Chronik

IT-Techniker baut jetzt Harfen

Tochter Anna Sophia sorgte dafür, dass Peter Fötschl zum Instrumentenbauer wurde.

Nein, Peter Fötschl ist kein Aussteiger. Aber er ist einer, der in sein Herz hineinhört, wenn er Entscheidungen trifft. Und es war ein großer, ein schwieriger, weil folgenschwerer Entschluss, den er 2014 fällte: Der erfolgreiche IT-Unternehmer in der Weltstadt München mit 700 Kunden verkaufte seinen Betrieb und übersiedelte wieder in den Lungau. "Wir wollten, dass unsere beiden Kinder in Tamsweg in die Schule gehen können", erklärt der heute 55-Jährige. Im Haus in Tamsweg-Gensgitsch waren die Installationen für einen EDV-Betrieb gerade verlegt, da kam Töchterchen Anna Sophia mit dem Wunsch zu ihren Eltern, das Zitherspiel zu lernen. "Wir haben uns sehr gefreut", erinnert sich Fötschl, "aber wir haben keinen Lehrer gefunden." Also ist es die Harfe geworden.

Jetzt folgte das berufliche Schlüsselerlebnis für den Familienvater: "Ich war völlig perplex, dass Harfen eine Lieferzeit von zwei bis drei Jahren haben", erzählt er, der nun zu grübeln begann. Über das Internet fand der Lungauer ein Harfenbau-Seminar in der Nähe von Fulda, das er spontan belegte. In diesem Kurs baute er für die kleine Anna Sophia seine erste Harfe. Das war allerdings die keltische Version und keine, wie in unseren Regionen üblich, Tiroler Volksharfe. Mit Grundkenntnissen ausgerüstet, beschloss Peter Fötschl nun, ein solches Instrument selbst zu Hause zu bauen.

Die Tischlerausbildung und das Bastler-Gen kamen ihm dabei überaus zugute. "Aber es war anfangs zum Verzweifeln," denkt er zurück, "es gibt weder ein Buch darüber, noch wollten mir alte Harfenbauer ihre Geheimnisse verraten". In völligem Selbststudium baute Peter Fötschl seine erste Tiroler Volksharfe.

Die Arbeit machte ihm derart Spaß, dass er sich entschloss, in Tamsweg nach seiner Rückkehr keinen IT-Betrieb zu gründen, sondern fortan Harfen zu bauen. Und er macht dabei alles, wirklich alles selbst: Peter Fötschl sucht das Holz aus - "Die Haselfichte hat den besten Klang!" -, hat sich die Lehren für den Klangkörper gebastelt, dreht an der Werkbank die Drehscheiben oder drechselt die Vorderstangen. Nur die Saiten besorgt er sich aus dem Musikgeschäft. "Es macht einfach Riesenspaß", versichert Peter Fötschl, "auch wenn das ein schlechtes Geschäft ist." 5000 Euro etwa kostet eine Harfe. "Aber ich brauche drei Monate, bis eine fertig ist", erzählt der IT-Experte, der trotzdem zum begeisterten Harfenbauer geworden ist.

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