seinen Plänen konnte man sich bislang nicht mit dem Grundeigentümer einigen. "Unser Vorschlag wurde abgelehnt, das müssen wir akzeptieren", sagt Urban.

Die Infrastruktur vor Ort muss ausgebaut werden

Der zweite Punkt betrifft die Besucherlenkung. Die vorhandene Infrastruktur - Parkplätze, Mülltonnen, WC-Anlagen - ist bei weitem nicht mehr ausreichend. Derzeit können rund 60 Pkw parken, an Spitzentagen brauche es das Doppelte, sagt Urban. Eine entsprechend große Müllinsel soll geschaffen, auf Müllkübel entlang des Weges verzichtet werden. Und das bisherige Plumpsklo soll ersetzt werden. Doch für die Umsetzung dieser Maßnahmen werde es zeitlich knapp, sagt Urban und ergänzt: "Da läuft vieles über die Stadtgemeinde Mittersill."

Bürgermeister Wolfgang Viertler sagt dazu: "Ich bin in finalen Gesprächen mit den Bundesforsten und einem weiteren Grundeigentümer. Die Gemeinde pachtet den Grund, und der Nationalpark hat ein attraktives Projekt. Wir wollten schon weiter sein, aber aufgrund der Schneelage war das nicht möglich. Aber jetzt nehmen wir zunehmend Fahrt auf. Wir müssen am Hintersee die Besucherströme lenken, das hat dankenswerterweise auch der Nationalpark mit seinen Verantwortlichen aktiv aufgenommen und unterstützt es."

Bei den sanitären Einrichtungen gebe es voraussichtlich heuer nur eine Übergangslösung mit Containerklos. "Die Parkplätze können wir noch schaffen, die Gesamtlösung nicht, das ist schon gelaufen."

Der Nationalpark wird seine Infohütte, die im Sommer besetzt ist, vergrößern. Urban sagt weiters: "Auch wenn sich baulich heuer nicht alles ausgeht, eines werden wir machen: mehr kontrollieren. Es darf keine Auswüchse mehr geben, darauf werden unsere Ranger und Ferialarbeiter achten, auch um unerlaubte Dinge abzustellen, etwa Hunde frei laufen zu lassen oder zu campieren."

Und Bgm. Wolfgang Viertler will noch einmal das Gespräch mit dem Grundeigentümer suchen: "Vielleicht kann diese Entscheidung doch noch revidiert werden. Ich bin guter Dinge, dass das doch noch gelingt."

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