Chronik

In luftiger Höhe über den Pinzgau

Es geht rauf auf 3800 Meter im Heißluftballon. Keiner weiß, wohin es uns trägt. Eine Reportage von oben.

Es ist eine Fahrt ins Blaue. Der Wind ist gering, ein stabiles Hoch erreicht am Montagvormittag den Pinzgau.

Vom Zeller Flugplatz geht's los, die erste Schweißperle läuft übers Gesicht. Nach kurzer Begrüßung, auf Anhieb per Du, folgt der Arbeitsauftrag: Die Ballonhülle, insgesamt 250 Kilogramm schwer bei über 2000 m22 Fläche, muss ausgerollt werden. Gott sei Dank übernimmt anschließend ein Ventilator den Job, genügend Luft hineinzublasen. Später wird diese mit einem Brenner und Propangas aufgeheizt.

Bitte einsteigen, wir heben ab. Leichte Nervosität macht sich breit, speziell bei den Ballonfahrt-Neulingen. Im Korb: Sechs Mitarbeiterinnen von Zell am See-Kaprun Tourismus (darunter eine mit Höhenangst), ein Fotograf, ein Lokaljournalist und Pilot Andreas Flaggl - ein Steirer, der auf ca. 220 Fahrten pro Jahr kommt. Der Ballon fliegt nicht, er fährt. Bei falscher Formulierung schrillt es im Kopf eines Ballonfahrers. Ausschließlich mit einer Getränkerunde könne man den Fauxpas gutmachen, sagt Flaggl. Er vermutet, es werde an diesem Tag im Spaziertempo in Richtung Saalfelden gehen. Die Höhe lässt sich regulieren, die Richtung gibt der Wind vor.

Je höher wir steigen, desto malerischer erscheint die Region. Über dem Zeller See halten wir bei 3800 Metern, sind auf Augenhöhe mit der Spitze des Großglockners. Weiter hinauf dürfen wir nicht, dort beginnt der kontrollierte Luftraum. Die Temperatur: minus 20 Grad Celsius.

Die Höhe sollte eigentlich ein Graus sein für Monika Embacher. "Normal habe ich ein mulmiges Gefühl, wenn ich drei Meter vom Balkon hinunterschaue." Es läuft die fünfte Auflage der "balloonalps", bisher sträubte sich die Fuscherin gegen eine Fahrt. Doch die Pensionierung in wenigen Wochen verleitete sie Montagfrüh kurz entschlossen zur Zusage. Embacher bereut es nicht, schaut mutig nach unten, spürt keinerlei Kribbeln, nur ein "einzigartiges Gefühl". Flaggl: "Man bewegt sich ruhig und sanft, fühlt sich sicher im Korb, erkennt keine Falllinie." Trotz Höhenangst könne man bedenkenlos in einen Ballon steigen.

Bald zeigt sich, wie schwer planbar eine Ballonfahrt ist. Es geht nicht nach Saalfelden, der leichte Wind dreht. So schwach, dass Flaggl tiefer nach einer Strömung suchen muss. Er findet sie knapp über dem Zeller See. Hier gleiten wir dahin, rutschen immer wieder auf der Eisfläche, das Rumpeln fühlt sich an wie eine Fußmassage. Flaggl spielt sich mit dem Ballon, sagt: "Wir sind die ersten Eisläufer hier. Wenn wir einbrechen, heizen wir ein." Der Steirer hat alles im Griff. Es geht dem Südufer entgegen.

Am Boden empfangen uns aus heiterem Himmel Polizisten

Plötzlich sind Polizisten und Feuerwehrleute zu sehen. Wegen uns? Bei Bodenkontakt neben einem Spazierweg nahe dem Campingplatz bestätigt sich das. Der Pilot wird befragt. Es sei ein Notruf eingegangen - aufgrund eines tief fliegenden Ballons über dem See. "Auch die Rettung und Wasserrettung wurden alarmiert", sagt ein Polizist. Flaggl verwundert: "Es ist ja nicht das erste Mal, dass während der Ballonwoche über dem Zeller See ein Ballon zu sehen ist." Er ist per Funkgerät mit dem Flugplatz verbunden - "ein Anruf dort hätte genügt, um abzuklären, dass alles in Ordnung ist." Knapp über dem See sei der Wind am besten gewesen, um zu einer Landefläche zu gelangen.

Das Begleitteam rückt mit Auto und Anhänger an, es beginnt ein hartes Stück Arbeit. Alle müssen anpacken, um den Ballon zu bändigen und die Hülle in einem großen Sack zu verstauen. Es wird heiß in den vier Kleidungsschichten, von Minusgraden ist längst nichts mehr zu spüren.

Zurück auf dem Flugplatz zur traditionellen Taufe - mit Kniefall, Haar-Anzünden und einem Spritzer Sekt auf den Kopf. Der Pilot und seine Crew geben auf einer Urkunde kund und zu wissen, dass nach Zunft und Ordnung der Ballonfahrer die Teilnehmer in den Adelsstand erhoben werden. Samt der Verleihung eines schönen Titels. Im Falle des Redakteurs: "Graf Andreas, am Himmel eilender Journalist über der Region Zell am See". Ein fürstliches Gefühl. Erhebend wie die ganze Fahrt.

Wer auf den Geschmack gekommen ist: Die Ballonwoche läuft bis Samstag, 9. Februar. Infos: www.zellamsee-kaprun.com

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Aufgerufen am 23.10.2020 um 12:53 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/in-luftiger-hoehe-ueber-den-pinzgau-65309692

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