Chronik

Im Stauchaos liegen oft die Nerven blank

Zu den Seen, in den Urlaub oder wieder nach Hause: Das nächste Stauwochenende ist da. Die Hitze trägt ihr Übriges dazu bei: Täglich sperren sich derzeit acht Lenker aus dem Auto aus.

Es werden wieder lange Blechkolonnen auf der Tauernautobahn sein, die sich einerseits Richtung Grenzkontrollen am Walserberg und andererseits Richtung Süden zur Mautstelle in St. Michael quälen. Das prognostizieren ÖAMTC und ARBÖ vor diesem Wochenende unisono. Und sie hatten Recht: Die für das Wochenende angekündigten Staus auf den Nord-Südverbindungen sind am Samstag eingetroffen. Der ÖAMTC meldete Behinderungen von Bayern über Salzburg bis Kärnten. Besonders betroffen war die Tauernautobahn (A10) in südlicher Richtung, wo es bei den Tunnels Blockabfertigung gab. Grund dafür ist die zweite Reisewelle aus Bayern und Baden-Württemberg.

In Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland enden hingegen die Sommerferien. Auf der bayerischen A8 bewegte sich gegen Mittag ab dem Chiemsee auf einer Länge von 25 Kilometern stockender Verkehr auf den Walserberg in Salzburg zu. Dort ging es auch in der Gegenrichtung zäh zu - der Stau reichte bis zum Knoten Salzburg zurück. Richtung Norden wird für den Nachmittag zunehmendes Verkehrsaufkommen aufgrund des Rückreiseverkehrs erwartet.

Der Weg Richtung Süden gestaltete sich für zahlreiche Urlauber am Samstag langwierig, wie der ÖAMTC der APA mitteilte. Geduld war vor allem am Grenzübergang auf der Kärntner Karawankenautobahn (A11) Richtung Slowenien gefragt. Hier gab es bei Blockabfertigung gegen 10.00 Uhr bereits rund 17 Kilometer Rückstau nach Norden bis zur Anschlussstelle St. Niklas-Faakersee. Der ÖAMTC sprach von rund zwei Stunden Verzögerung, die noch mehr werden dürften, da sich aus Deutschland zahlreiche Urlauber noch in der Anreise befänden.

Als Ausweichmöglichkeit wurde von manchen Reisenden der Wurzenpass (B109) genutzt, der aber vorrübergehend gesperrt wurde, nachdem dort mehrere Fahrzeuge mit Anhängern nicht mehr weiterfahren konnten. Beim steirischen Grenzübergang Spielfeld auf der Pyhrnautobahn (A9) in Richtung Slowenien gestaltete sich die Fahrt in den Süden vorerst noch flüssig, allerdings wurden auch Verzögerungen am Übergang Krapina von Slowenien nach Kroatien sowie bei den Mautstellen der kroatischen Autobahnen rund um Zagreb gemeldet.

"Es wird das ganze Wochenende weitergehen", warnt Aloisia Gurtner vom ÖAMTC. Ausweichen? "Bringt nix", meint Gurtner. Denn etliche hätten ihr Glück durch die Stadt Salzburg versucht, weshalb es auch dort zu Staus gekommen sei.

Aber nicht nur die Reisewelle in Urlaubsländer rollt. Die Salzburger suchen Abkühlung und wollen schnell an die Seen. Deshalb wird es sich auch in Richtung Mattsee und Obertrum, Wolfgangsee und Mondsee stauen. "Schon an den letzten Wochenenden konnten wir dichteres Verkehrsaufkommen rund um den Wolfgangsee, den Zeller See oder auch den Wallersee feststellen", warnt Jürgen Fraberger vom ARBÖ Informationsdienst.

Der Stau ist die eine Sache. Erschwerend hinzu kommt derzeit die Hitze. Lenker seien dadurch unkonzentrierter, heißt es beim ÖAMTC. Daher beobachte man mehr Auffahrunfälle im Stau. "Viele schmeißen die Nerven weg, fahren durch die Rettungsgasse oder über den Pannenstreifen", sagt Gurtner. Der ÖAMTC ist im Dauereinsatz. 184 Einsätze zählen die Pannenhelfer derzeit - pro Tag. Besonders auffällig: Bei Temperaturen über 30 Grad sperren sich etliche Lenker aus dem Auto aus. Der gelbe Automobilclub verzeichnet allein hier acht Einsätze am Tag. Dasselbe Bild schildert der ARBÖ. Die Einsatzzahlen sind dort in Summe um 20 Prozent gestiegen, auf rund 45 am Tag. Und auch an der Zapfsäule lässt die Konzentration spürbar nach. Die Autofahrerclubs haben täglich zwei bis drei Anrufe von "Falschtankern". Mehr Pannen in der Nacht aufgrund defekter Reifen meldet der ARBÖ im Raum Zell am See und Bischofshofen.

Einsätze wegen im Auto eingesperrter Hunde oder Kinder wurden zum Glück noch keine verzeichnet. Das Auto abzustellen - und sei es auch nur im Schatten - hat nämlich derzeit fatale Folgen für Insassen. Der ÖAMTC hat die Hitzeentwicklung im Auto gemessen. Bei 30 Grad Außentemperatur steigt die Temperatur im Inneren des Fahrzeuges auf bis zu 80 Grad. "Eine tödliche Falle für Kinder oder Hunde", sagt Gurtner. Der Parkplatz im Schatten sei da auch keine Option. "Auch hier steigen die Temperaturen auf bis zu 50 Grad an. Deshalb unser dringender Appell: Bei solcher Hitze niemals - auch nicht für kurze Zeit - Kinder oder Hunde im Auto lassen."

Blockabfertigung wird ausgesetzt

Am 11. und 18 August wird die Blockabfertigung bei Golling, Flachau und Flachauwinkel ausgesetzt. Bei der Galerie Oberweißburg wird der Verkehr in Richtung Süden mit einer Ampel geregelt. Sollte es dabei zu einem Stau bis zur Einhausung Zederhaus kommen, könnte die Blockabfertigung doch wieder aufgenommen werden.

Um Ausweichverkehr zu vermeiden, wird die Ausfahrt Zederhaus gesperrt - mit Ausnahme für Ziel- und Quellverkehr. Wie stark der Ausweichverkehr ist, zeigen Zahlen aus Golling. Dort wurden 2017 von Juni bis August täglich um 1000 bis 1800 Fahrzeuge mehr abseits der Autobahn
gezählt als in anderen
Monaten.

Aufgerufen am 21.11.2018 um 03:53 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/im-stauchaos-liegen-oft-die-nerven-blank-38374717

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