Chronik

Ist der Ausverkauf der Heimat schon im vollen Gange?

Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig im Pinzgau. Er verändert die Region, treibt aber auch Preise in die Höhe. Darüber wurde kürzlich in Leogang informiert und diskutiert.

Das Wildkogel Resort in Bramberg wurde über ein Investorenmodell finanziert.   Bild: Wildkogel Resort SN/sw
Das Wildkogel Resort in Bramberg wurde über ein Investorenmodell finanziert.  Bild: Wildkogel Resort

Bramberg hat sich verändert. In den letzten knapp zehn Jahren ist ein "Dorf im Dorf" entstanden, mittendrin ist das "Wildkogel Resort". Es bringt dem Ort ein kräftiges Nächtigungsplus, sorgt aber auch für Kritik. Denn die Investoren sind unbekannt, Ausländer werden vermutet. Doch es hat ein einheimisches Gesicht: Michael Kajnih aus Bramberg. Der Architekt hat zusammen mit einem holländischen Partner 2010 den ersten Beherbergungsbetrieb am Senningerfeld hingestellt. Weil nach Inbetriebnahme der Smaragdbahn neue Gästebetten benötigt wurden, sagte Kajnih.

Doch die Banken hätten kein Geld hergegeben. "Wir hatten eine Vision, aber keinen finanziellen Background", schilderte Kajnih. Er kannte aus Gerlos ein Modell, das sich über Investoren finanzierte. "Es war die einzige Möglichkeit, mit einem Hotel zu starten", so Kajnih und ergänzte: "Ich bin kritisch, wenn Investorenmodelle wie Pfifferlinge aus dem Wald heraussprießen, wo irgendwelche Leute dahinter sind, die man nicht kennt, die nur das schnelle Geld sehen. Aber diese kann man identifizieren."

Sein Modell erläuterte er so: "Die Investoren finanzieren Appartements und Doppelzimmer, diese werden parifiziert und im Grundbuch als Nutzwertanteile eingetragen. Von uns werden diese Appartements und Zimmer langfristig gepachtet. Das heißt, die eine Seite ist die Finanzierung, die andere ist der Hotelbetrieb. Die Gäste haben einen Beherbergungsvertrag mit meinem Unternehmen. Mir gehören die Restaurants, der Wellnessbereich, die Infrastruktur, auch einige Appartements, die wir zurückbehalten haben."

Es gebe viele Menschen in Österreich, Deutschland, Holland, die Geld genug hätten - und eine emotionale Bindung zum Oberpinzgau. "Sie haben sich in unsere Gegend verliebt und sind bereit zu investieren." Aktuell haben Kajnih & Co ca. 100 Appartements mit 600 Betten, zwei Restaurants, drei Wellnessanlagen, zwei Schwimmbäder. "Wir sind stolz darauf, dass wir im Vorjahr knapp 70.000 Nächtigungen gemacht haben. Wir haben ca. 80 Mitarbeiter und jetzt eine professionelle Struktur. Wir wollen ein Vorzeigebetrieb werden."

Ein Vorzeigebetrieb ist seit Jahren der Krallerhof in Leogang. Ein Investorenmodell komme für ihn aber nicht infrage, sagte Sepp Altenberger. "Bei uns wird alles bar finanziert, das ist für uns das Billigste." Der Beginn sei jedoch schwierig gewesen: "Die Oma kam mit zwei ledigen Buben aus dem Oberpinzgau hierher, das war in den 20er-Jahren nicht besonders prickelnd. Der Vater war nach Aussagen vieler Einheimischer zu faul zum Arbeiten, weil er mit reichen Leuten Ski fahren ging. Die Mutter war aus einer armen Familie im Ort." Aber in den vergangenen rund 40 Jahren ging es steil bergauf. Altenberger nennt einen wesentlichen Teil des Erfolgs: "Das Wichtigste ist Struktur, ohne sie gibt es kein Wachstum. Klein und fein, das gibt es nicht." Insgesamt werden 380 Mitarbeiter beschäftigt.

Altenberger sagte, er sei froh, in Leogang zu sein, wo sein Vater in den 1970er-Jahren Grund günstig kaufen konnte. Jetzt sei die Gegend ein "Millionärsbühel". "Wir haben Grundpreise von x-tausend Euro", sagte Altenberger, betonte aber: "Dadurch wurden auch Werte für die Bevölkerung geschaffen. Wenn ich hier ein Haus habe, kann es um 1,2 Mio. Euro verkauft werden, solche Preise werden lukriert. Dafür muss man dankbar sein." Einheimische könnten sich dennoch leistbare Grundstücke kaufen, sagte Altenberger und ergänzte: "Auch wenn jemand dafür fünf Jahre länger arbeiten muss." Es sei zu berücksichtigen, dass der Wert des dort befindlichen Hauses innerhalb von zehn Jahren um das Drei- oder Vierfache steige. "Man sollte auch positiv denken, wir schaffen Werte."

Übrigens: Kajnih baut derzeit eine Anlage in Neukirchen - mit integriertem Cinetheatro. "Das ist ein wichtiger Teil", sagt der gebürtige Krimmler, der einst Schüler von Charly Rabanser war.

Die Diskussion im Krallerhof wurde von der GFB Wirtschaftsberatung und vom Raiffeisenverband Salzburg organisiert.

Aufgerufen am 14.10.2019 um 11:50 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/ist-der-ausverkauf-der-heimat-schon-im-vollen-gange-77464360

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