Chronik

Höhlenforscher im Untersberg: Erstes Video der Bergung

Die Retter in der Riesending-Höhle kommen rascher voran als erwartet und haben die erste vertikale Wegstrecke mit dem verletzten Forscher Johann Westhauser erreicht. Nun gibt es ein erstes Video der Bergung.

Am Montag um 6.30 Uhr erreichten die Höhlenretter das Biwak III in 700 Metern Tiefe. Der Weg von Biwak IV zu III musste hauptsächlich in der Vertikalen zurückgelegt werden. Die Hilfskräfte zogen den verletzten Höhlenforscher Johann Westhauser dabei mit Seilen nach oben. Die Aktion liege sehr gut im Zeitplan, man sei zuversichtlich, sagte ein Sprecher der Bayerischen Bergwacht Montag früh gegenüber den SN. Am Montag veröffentlichte die Bergwacht Bayern erstmals Videomaterial der aufwändigen Bergung.

Im Biwak III solle Westhauser Zeit zur Erholung haben. Im Laufe des Tages werde ein weiterer Arzt bei Westhauser ankommen. Der Zustand des Verletzten sei weiter stabil. Die Fortsetzung des Transports sei für den Nachmittag oder Abend geplant. Dutzende Helfer sichern inzwischen den Weg nach oben weiter ab, damit die Gruppe mit dem Verletzten besser vorankommt.

Verletzter wird auf Trage befördert Die Einsatzkräfte bewegen den 52-Jährigen seit Freitag auf einer Trage durch die schwer zugängliche Höhle, die unter anderem aus steil abfallenden Schächten und unwegsamen unterirdischen Canyons besteht. Seit ihrem Start am Unglücksort in rund 1000 Metern Tiefe hat das Team 300 Höhenmeter erklommen. Im nächsten Abschnitt müssen die Helfer Steilwände überwinden, die 200 Meter größtenteils fast senkrecht aufragen. Tagelange Vorarbeiten Die Bergung gilt aufgrund der schwierigen Verhältnisse als extreme Leistung. Selbst erfahrenen Spezialisten verlangt die Höhle laut Bergwacht alles ab. Um die Bergung vorzubereiten, hatten die internationalen Retter in tagelangen Vorarbeiten fünf Biwakstationen auf unterschiedlichen Höhlen-Ebenen eingerichtet und den Transportweg mit Kletter- und Seilhilfen gesichert.

Dutzende Retter befinden sich in der Höhle, viele von ihnen ebenfalls bereits seit Tagen. In der Nacht auf Montag trafen der Bergwacht zufolge weitere 20 Helfer aus Italien an dem Unglücksort am Untersberg nahe Berchtesgaden ein. Zudem waren 25 Experten aus Kroatien auf dem Weg. Sie sollten am Montagabend eintreffen und die Reihen der Einsatzkräfte verstärken. "Ein Restrisiko bleibt" Bei dem Unfall treffe niemanden die Schuld, sagte Westhausers Frau der "Bild"-Zeitung am Montag. "Johann und seine Begleiter können sich blind aufeinander verlassen. Es sind extrem erfahrene Höhlenforscher. Alle Sicherheitsvorkehrungen wurden getroffen. Alle sind topfit. Und trotzdem bleibt ein Restrisiko." Sie hatte ihren Mann auf leichteren Routen begleitet. Westhauser, der selbst auch zum Höhlenretter ausgebildet ist, arbeitet am Institut für Angewandte Physik des Karlsruher Instituts für Technologie.

Höhlenrettungsexperten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien wurden zusammengezogen, um den Verletzten in einer logistisch extrem aufwendigen Rettungsaktion zu befreien. Am Sonntag blickten die Rettungskräfte auf die getane Arbeit zurück. Die Zusammenarbeit funktioniere trotz gelegentlichen Sprachbarrieren gut. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann lobte bei einem Besuch den Einsatz.

Seit 17.28 Uhr am vergangenen Freitagabend wird der Karlsruher Wissenschaftler, der bei einem Steinschlag ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt, aus der Höhle transportiert. Zuvor musste der 52-Jährige fünf Tage lang am Unglücksort in der tiefsten und extremsten Höhle Deutschlands ausharren. Höhlenforscher sendete Grüße an Familie Zu Beginn der Rettungsaktion sendete Westhauser noch eine Nachricht an die Außenwelt. Per Funk ließ er "liebe Grüße an seine Familie" ausrichten und teilte mit, dass er sich in seiner Trage wohlfühle. Am Samstag dann trat die Rettergruppe den Marsch entlang der "Langen Geraden" zum Biwak IV an. Der Verletzte wurde einen kilometerlangen Gang getragen, der fast waagerecht durch den Berg verläuft.

Der Zustand des verletzten Westhauser ist nach Angaben der Bergwacht weiterhin stabil. Die Dauer des Transports des Forschers ans Tageslicht wurde mit rund einer Woche angegeben.

Quelle: SN

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