Chronik

In vielen Salzburger Firmen zählt Rauchen nicht als Arbeitszeit

Wer eine Zigarette rauchen geht, soll ausstempeln. Das will der Chef der Landeskliniken. In vielen Firmen ist das üblich - bei Palfinger seit wenigen Tagen.

Rauchen in der Arbeits- oder Dienstzeit? Dafür müssen viele Mitarbeiter bereits zur Stechuhr und sich im Zeiterfassungssystem austragen.  SN/robert ratzer
Rauchen in der Arbeits- oder Dienstzeit? Dafür müssen viele Mitarbeiter bereits zur Stechuhr und sich im Zeiterfassungssystem austragen.

Arbeiten Raucher und Nichtraucher gleich viel? Ist es gerecht, wenn Raucher an einem Arbeitstag vielleicht sogar mehrmals dem Nikotingenuss frönen?

Spätestens seit der Vorwoche ist diese Frage auch unter der Belegschaft der Salzburger Landeskliniken ein Thema. Wer rauche, der solle in Zukunft ausstempeln - also die Zigarettenpause in der Freizeit konsumieren, und die Arbeitszeit hereinholen. Das sagte Klinikchef Paul Sungler in der Vorwoche.

Was derzeit in den SALK für Aufregung sorgt, ist auch in vielen anderen Betrieben und Unternehmen im Land Salzburg ein Thema. Aktuellstes Beispiel ist wohl Palfinger. Für die Raucher unter den 1650 Palfinger-Mitarbeitern in Österreich gelten seit 1. März neue Regeln.

Seit der Vorwoche müssen Mitarbeiter im Zeiterfassungssystem ausstempeln, wenn sie eine Zigarette rauchen gehen. Das gilt auch für den Konsum von E-Zigaretten. Am Zeiterfassungssystem wurde ein eigenes Symbol für die Kurzpausen eingeführt. An allen Standorten habe man ein allgemeines Rauchverbot auch für das Freigelände wie die Parkplätze eingeführt, sagt Konzernsprecher Hannes Roither. Dafür gibt es gekennzeichnete Raucherzonen. Diese dürfen nur dann betreten werden, wenn die Mitarbeiter für die Kurzpause ausgestempelt sind.

"Palfinger hat hier seit 1. März eine eigene Betriebsvereinbarung getroffen. Das ist mit dem Betriebsrat akkordiert. Es geht uns um die Gesundheit der Mitarbeiter. Und das ist ein weiterer Schritt in Richtung Gesundheitsvorsorge", sagt der Konzernsprecher. Palfinger biete seit Jahren Gesundheitsprogramme für seine Mitarbeiter an. Bei der Raucherentwöhnung helfe das Unternehmen und zahle einen Beitrag, schildert Roither.

Auch beim Lebensmitteldiskonter Lidl müssen die österreichweit knapp 5000 Mitarbeiter ausstempeln, wenn sie eine Pause einlegen. "Für uns ist die minutengenaue Zeiterfassung für unsere Mitarbeiter selbstverständlich, sie entscheiden selbst, wann sie auf Pause gehen", betont Hansjörg Peterleitner, Sprecher der Lidl Österreich GmbH. Hier gehe es um Vertrauen - das gelte auch für das Rauchen. "Die Mitarbeiter stempeln einfach aus und danach wieder ein. Das ist bei uns gängige Praxis und funktioniert seit vielen Jahren tadellos."

Was bei Lidl praktiziert wird, ist seit Jahren auch bei den 45.000 Spar-Mitarbeitern die Regel. Spar-Sprecherin Nicole Berkmann sagt: "Wir haben ein Zeiterfassungssystem. Da sind alle Pausen zu stempeln. Egal ob es sich um eine Rauchpause oder eine Kaffeepause handelt." Nachsatz: "Während einer Pause wird nicht gearbeitet. Also ist es auch keine Arbeitszeit."

Anders ist das bei der Porsche Holding. SPÖ-Vizebürgermeister Bernhard Auinger war bis vor Kurzem dort Betriebsratsvorsitzender. Raucher gegen Nichtraucher auszuspielen schaffe kein gutes Klima, sagt er. "Eine Radikallösung wollten wir immer verhindern. Die Zigarettenpausen sollten sich abgesehen von der Mittagspause auf eine am Vormittag und eine am Nachmittag beschränken. Wer mehr rauchen wollte, sollte ausstempeln. Das haben auch einige gemacht", schildert Auinger.

Grundsätzlich gilt, dass bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden eine gesetzlich vorgeschriebene Ruhepause von mindestens einer halben Stunde besteht. Diese konsumieren Mitarbeiter meist zu Mittag. Sollen Raucher also zwingend die Stechuhr am Arbeitsplatz aufsuchen müssen, wenn sie mehrere kurze Pausen einlegen?

"Beide Seiten haben Argumente, die etwas für sich haben", sagt FSG-Vorsitzender Gerald Forcher. Gegen die Kaffeepause oder ein kurzes Plauscherl von Nichtrauchern sei ebenso wenig einzuwenden wie gegen die Rauchpause - sofern die Anzahl der gerauchten Zigaretten nicht überhandnehme. Rauche ein Mitarbeiter während der Arbeit vier bis fünf Zigaretten und müsse er dafür wie in vielen Firmen üblich das Gebäude verlassen, komme er auf rund eine Stunde Arbeitszeit, rechnet Forcher vor. "Da verstehe ich, wenn die Arbeitgeber etwas dagegen einzuwenden haben."

Generell sei festzustellen, dass Firmen zunehmend auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter Wert legten und entsprechende Angebote offerierten, betont Forcher. "Immer mehr Firmen unterstützen ihre Mitarbeiter, die mit dem Rauchen aufhören möchten."

Im Landesdienst ist die Stechuhr bei Rauchpausen kein Thema. Und das soll auch so bleiben. Personallandesrat Josef Schwaiger (ÖVP) sagt, er wolle nicht mit erhobenem Zeigefinger durch die Gegend laufen. "Ich lehne so eine Diskussion ab. Da kommen wir in eine Gesellschaft, wo der eine dem anderen Minuten vorrechnet, was er tut. Das will ich nicht."

Die Personalvertretung sieht das ganz ähnlich. Christian Andorfer (FSG), Vorsitzender des Dienststellenausschusses Amt, sagt: "Wir möchten, dass es so bleibt, wie es ist. Das, was jetzt anderswo diskutiert wird, sind Schnellschüsse. Die sind nicht durchdacht." Wer im Landesdienst ohnehin die überwiegende Zeit am Computerbildschirm arbeite, für den gelte eine Pause pro Stunde von rund fünf bis zehn Minuten. Zwischen 8.30 bis 12 Uhr dürfe man im Amt eigentlich auch gar nicht ausstempeln, sagt Andorfer. Da müsste man also in weiterer Folge das ganze Dienstzeitsystem ändern.

Aufgerufen am 16.12.2018 um 10:28 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/in-vielen-salzburger-firmen-zaehlt-rauchen-nicht-als-arbeitszeit-25105903

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