Chronik

Hüttenwirt auf dem Gaisberg holt sich Hilfe gegen Schneemassen

Auf der Gaisbergspitze türmen sich teils bis zu vier Meter Schnee. Um sein Gasthaus wieder freizuschaufeln und öffnen zu können, rief der Wirt online zum gemeinsamen Schaufeln auf. Mit Erfolg.

Diesen Winter werden Karin und Nikolaus Kohlmayr nie vergessen. Vor ihrem Wirtshaus auf der Gaisbergspitze türmt sich nach wie vor meterhoch der Schnee. Erst seit gut einer Woche können die Gäste wieder problemlos in "Kohlmayr's Gaisbergspitz" einkehren. Die Schneewände ringsum sind für sie eine Attraktion. Die Straße war am Sonntag bestens geräumt, auch die Parkplätze vor dem Restaurant sind dank tatkräftiger Hilfe von Landwirt Hans Brunnauer und Peter Steindl aus Oberwinkl wieder frei.

Nach wie vor war bis zum Sonntag aber die Terrasse vor dem Wirtshaus samt dem Mobiliar unter den Schneemassen begraben. "Am höchsten Punkt haben wir vier Meter Schnee gemessen", sagt Wirtin Karin Kohlmayr. Auch die Hütte mit den Liegestühlen war am Sonntag noch meterhoch eingeschneit.

Allein sei die Räumung nicht zu bewältigen, sagen die Wirtsleute. Sie hatten schon während der vorübergehenden Schließung des Wirtshauses zahlreiche Anrufe von Freunden und Gästen bekommen, die ihre Hilfe anboten. "Das hat uns auf die Idee gebracht, auf Facebook zum gemeinsamen Schneeschaufeln aufzurufen", schildern die beiden. Am Sonntag ab 10.30 Uhr ging es los. Ausgerüstet mit Schneeschaufeln und Eispickeln rückte der Hilfstrupp an. Ein Gast, der zum Frühstücken hinaufgekommen war, packte ebenfalls spontan an. Er hatte nicht einmal Handschuhe dabei.

"Für uns war sofort klar, dass wir helfen", sagen Iris und Eckhard David, die Nachbarn der Kohlmayrs in Gnigl. Auch ihr Sohn Elias schaufelte trotz eingegipstem Bein mit. "Über den Tag verteilt waren 30 bis 40 Leute da", sagt Nikolaus Kohlmayr. Er sei überwältigt von der Hilfsbereitschaft. Zum Dank gab es für die Schaufler Würstelsuppe und Bier.

Zahlreiche Freizeitsportler kamen am Wochenende mit Schneeschuhen und Tourenski auf den Gaisberg.

Landesweit betrachtet ist die weiße Pracht derzeit jedenfalls wieder sehr tückisch: Nach Schneefällen am Samstag gilt im ganzen Bundesland wieder Lawinenwarnstufe 3. Zwischen 15 und 25 Zentimetern Schnee seien auf die enormen Mengen gefallen, die in vielen Bereichen noch immer lägen, sagt Meteorologe Bernhard Niedermoser. "Was zuletzt an Schnee kam, ist zwar nicht viel. Aber es war sehr nasser, kompakter Schnee, der auf eine lockere Schneedecke fiel." Bei dieser Mischung könne es schnell zu Gleitschneelawinen kommen. "Der Skifahrer tritt dabei die schwere Schneedecke als Schneebrett los und wird darunter verschüttet." Unmöglich seien Skitouren derzeit zwar nicht, aber man brauche viel Erfahrung. "Wir raten, sich gut zu informieren und den Lagebericht anzusehen." Nach den heftigen Schneefällen der ersten Jännerhälfte, die die Einsatzkräfte tagelang gefordert hatten, sei man kurz davor, eine Bilanz der Niederschläge im Jänner zu veröffentlichen, sagt Niedermoser. "Der Monatsanfang war jedenfalls sehr außergewöhnlich. In der zweiten Jännerhälfte hielten sich die Niederschläge allerdings in Grenzen. Die kommenden Tage bringen wechselhaftes Wetter. Die Lawinenwarnstufe 3 wird wohl auch noch den ganzen Montag gelten, danach dürfte sich die Situation wieder entspannen."

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