Chronik

"Inklusion ist leider nur ein Schlagwort"

Der integrative Gedanke gehe immer mehr verloren, kritisieren Betroffene. Menschen mit Behinderung bleiben immer mehr unter sich.

Seit 17 Jahren organisiert Sabine Seidl das Integrative Feriencamp, eine Ferienbetreuung, die auch aus ihrem persönlichen Bedarf entstanden ist. "Wir zeigen damit, wie Inklusion in unserer Gesellschaft gelebt werden könnte", betont die 57-jährige Mutter von vier Kindern, zwei davon mit Behinderung, "denn auch Menschen mit Behinderung kann man etwas zutrauen, und das erleben sie selbst im Camp."

Sie bedauert, dass man ansonsten Menschen mit Behinderungen in unserem gesellschaftlichen Leben kaum sieht und sie wenig daran teilhaben lässt: "Sie sollten sichtbar unter uns sein und nicht in irgendwelchen Einrichtungen - nur unter ihresgleichen - betreut werden."

Seidl wünscht sich viel mehr Angebote, "vor allem in größeren Gemeinden". Eltern von Jugendlichen mit Behinderung hätten es ohnehin schwer, "heuer ist die Situation für sie noch viel schwieriger und es bräuchte viel mehr Angebote". Dass es viel mehr solche Angebote bräuchte, das bestätigt auch der Pädagoge Thomas Thöny. Er arbeitet im politisch unabhängigen Salzburger Monitoring-Ausschuss mit. Hier werden Empfehlungen und Stellungnahmen abgegeben: "Der Bedarf an Inklusion und Integration ist enorm. In unserer Gesellschaft ist etwa Barrierefreiheit überhaupt nicht gegeben, obwohl wir sie alle brauchen würden." Ob beim öffentlichen Wohnbau oder bei älteren Menschen, "das Thema betrifft uns alle". Seit 2008 sei dies eigentlich nationales Menschenrecht.

Wie Inklusion wissenschaftlich und praktisch lebbar gemacht "und gegen Barrieren im Kopf angekämpft werden kann", damit beschäftigt sich auch Ursula Ablinger. In Bischofshofen engagiert sie sich ehrenamtlich mit ihrem "Vielfalter-Projekt" bzw. durch "Sua Sponte Pädagogik" zum Thema: "Wir sehen es als unsere Aufgabe, Rahmenbedingungen zu schaffen. Selbstverständlich stoßen auch wir immer wieder auf Hürden des Verwirklichbaren. Genau aus diesem Grund werden wir aber nicht müde mit unserem Ziel: Vielfalt und Heterogenität als grundlegende Selbstverständlichkeit und Ressource (er-)lebbar zu machen, weiter zu verfolgen. Nämlich allen Menschen, unabhängig ihrer persönlichen Merkmale und Voraussetzungen, die Teilhabe an selbstbestimmter Freizeitgestaltung und Bildung zu ermöglichen."

Das Integrative Feriencamp von Seidl dauert auch heuer wieder drei Wochen. "Wir haben ein großes Einzugsgebiet und viele Kinder auch aus anderen Bezirken." Sie beobachtet, dass jährlich immer wieder neue Camps zur Ferienbetreuung "aus dem Boden sprießen" und sich für ihr Feriencamp vor allem Kinder und Jugendliche mit Behinderung anmelden, "leider immer weniger Kinder ohne Handicaps. Der integrative Gedanke geht verloren, das war früher ausgeglichener."

Heuer steht ihr Feriencamp unter dem Motto "Feel the music" und findet von 20. Juli bis 5. August bereits seit zwei Jahren in Pfarrwerfen statt. "Bürgermeister Bernhard Weiß und Festsaalwirtin Barbara Scheiber unterstützen uns großartig. Wir mussten ja nach Pfarrwerfen ausweichen, weil wir in Bischofshofen durch den Umbau der Schule keinen Platz mehr hatten." Das Motto des heurigen Camps zieht sich wie ein roter Faden durch die Tage: "Wir haben einen Musikworkshop mit Profitänzern und zwei Musikerinnen. Das wird ein ganz spannendes neues Projekt, das wir beim Abschlussabend präsentieren."

Heuer werden nur 35 Kinder und Jugendliche zur Betreuung aufgenommen. Wie immer soll das Programm mit insgesamt zwölf sehr engagierten pädagogischen Betreuerinnen wieder sehr abwechslungsreich gestaltet werden: "Wir sind reiten, machen einen Ausflug ins Raurisertal, haben einen Trommel-, Massage-, Waldpädagogik- und Judoworkshop, wir gehen wandern, klettern und schwimmen, lernen Bogenschießen und dürfen auch wieder paragleiten in Werfenweng."

Zahlreiche private Sponsoren unterstützen das Camp: "Dadurch können wir überhaupt erst ein so umfangreiches Angebot bieten. Dafür bin ich dankbar."

Das Land Salzburg finanziert mit 12.500 Euro, dazu unterstützen die jeweiligen Gemeinden, aus denen die Kinder stammen, pro Kind mit 130 Euro. Eltern beteiligen sich mit finanziellen Beiträgen von 22 Euro pro Tag.

Aufgerufen am 15.08.2020 um 04:43 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/inklusion-ist-leider-nur-ein-schlagwort-89654323

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