Chronik

In Salzburg ist die Jugend am Wort

Wie wohl fühlen sich Salzburgs Jugendliche in ihrer Heimatstadt? Was macht ihnen Angst? Die SN hörten drei Jugendlichen zu.

Das Kinder- und Jugendzentrum (JUZ) im Stadtteil Lehen ist Mittwochnachmittag gut besucht. "Wir haben so viele Kinder und Jugendliche, dass wir nicht wissen, wohin mit ihnen", sagt Veronika Horn vom Jugendförderungsprojekt Streusalz. Eine der Besucherinnen ist eine 15-Jährige, die regelmäßig ins JUZ kommt, obwohl sie in Liefering lebt. Warum? "Weil es hier viel cooler ist", meint das Mädchen, das mit seiner Familie vor 13 Jahren aus Syrien nach Salzburg gekommen ist. Sie komme heimlich hierher, ihre Eltern fürchteten einen schlechten Umgang für ihre Tochter in Lehen, besonders seit der Messerstecherei im Lehener Park im Vorjahr. "Da gehe ich seither nicht mehr hin." An ihrem "Wahlstadtteil" gefalle ihr besonders der Interspar-Park. Dort spiele sie Fußball. Sie besucht die Neue Mittelschule in Liefering. Danach will sie eine Lehre in einer Apotheke machen. Doch die Suche nach einer Lehrstelle sei schwierig. "Wenn ich keine finde, dann muss ich noch ein Jahr Poly dranhängen."

So wie dem Mädchen geht es vielen Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Salzburg, weiß Sozialarbeiterin Veronika Horn. Viele hätten eine Begleitung während Schulzeit oder Lehre bitter nötig. "Irgendwann kommen sie in der Schule nicht mehr mit oder brechen die Lehre ab, weil sie den rauen Ton dort nicht aushalten." In den Familien hätten sie kaum Rückhalt. Die Folge: Arbeitslosigkeit und keine abgeschlossene Ausbildung.

Marco Heis lebt in der Berger-Sandhofer-Siedlung in Maxglan. Der Elfjährige ist gern im Komm, dem Kinder- und Jugendzentrum in diesem Stadtteil. Besonders gern spielt er dort Darts. Marco besucht die Neue Mittelschule und lebt fast sein ganzes Leben in Maxglan. Er schätzt die vielen Sportmöglichkeiten. "Wir haben Spielplätze, Fußballplätze und manchmal dürfen wir abends in die Turnhalle der Neuen Mittelschule. Das ist cool." Was ihm nicht gefalle, seien Streitereien zwischen Jugendlichen. "Da schauen viele zu, bis jemand vom Komm dazwischengeht."

Eine Erfahrung, die auch Martin Stockinger aus Taxham schon gemacht hat. "Das kommt bei uns auch vor." In seinem Stadtteil würden viele Jugendliche mit Migrationshintergrund leben. Im gesamten Stadtgebiet sind es rund ein Drittel. Er sei sich bewusst, dass Taxham nicht den besten Ruf habe. Das merkt er verstärkt, seit er in einem anderen Stadtteil zur Schule geht. "Aber ich lebe trotzdem gern hier." Auch ausländische Jugendliche seien gut integriert. "Wir waren gemeinsam in der Volksschule. Jeder kennt jeden." Der Europark und der Kleßheimer Park seien beliebte Treffpunkte.

Veronika Horn hat "ihre" Jugendlichen für die Studie befragt und beobachtet, dass sich gerade Jugendliche in Lehen stark mit dem Stadtteil identifizieren würden. "Für sie ist Lehen Heimat, auch wenn ihre Eltern aus der Türkei oder Syrien kommen." Das sei nach der Messerstecherei besonders aufgefallen. "Sie waren sauer, weil ihr Stadtteil dadurch in Verruf geriet."

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