Chronik

Im Gleichgewicht zwischen Fähigkeiten und Leistung leben

In der Fastenzeit nur deshalb auf die Ernährung zu achten, damit es ab Ostern wieder gleich weitergeht, hat für Pfarrer Peter Schwaiger keinen Sinn. Im LN-Gespräch geht er auf Werte im Leben ein.

Um sein Gleichgewicht zu testen und sich zu spüren, balanciert der gelernte Zimmermann auch immer wieder gerne mal über das Geländer am Weg zur Kirche in Muhr. Bild: Hannes Perner SN/sw
Um sein Gleichgewicht zu testen und sich zu spüren, balanciert der gelernte Zimmermann auch immer wieder gerne mal über das Geländer am Weg zur Kirche in Muhr. Bild: Hannes Perner

Zwei Stunden über Gott und die Welt haben wir mit Pfarrer Peter Schwaiger gesprochen. Im LN-Interview geht er vor allem auf die Balance und den Sinn im Leben näher ein.

Redaktion: Peter Schwaiger: Man muss sich jeden Tag neu erschaffen, um Erwartungen zu erfüllen. Man kann nicht alles und für jeden erfüllen. Setzt man aber alles daran, geht man zugrunde.

Warum ist das so?Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Jeder Mensch hat Fähigkeiten. Ein gelungenes Leben ist, im Gleichgewicht zwischen Fähigkeiten und Leistung zu leben. Dem Erwartungsdruck der Gesellschaft kann man aber nicht standhalten.

Ist der Wert eines Mensch von Leistung abhängig?Meinen Wert habe ich, weil ich ein Kind Gottes und deshalb ein einmaliger Mensch bin. Mein Wert als Mensch ist nicht von meiner Leistung abhängig. Daher bin ich mehr wert als die ganze Welt. Ich habe eigene Fähigkeiten, die niemand anders hat. Die Folge daraus: Wenn man nach seinen Fähigkeiten lebt, gibt es keine Enttäuschung. Man lebt nicht davon, ob beispielsweise ein Lob vom Chef kommt.

Was ist der Sinn des Lebens?Im letzten Ende ist es die Suche nach Gott. Er ist das Einzige, was einem bleibt. Wenn man Gott findet, findet man auch sich selbst. Am schlimmsten ist die Sinnlosigkeit. Wenn man keinen Sinn mehr im Leben findet, ist es aus. Der Mensch strebt nach Steigerungen, wird damit aber nicht glücklich. Heute gibt es alles, zu jeder Zeit. Man darf sich Dinge gönnen, aber nicht, um davon zu leben. Werbung und Leistungsgesellschaft sagen, mit materiellen Dingen wird man glücklich.

Ist es so?Ein Sprichwort sagt: Nicht die glücklichen Menschen sind dankbar, sondern die dankbaren Menschen sind glücklich. Scheinbar Glückliche definieren sich über Leistungen. Es geht um Sinnfragen im Leben.

Wie schaffen Sie es, die Balance zu halten?Ich bin als Pfarrer genauso Teil des Systems. Wenn ich nach meinen Fähigkeiten lebe, lebe ich freier. Wenn ich etwas tue, weil ich erwarte, dass alle zufrieden sind, kann ich enttäuscht werden.

Was braucht es, damit Menschen nach diesen Prinzipien leben?Der Mensch muss wieder sagen, er ist ein geliebtes Kind des himmlischen Vaters. Man hat sich nicht ausgesucht, dass man auf der Erde ist. Das hat jemand anderes entschieden. Jeder ist eine kurze Zeit lang hier. Ich stelle mir die Fragen: Warum arbeiten wir uns so auf? Warum machen wir uns das Leben so schwer? Warum teilen wir nicht das, was wir haben? Und zum Schluss sagt man dann: Der hat trotzdem noch einen schöneren Sarg gehabt. Das ist das Ende dieser Gesellschaft. Deshalb gibt es auch kaum positive Nachrichten zu Glauben und Religion.

Warum wendet man sich vom Glauben ab?Konsum und Produktion vertragen sich nicht mit Glauben. Der gläubige Mensch hat seine Mitte und ist glücklich, wenn er gibt anstatt nimmt. Mit Konsum und materiellen Dingen will man heute Gott ersetzen. Man versucht, jemand zu sein, der man nicht ist. Es gibt viele Menschen, die ihr ganzes Leben lang kämpfen, damit sie so sein können, wie es andere gerne hätten.

Worauf kommt es in der Fastenzeit an?In der Fastenzeit sollte man sich wieder auf das Wesentliche besinnen. Sich damit beschäftigen: Wo komm ich her? Warum bin ich da? Und was ist nach meinem leiblichen Tod? Nur auf die Ernährung zu schauen und abzunehmen, damit es nach Ostern wieder gleich weitergeht, hat keinen Sinn.

Was ist für Sie Zufriedenheit?Es ist die Verbindung, zwischen Fähigkeit und Leistung zu leben. Dann sieht man Dinge ganz anders, nimmt die Natur anders wahr und ist mit seiner Umgebung zufrieden.

Was sagen Sie den Kindern im Religionsunterricht?Ich sage ihnen als Erstes, dass Gott dich mit deinem Namen als geliebteste Tochter und als geliebtester Sohn anspricht und dann ganz leise flüstert: Tue Gutes und meide das Böse.

Wonach sehnt sich der Mensch?Er sehnt sich nach unendlicher Liebe. Und das ist Gott. Als Eltern kann man den Glauben seinen Kindern vorleben.

Wie meistern Sie den Alltag?Ich habe ein gutes Tagesgerüst. Es braucht eine Struktur. Wenn es mir nicht gut geht, hilft mir die Ordnung und die Regelmäßigkeit. Man sollte dem, was man macht, Sinn geben. In der Früh bete ich jeden Tag in der Kirche. Durch das Gebet werde ich geführt, wenn ich es will. Es gibt keine größere Freiheit als in Gott.

Was bedeutet Gott für Sie?Gott bedeutet für mich Leben und Vollendung. Vollende das Leben in unendlicher Freude. In Gott ist Leben unendlich. Je mehr Gott im irdischen Leben ist, umso mehr wird es ewig, schöner und glücklicher. In der Hoffnung, dass er alles vollendet. Dazu gibt es die Kirche. Wir sind nicht hier, um Feste zu gestalten. Durch uns hat der Mensch die Möglichkeit, in seiner Beziehung zum Schöpfer zu wachsen und geheilt zu werden.


Aufgerufen am 05.12.2020 um 06:37 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/im-gleichgewicht-zwischen-faehigkeiten-und-leistung-leben-67931746

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