Chronik

"Im Ernstfall entscheidet jede Minute über Leben und Tod"

13 Menschen sind im Vorjahr bei Badeunfällen in Salzburg gestorben. Kürzlich kam ein älteres Paar im Fuschlsee ums Leben. Wie man auch als Laie Leben retten kann, schildert ein Wasserretter.

Haben an den Wochenenden ein aufmerksames Auge: die Wasserretter im Strandbad St. Gilgen.  SN/berthold schmid
Haben an den Wochenenden ein aufmerksames Auge: die Wasserretter im Strandbad St. Gilgen.

Bis zu 600 Badegäste tummeln sich an Spitzentagen im St. Gilgener Strandbad am Wolfgangsee. Für viele Kinder ist das Sprungbrett ein magischer Anziehungspunkt, andere dümpeln lieber mit Schwimmhilfen im seichten Wasser, ältere Gäste schwimmen bedächtig weiter in den See hinaus. Lebensfreude pur, doch die Situation kann sich schnell ins Gegenteil wandeln - dann, wenn ein Mensch zu ertrinken droht.

Peter Greschner, Ortsstellenleiter der Wasserrettung St. Gilgen, ist mit seiner Mannschaft jeweils an den Wochenenden im Dienst: "Wir beobachten das Treiben genau, hauptsächlich die Bereiche des Sprungbretts und der Stege, aber auch Kinder, die mit Schwimmhilfen im Wasser sind, sowie Personen, die weiter in den See hinausschwimmen." Wind und Strömung könnten Menschen überfordern, so der Wasserretter. Besonders gefährdet seien schlechte Schwimmer, wie 2017 passiert, als in St. Gilgen ein 17-jähriger Asylbewerber beim Versuch, einen Landsmann zu retten, ertrunken ist.

Prinzipiell seien Ersthelfer jene, die im Notfall Leben retten könnten, denn es zähle jede Minute, so Markus Gewolf, Sprecher der Salzburger Wasserrettung. Wobei zu beachten sei, dass sich der Helfer nicht durch Panikattacken des zu rettenden Menschen selbst in Gefahr bringen solle. Zudem empfiehlt er Schwimmern, die längere Strecken bewältigen wollen, eine Boje oder ähnliche Auftriebskörper an einer Leine mitzuführen. Bei einem Krampf oder Schwächeanfall könne es lebensrettend sein.

Im Fall jenes Ehepaares, das am 1. Juli im Fuschlsee ertrunken ist, ist die Ursache nicht bekannt: Laut Zeugenaussagen war die 78-jährige Frau etwa 50 Meter vom Ufer entfernt untergegangen. Ihr 81-jähriger Mann rief um Hilfe und wollte seiner Frau helfen, ging jedoch selbst unter. Trotz der raschen Bergung durch Ersthelfer konnte der Mann auch von einem Notarzt nicht wiederbelebt, die Frau nach einer Stunde von Tauchern aus vier Metern Tiefe geborgen werden.

Im heurigen Jahr hat die Salzburger Wasserrettung, die mit 400 Einsatzkräften in 23 Ortsstellen im Land organisiert ist, bislang 93 Einsätze verzeichnet. "Im Vorjahr haben wir 29 Menschen aus Salzburger Seen sowie Salzach, Saalach und Lammer retten können", betonte Gewolf. Zudem seien 720 Schwimmkurse abgehalten worden. Heuer seien es bedingt durch Corona weniger.

"Ab dem 13. Lebensjahr kann jeder Jugendliche bei uns den Helferschein machen, ab dem 16. Lebensjahr den Retterschein", so Gewolf. Richtiges Schwimmen habe wenig mit Kraftanstrengungen zu tun, verriet der Wasserretter. Vielmehr sei die richtige Schwimmlage, die mit weniger Anstrengung auskommt, für das Erlernen wichtig, so Gewolf.

Richtiges Handeln in einem Notfall

Wie sollen Ersthelfer in einem Unglücksfall reagieren? "Sofort über den Notruf 144 die Situation schildern", so Wasserretter Markus Gewolf. Da in Not geratene Menschen meist mit Panik reagierten, sollten sich Ersthelfer nicht selbst in Gefahr bringen, sich von hinten dem Betreffenden nähern, um nicht selbst unter Wasser gedrückt zu werden. Der Verunglückte sollte mit dem sogenannten Achselschleppgriff (Griff von hinten unter die Achsel) ans Ufer gebracht werden.

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