Chronik

Immer noch lange Wege für akute Zahnprobleme

Seit Anfang Februar gibt es im Pongau keinen zahnärztlichen Notdienst mehr. Die Kritik an der Situation ist groß. Änderungen sind nicht in Sicht.

Weiterhin kein notärztlicher Dienst bei Zahnproblemen im Pongau SN/sw/pixabay
Weiterhin kein notärztlicher Dienst bei Zahnproblemen im Pongau

Die Pongauer Nachrichten erreichte die Beschwerde einer Patientin, die am Pfingstwochenende unter großen Schmerzen stundenlang in Salzburg auf eine Behandlung warten musste. Eine untragbare Situation, kritisieren viele Schmerzpatienten.

Bei akuten Zahnproblemen am Wochenende oder an Feiertagen kommt ein Notdienst zum Tragen. Im Pongau wurde dieser seit Februar allerdings eingestellt. In nächster Umgebung gibt es keine Anlaufstelle mehr. Die Patientinnen und Patienten müssen trotz Schmerzen den Weg in die Landeshauptstadt auf sich nehmen. Im Pinzgau und Lungau wird weiterhin vor Ort von den niedergelassenen Ärzten ein Notdienst angeboten. Die Empörung der Pongauer ist daher groß.

"Es wird auch in naher Zukunft keinen solchen Notdienst geben", stellt Martin Hönlinger, Chef der Salzburger Zahnärztekammer und Obmann des Vereins der niedergelassenen Zahnärzte im Land, weitere schwere Zeiten für Patienten in Aussicht. "Wir sind schon froh, wenn künftig nicht reihenweise die Kassenverträge gekündigt werden", die Unzufriedenheit vieler Zahnärzte über Verträge mit der Krankenkasse (jetzt ÖGK) wächst seit Jahren. Die Zahnärzte fühlen sich während der Corona-Zeit in Stich gelassen. "Wir können derzeit etwa nur die Hälfte der sonst üblichen Patienten behandeln. Dazu haben wir im Pongau inzwischen durch Pensionierungen, Erkrankungen oder pflegebedürftige Angehörige sehr wenige Zahnärzte, die am Notdienst-Rad teilnehmen können." Den Notdienst würden die Zahnärzte selbst finanzieren, ohne öffentliche Förderungen, "und wir haften mit unserem Privatvermögen dafür. Derzeit ist ein solcher Notärztedienst wirtschaftlich und personell nicht stemmbar." Die wenigen Kollegen müssten nicht nur fünf Tage in der Woche, sondern auch jedes zweite oder dritte Wochenende durcharbeiten. Dies sei weder für die Zahnärzte noch für deren Angestellte zumutbar und machbar. Die Situation werde sich in den nächsten Jahren weiter verschlechtern. Das Covid-19-Übertragungsrisiko wurde in den Ordinationen als sehr hoch eingeschätzt, dabei habe man höchste Hygienestandards.

Die Zahnärzte fordern mehr Unterstützung, etwa bei Ordinationsgründungen durch die Gemeinden. Die Situation bleibt heikel: Im Gasteinertal gibt es überhaupt nur einen Kassenzahnarzt für über 13.000 Einwohner.

"Es ist beschämend, dass in einem reichen Land wie Österreich ständig stundenlange Fahrtzeiten in Kauf genommen werden müssen, um in einer gesundheitlichen Notlage eine Linderung der Schmerzen zu erhalten", sagt Arbeiterkammer-(AK)-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder. Aus seiner Sicht sind die ÖGK und die Zahnärztekammer verpflichtet, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die AK kritisiert, dass durch die Zentralisierung der ÖGK die regionalen Bedürfnisse zudem völlig aus dem Blick geraten.

Als eine Möglichkeit, Versorgungssicherheit herzustellen, führt Eder den Ausbau entsprechender Ambulatorien ins Treffen. "Wenn es den Ärzten nicht gelingt, einen regionalen Notdienst zu bedienen, muss die ÖGK ihre Zahngesundheitszentren in allen Regionen ausbauen und dort auch den Notdienst übernehmen. Bereits jetzt wird in diesen Zentren exzellente Arbeit geleistet. Wirtschaftliche Interessen dürfen nicht auf Kosten der Versorgungssicherheit gehen", so Eder.

Dass diese Zahngesundheitszentren einen Notdienst für die Wochenenden übernehmen, das schließt Thomas Kinberger, der Leiter der ÖGK Salzburg, aus: "Im Pongau gibt es 20 Zahnärzte mit Kassenverträgen, das ist gut machbar." Bei allem Verständnis für die wirtschaftliche Situation der Zahnärzte hält er fest, dass dies nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden dürfe und die Zahnärztekammer hierfür eine Lösung suchen müsse. Gerade während der Covid-19-Pandemie hätte man die Vertragszahnärzte nicht alleingelassen, "sie waren sogar Gewinner während dieser Zeit".

Kinberger betont jedoch, dass er den Ärger der Pongauer gut verstehen könne: "Die Salzburger würden nicht in den Pongau zur zahnärztlichen Versorgung fahren, der Aufschrei wäre ungleich größer."

Aufgerufen am 26.11.2020 um 10:22 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/immer-noch-lange-wege-fuer-akute-zahnprobleme-89053090

Kommentare

Schlagzeilen