Chronik

Im Internet gezielt nach Mädchen gesucht: Mutmaßlicher Serien-Sextäter in Salzburg vor Gericht

36-jähriger gebürtiger Steirer gab sich im Internet als Gleichaltriger aus und erschlich sich das Vertrauen der zehn- bis 13-jährigen Opfer. Der Angeklagte zeigte sich im Prozess großteils geständig. Das Gericht lässt ein psychiatrisches Gutachten über den Angeklagten einholen. Zusätzlich erschütternd: Es könnte noch weitere 23 Opfer geben.

Symbolbild. SN/APA/BARBARA GINDL
Symbolbild.

Mit massiven Vorwürfen ist ein 36-Jähriger am Dienstag bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg konfrontiert worden. Er soll im Internet zehn- bis 13-jährige Mädchen zu geschlechtlichen Handlungen aufgefordert, sich Fotos davon schicken lassen und zwei Mädchen im Alter von zwölf und 13 Jahren bei Treffen sexuell schwer missbraucht haben. Der Beschuldigte war großteils geständig.

Laut Staatsanwalt Andreas Allex hatte sich der bisher unbescholtene Österreicher, der nach einer Hausdurchsuchung im November 2017 von Salzburg nach Wien übersiedelte, in den Jahren 2017 und 2018 auf Online-Plattformen wie die Spiele-App für Kids "MovieStarPlanet" zunächst als 13-Jähriger ausgegeben, um bei den Chats als "Gleichaltriger" das Vertrauen seiner Opfer zu gewinnen. Nicht alle Mädchen gingen darauf ein.

Mit einer 13-Jährigen soll der Angeklagte im Keller eines Wohnhauses in Wien den Geschlechtsverkehr auch vollzogen haben, was der 36-Jährige bei dem Prozess bestritt. Er habe es zwar versucht, "es hat aber nicht geklappt", sagte er zum Vorsitzenden des Schöffensenats, Richter Christian Hochhauser. Der Beschuldigte sprach von einer Art "Sucht", die ihn zu den Tathandlungen getrieben habe. "Es sitzt im Kopf und ich kann mich nicht dagegen wehren. Ich weiß nicht, woher das kommt." Er wolle aber eine Therapie absolvieren und wieder ein normales Leben führen, beteuerte er.

Der Forstarbeiter brachte auch seinen "massiven Alkoholkonsum" zur Tatzeit ins Spiel. Er habe zehn bis zwölf Bier getrunken, als er mit den Unmündigen gechattet habe. Warum er die Mädchen noch zu weiteren sexuellen Handlungen genötigt habe, indem er ihnen drohte, ansonsten die Fotos ihren Eltern weiterzuschicken, fragte die beisitzende Richterin Anna-Sophia Geisselhofer. Er habe Druck gemacht, weil er selbst so erzogen worden sei, antwortete der Angeklagte. Er schilderte noch, dass er als Achtjähriger missbraucht worden sei.

Nach der Hausdurchsuchung, bei der belastendes Material sichergestellt wurde, habe der Angeklagte trotz des Ermittlungsverfahren weitere Taten gesetzt, sagte der Staatsanwalt. Eine Opferanwältin erklärte, dass ihre Mandantin in ihrer sexuellen Entwicklung und in ihrer sexuellen Integrität massiv geschädigt sei.

In der Anklageschrift wurden fünf Betroffene aufgelistet. Dies sei aber nur ein Auszug des strafrechtlichen Verhaltens, die Polizei berichte von 23 weiteren Fällen, gab der Vorsitzende zu bedenken. Der Prozess wurde schließlich zur Einholung eines neuropsychiatrischen Gutachtens vertagt. Es geht auch um die Frage, ob der Beschuldigte in eine Anstalt für geistig abnorme, aber zurechnungsfähige Rechtsbrecher eingewiesen werden soll. Der geschiedene 36-Jährige, dem schwerer sexueller Missbrauch und sexueller Missbrauch von Unmündigen, schwere Nötigung sowie pornografische Darstellung Minderjähriger vorgeworfen wird, befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.

Quelle: APA

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