Chronik

"Jetzt ist wieder Licht": 30 "eingeschneite" Nonnen sind nach zehn Tagen wieder erreichbar

"Wir sitzen hinter einem weißen Vorhang und können aus keinem Fenster mehr hinausschauen" - seit mehr als zehn Tagen waren die streng kontemplativ lebenden Schwestern im Kloster "Maria im Paradies" (bekannt als Kinderalm) über St. Veit im Pongau eingeschneit. Hilfe traf am Donnerstagnachmittag ein.

Die Gemeinde St. Veit hat heute im Laufe des Vormittags den Weg zum eingeschlossenen Kloster "Maria im Paradies" auf der Kinderalm wieder freigemacht. Seit zehn Tagen waren dort 30 Nonnen eingeschlossen.

"Wir waren in einem Tunnel, aber jetzt ist wieder Licht", sagte die Priorin Schwester Laure-Marie dankbar zum St. Veiter Bürgermeister, Manfred Brugger, als die Gemeindemitarbeiter den Weg freigeräumt hatten. "Wir sind froh, dass der Weg zu uns jetzt frei ist, doch uns ging es immer gut", war es den Schwestern des Bethlehem-Ordens wichtig zu betonen: "Wir haben einen normalen Alltag gelebt und waren mit dem Bürgermeister ständig telefonisch in Kontakt." "Bei einem Notfall hätten wir sofort reagiert", betonte auch Brugger, der vor allem Montagnacht schlecht geschlafen hatte, "da haben wir auch um drei Uhr telefonisch Kontakt aufgenommen." An diesem Tag seien auch Notfallpläne geschmiedet worden, die man aber nicht gebraucht hätte.

Besucher schon vor Tagen in Sicherheit gebracht

Vor zehn Tagen wurden bereits sieben Besucher des Klosters von der Bergrettung mit Schneeschuhen sicher ins Tal gebracht. "Das war schon nötig", sagte die Priorin, "denn für die Besucher war es eine Belastung." Im Kloster gebe es auch zwei ältere Schwestern, deshalb sei es gut, dass nun der Weg für einen Notfall auch geräumt sei. Die Mitarbeiter der Gemeinde hatten mit drei Traktoren und einem Radlader samt Seilwinde den Weg befreit: "Insgesamt waren es sicher 40 umgestürzte Bäume die wir in diesem Bereich geräumt haben. Heute mussten wir nur noch 15 bis 20 Bäume entfernen", schilderte Bauhofleiter Matthias Ammerer. Lebensmittel hätten sie auch immer genügend gehabt, sagte die Priorin, "wir leben auch sehr genügsam und brauchen nicht viel. Wir treffen uns zwei Mal täglich zum Gebet, nur während dieser Zeit haben wir uns aber drei Mal getroffen."

Bürgermeister erleichtert: "Bin auf Nadeln gesessen"

Bürgermeister Manfred Brugger zeigte sich erleichtert, dass die Zufahrt zum Kloster wieder frei ist. "Ich bin oft auf Nadeln gesessen, weil ich ja für die Sicherheit der Schwestern verantwortlich bin. Jetzt schaut die Situation gut aus und ich bin auch froh, dass jetzt alles gut überstanden ist. Der Weg ist frei und auch die Baumsturzgefahr ist nicht mehr gegeben."

Brugger telefonierte täglich mehr mals mit der Oberin, das erste Mal um sechs und das letzte Mal um 20 Uhr. Wie die Lage war? "Die Frauen leben so einfach und bescheiden. Sie haben mir gesagt, dass sie nun weniger essen, um Lebensmittel zu sparen. Dafür beten sie mehr", sagte Brugger den SN unmittelbar vor dem Besuch auf der Kinderalm. Mit der Zeit sei der viele Schnee aber zur Belastung für die Psyche geworden. Echte Klagen habe Brugger nicht gehört von den Frauen, aber der "weiße Vorhang" habe aufs Gemüt geschlagen.

Stimmung überwiegend zuversichtlich

Alois Dürlinger, Pfarrer von St. Veit, war der Letzte, der die Klosterschwestern gesehen hatte. "Ich war am Freitag vor einer Woche oben auf der Kinderalm", berichtete er im SN-Gespräch. Durch die Schneemassen riss der Kontakt zur Außenwelt - bis auf das Telefon - danach ab. Das Kloster liegt hoch oben auf etwa 1300 Metern und war nicht erreichbar, die Straße war tief verschneit und konnte erst heute geräumt werden. "Ich habe ihnen gut zugesprochen und die Stimmung war soweit ganz zuversichtlich", sagte Dürlinger und fügte an, dass es für die Frauen eine große Erleichterung gewesen sei, zu wissen, dass er seinen Pfarrhof als Notunterkunft geöffnet hätte. Auch das Kardinal Schwarzenberg'sche Klinikum hatte dies angeboten. Die Schwestern haben am Donnerstag allerdings beschlossen, in ihrem Kloster zu bleiben. Die Lage habe sich gebessert.

Hausmeister saß mit den Schwestern fest

Das Kloster wurde 1985 gegründet. Der abgeschiedene Ort bietet Stille und Einsamkeit - genau das, was die 30 Ordensfrauen suchen. Sie leben ein schlichtes Leben und vertiefen sich in Gebete. Als Hausmeister wohnt und arbeitet ein Theologe auf dem Grundstück mit. Auch er saß im Schnee fest.

Die Schwestern von Bethlehem sind ein den Kartäuserinnen nahestehendes, streng klausuriertes französisches Institut, das 1951 in Chamvres im Zusammenhang mit dem von Papst Pius XII. verkündeten Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel gegründet wurde.

Das Kloster in St. Veit besteht aus einem unteren Teil, der für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Hier können Pilger auch einige Tage die Stille und Einsamkeit des Klosters teilen. Einige hundert Menschen, davon bis zu 50 Priester und Ordensleute, kommen jedes Jahr Tage oder auch Wochen zu diesem Zweck auf die Kinderalm. Sie werden dort von den Schwestern betreut. Der obere Teil des Klosters ist das Herzstück der "Schwestern von Bethlehem". Hier leben und beten die Nonnen in völliger Abgeschiedenheit.

Ihren Lebensunterhalt bestreiten die Frauen aus den Einnahmen aus ihrem Klosterladen.

Aufgerufen am 15.10.2019 um 10:05 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/jetzt-ist-wieder-licht-30-eingeschneite-nonnen-sind-nach-zehn-tagen-wieder-erreichbar-64230160

karriere.SN.at

Top Events

Kommentare

Schlagzeilen