Chronik

Internet stellt Senioren vor Herausforderung

Bankgeschäfte, Einkaufen, Behördengänge. Die Digitalisierung durchdringt den Alltag und macht es unumgänglich sich mit dem Internet auseinanderzusetzen. Was für den einen kein Problem ist, stellt so manche Senioren vor eine Herausforderung.

Symbolbild. SN/dpa/A3250 Oliver Berg
Symbolbild.

Bis Ende Juli konnten Kunden des Interspars in Salzburg-Lehen ihre Einkäufe nach Hause liefern lassen. Nach dem Einkauf wurden die Waren in einer Kühlbox im Eingangsbereich des Gebäudes verschlossen. Der Fahrradkurrier "Die Boten" lieferte diese meist noch am selben Tag an den jeweiligen Kunden aus. Vor allem ältere Anwohner Lehens nutzten das Angebot. Das geht jetzt nicht mehr.


Die Stellungnahme des Interspars: "Der Zustelldienst ist nicht mehr kostendeckend und da man bei Interspar auch online Einkäufe erledigen kann und diese zugestellt bekommt, wurde die Zusammenarbeit mit dem Botendienst in Salzburg-Lehen eingestellt."
Einige Anwohner aus dem Stadtteil reagieren besorgt. Inge Reisinger, Mitglied der Initiative Lebenswertes Lehen: "Viele der Älteren sind nicht mehr in der Lage, ihre Einkäufe selbst bis nach Hause zu tragen. Wir wären sogar bereit eine höhere Gebühr zu zahlen, wenn die Geschäftsleitung ihren Entschluss nochmal überdenken könnte." Der Online-Bestellservice wäre für sie keine Alternative: "Ich selbst, sowie die meisten der älteren Anwohner in Lehen haben nicht einmal einen Internetzugang."

Digitalisierung hemmt Barrierefreiheit

Andrea Eder-Gitchthaler (ÖVP), Vorsitzende des Seniorenverbandes Salzburg: "Problematisch wird es dann, wenn für die älteren Menschen keine Barrierefreiheit mehr gegeben ist." Das sei im Moment ein gesellschaftliches Problem: Auf der eine Seite gäbe es viele Senioren, die sich gut im Internet zurechtfinden, "dann gibt es aber auch noch diejenigen, für die es ein Problem ist, dass in manchen Bereichen alles über das Internet läuft."

Karin Donnerbauer, Leiterin der Seniorenarbeit der Diakonie Salzburg sagt, dass es ein verbreiteter Irrglaube sei, dass alle Menschen einen Internetzugang haben und auch damit umgehen können. Neben dem Online-Zustellservice vom Interspar, sind es auch Bankgeschäfte oder Anträge von Behörden, die oftmals nur über das Internet möglich sind, sagt Donnerbauer. "Die Mitarbeiter des mobilen Dienstes helfen den Senioren, falls dies erwünscht ist. Voraussetzung sei jedoch, dass ein Computer vorhanden ist.

Eder-Gitchthaler (ÖVP) vom Seniorenverband betont jedoch, dass es immer zwei Seiten gibt. "Viele der Älteren sind sehr fit und wissen, wie man das Internet nutzt. Persönliche Betreuung von karitativen Einrichtungen hilft den Senioren sehr. Deswegen sehe ich Digitalisierung auch als Chance, solange niemand davon ausgeschlossen wird."

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