Chronik

Jagd auf Dealer

Die Pongauer Drogenfahnder lassen seit Jahren nicht locker. Regelmäßig stellen sie Drogen sicher und ermitteln gegen Netzwerke.

Ein kleiner Hinweis, der Zündstoff war und einen Schneeballeffekt an Ermittlungsarbeit auslöste. Unter dem Namen "Operation Slovenija" gab es für die Suchtgiftfahnder im Bezirk schließlich einen großen Erfolg zu verzeichnen: Zahlreiche Personen konnten festgenommen und Drogen im Gesamtwert von mehr als 110.000 Euro sichergestellt werden.

Schlagzeilen wie "Polizei zerschlägt Drogenring", "13 Verdächtige ausgeforscht" oder "Drogen um 410.000 Euro sichergestellt" lassen regelmäßig aufhorchen.

Im Pongau existiert ein eigener Bezirkskriminaldienst, Bezirks-Polizeichef Josef Nothdurfter setzt bereits seit 25 Jahren Suchtgiftermittler ein.

"Wenn Zugriffe erfolgen, dann geht es immer blitzschnell. Das läuft wirklich fast so wie im Film - mitten in der Nacht starten wir vom ,Würstelstand' weg zum Zugriffsort. Solche Entscheidungen müssen in kürzester Zeit getroffen werden", schildert ein Ermittler der achtköpfigen Truppe von insgesamt sieben Beamten und einer Beamtin (Anm.: die PN waren bei einer Besprechung dabei; in deren Rahmen entstand das große Symbolbild oben).

Vier der Beamten - sie bleiben aus ermittlungstaktischen Gründen anonym - sind auf den Suchtmittelbereich spezialisiert, "das ist auch dringend nötig, um hier Erfolg zu haben", betont ein weiterer, erfahrener Kripobeamter, der bereits seit 2005 mit dabei ist. "Wir sehen es auch als eine Art Berufung, denn dieser Job braucht natürlich viel Motivation und Herzblut."

Erfolge machen zwar stolz, aber andererseits ist es doch Sisyphusarbeit: "Ein Loch geht zu, dafür das andere auf. Das Drogenproblem ist wie ein Kampf gegen Windmühlen", meint ein anderer Fahnder schulterzuckend.

Bei der Zerschlagung des jüngsten Drogenringes nahmen die Beamten jedoch nicht nur Kleinkriminelle fest, sondern konnten auch die Struktur dahinter zerschlagen: "Bis es so weit ist, stecken jahrelange Ermittlungen und die Zusammenarbeit vieler dahinter." Bei solch komplexen Operationen braucht es einen ganzen Apparat von Beamten unterschiedlichster Dienststellen, auch aus anderen Bundesländern gab es Unterstützung.

Für die jüngste Fahndung war es sogar ein Netzwerk von insgesamt gut 250 Kollegen, auch aus Slowenien und Italien.

Ein Drogenring von 13 Männern konnte so schließlich ausgeforscht werden, neben den großen Mengen an Drogen wurden auch nicht registrierte Faustfeuerwaffen und Schlagringe gefunden. Die größtenteils im Pongau ansässigen Beschuldigten - zwei Österreicher (22 und 25 Jahre), sechs Bosnier (18, 21, 23, 29, 34 und 40 Jahre), ein Kosovare (34), ein Serbe (25) und ein Mazedonier (28).

Zwei Verdächtige befinden sich in Untersuchungshaft, drei weitere Haupttäter, der 40-jährige bosnische Kopf der Bande und zwei seiner Landsmänner, sind auf der Flucht und werden mit internationalem Haftbefehl gesucht. "Es wird uns nicht die Arbeit ausgehen", bedauern die Fahnder und appellieren auch an die Bevölkerung, nicht die Augen vor Suchtgiftdelikten im Bezirk zu verschließen.

"Wir brauchen die Hinweise und die Zivilcourage aus der Bevölkerung, gute Beamte genügen nicht."

Illegaler Drogenkonsum betreffe alle Bevölkerungsschichten. Und: Der professionelle Drogenhandel mache auch keinen Unterschied zwischen Inländer oder Ausländer. Auch in Schulen gebe es immer wieder Probleme: "Hier arbeiten wir aber gut mit Vertrauenslehrern und Direktoren zusammen." Repression und Prävention seien die wichtigsten Schienen der Arbeit, "solange Abnehmer im Bezirk sind, werden auch die Dealer kommen".

Drogenkonsum geht oft einher mit einem enormen Ausmaß an Erpressung und Gewalt, das sei vielen so nicht bewusst.

Die dingfest gemachten Täter bei der "Operation Slovenija" haben beispielsweise ihre Forderungen bei den Zwischenhändlern immer wieder auch mit den gefundenen Waffen durchgesetzt, um offene Suchtmittelschulden einzutreiben.

Weil der Großteil der Pongauer Beschuldigten im Tatzeitraum Arbeitslosengeld und Notstandshilfe bezog, wurden sie auch noch zusätzlich wegen Sozialbetruges angezeigt.


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Aufgerufen am 06.07.2022 um 06:23 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/jagd-auf-dealer-99955219

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