Chronik

"Ich bin süchtig nach Schnitzel": Wie ein Afrikaner in Salzburg lebt

Das Afro-Asiatische Institut Salzburg feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Aber wie sieht eigentlich der Alltag eines Kameruners aus?

Roland Atembe wartet schon auf den Schnee.  SN/wienerroither
Roland Atembe wartet schon auf den Schnee.

Am 30. September 2010 zog Roland Atembe nach Salzburg. Er wollte hier studieren und eine neue, fremde Kultur kennenlernen. Damals, erzählt der 40-jährige Kameruner, hatte er nicht wirklich eine Vorstellung von der Stadt. Aus dem Geschichte-Unterricht wusste er, dass Österreich und Ungarn früher eins war. Aber von Schnitzel und Sauerkraut, davon wusste er noch nichts.

Seither hat sich viel getan. Die meiste Zeit verbringt Atembe derzeit am Mönchsberg, denn dort ist das Zentrum für EU-Studien. Der Kameruner recherchiert gerade für seine Doktorarbeit, nebenbei arbeitet er noch 20 Stunden als Studienassistent. Viel Freizeit habe er nicht, sagt Atembe. Aber das sei er schon gewohnt. Vor Salzburg reiste er durch die Welt. Er war in einem Hotel der Marriott-Kette in der Karibik angestellt, arbeitete für Airlines. "Mein Zuhause ist dort, wo ich mich wohlfühle. Also dort, wo ich gerade bin", sagt der 40-Jährige. Seine gesamte Familie lebe in Diaspora, sein Bruder in Italien, seine Schwester in den USA.

Sein Dorf mitten in den Bergen von Kamerun vermisst er deshalb im Alltag nicht. Einmal im Monat trifft er sich aber mit 15 Kamerunern, sie reden, lachen kochen. "Ich koste dann das afrikanische Essen und denke: Wie lange habe ich nicht mehr so etwas gegessen?", sagt Atembe. Beim Gedanken an seine Kollegen aus dem Kamerun Verein Salzburg lacht er. Plötzlich wird aus dem ernsten Wissenschafter ein spitzbübischer Junge. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er nun von der Kirche erzählt.

Atembe ist Mitglied der African Catholic Church, die regelmäßig in der Kirche in Maxglan ihre Messe abhält. "Wir spielen auf der Trommel, wir singen, wir haben Prozessionen, wir sind laut", erzählt er. Für die Gründung der Kirche haben sie die Erlaubnis des Erzbischofs, Maxglaner besuchen manchmal auch ihre Gottesdienste.

Dann kommt die Frage, die man sich nicht verkneifen kann. Hat er sich schon einmal diskriminiert gefühlt, wegen seiner Hautfarbe? Nein, sagt Atembe. Und ergänzt: "Es gibt aber keinen perfekten Menschen auf dieser Welt. Manchmal haben Menschen schlechte Laune." Er versucht das aber nicht zu generalisieren. Die Regeln hier in Österreich seien einfach anders als in Kamerun. "Hier muss man nach den Informationen fragen, in Kamerun wird einem immer alles von anderen aufgelistet."

Was die Zukunft für ihn bringen soll? Der 40-Jährige wünscht sich, dass er sein Wissen weitergeben kann. Er will Afrikanern etwa zeigen, wie sie ein Unternehmen gründen und so ihr Leben in die Hand nehmen können. Atembe will aber auf jeden Fall in Salzburg bleiben. "Ich liebe diese Stadt, die gute Luft, die Reinheit. Und ich bin süchtig nach Schnitzel."

Am Donnerstag, 25. Oktober, lädt das Afro-Asiatische Institut Salzburg zum Jubiläumsfest. Künstler und Künstlerinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika gestalten die Feier, die um 19.00 Uhr in der Kollegienkirche beginnt.

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