Chronik

Jugendpsychiatrie: Neubau löst nur Teil der Probleme

2017 wird die Jugend- psychiatrie in der Doppler-Klinik neu gebaut. Was bleibt, ist die Personalnot. Auch die geplanten Ambulatorien stehen immer noch nicht.

6000 bis 10.000 Kinder und Jugendliche im Bundesland brauchen, bevor sie erwachsen sind, eine psychiatrische Behandlung. Das sagt Leonhard Thun-Hohenstein, Vorstand der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Christian-Doppler-Klinik (CDK). Damit nicht genug. Thun-Hohenstein: "Rechnet man jene Kinder unter 18 dazu, die von psychischen Erkrankungen bedroht sind, kommt man auf 20 Prozent oder für Salzburg umgerechnet 30.000 junge Menschen."

Die Bandbreite der Probleme reiche hier von Schlafstörungen bei Babys über Fälle von Aggressionen bei Kleinkindern. "Kinder mit Leistungs-, Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen werden meist in der Schule auffällig." In der Pubertät kämen dann noch Essstörungen, Depressionen oder Psychosen und Schizophrenie dazu, sagt der Experte. "Weiters beobachten wir Fälle, wo Kinder Gewalt erleben, auch als sexuelle Gewalt oder Cybermobbing."

Aber können alle diese Kinder und Jugendlichen auch versorgt werden im Bundesland? Thun-Hohenstein: "Nein. Denn es gab in diesem Bereich bei uns noch nie Vollversorgung." In der Kinder- und Jugendpsychiatrie habe ganz Österreich Nachholbedarf. Die Gründe kann der Primar nur mutmaßen: "Es ist ein sehr junges Fach. Und es ist sicher so, dass die Kindermedizin insgesamt benachteiligt ist, auch aus Prestigegründen etwa im Vergleich zur Chirurgie. Weiters gibt es bei uns praktisch keine Sonderklassegebühren von Privatpatienten zu kassieren."

Wie schlecht es um die psychiatrische Versorgung insbesondere von Erwachsenen - aber auch von Kindern - innergebirg bestellt ist, hatten zuletzt die Ärzte im Krankenhaus Schwarzach vor Augen geführt: Sie protestierten und forderten 20 Betten mehr für ihre psychiatrische Station; eine personelle Aufstockung sowie eine psychiatrische Tagesklinik im Krankenhaus Zell am See.

2017 soll Abhilfe geschaffen werden: Denn das Land plant den Start des Neubaus der Jugendpsychiatrie in der CDK. Damit soll die Zahl der derzeit 20 auf dann 30 stationäre Betten aufgestockt werden - was einem Zuwachs um 50 Prozent entspricht. Die zehn tagesklinischen Betten in der Station sollen erhalten bleiben. Die für den Neubau nötigen 11,2 Millionen Euro lägen 2017 bereit, heißt es aus dem Büro des zuständigen Finanz- und Gesundheitslandesrats Christian Stöckl (ÖVP). Was aber noch fehle, sei ein Regierungsbeschluss.

Allerdings: So gut dieser Neubau ist - lösen wird er nicht alle Probleme in diesem Bereich. Das räumt Thun-Hohenstein offen ein: "Wir sind seit zwei Jahren auch bei den zehn Fachärzten personell unterbesetzt. Weil fünf Kolleginnen schwanger wurden." Am Arbeitsmarkt seien Kinder- und Jugendpsychiater/-innen aber sehr schwer zu finden.

Das lässt sich auch am zweiten Versorgungsproblem ablesen: Denn das Land hat nach einem Gipfel im April 2014 beschlossen, zwei Ambulatorien einzurichten.

Eines sollte in der Landeshauptstadt sein. Das zweite im Pongau, Pinzgau oder Lungau. Ausgestattet sollten sie mit je zwei Fachärzten/-innen, zwei Therapeuten/-innen, zwei Psychologen/-innen und zwei So zialarbeitern/-innen sein. Nur: "Es haben sich keine Fachärzte für die Ambulatorien beworben", räumt der zuständige Soziallandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) ein. Also gibt es beide Ambulatorien weiterhin nicht. Das Geld, je 400.000 Euro pro Jahr vom Land und den Sozialversicherungen, liege bereits seit 2015 bereit, sagt Schellhorn. Aber mangels Personal könne er es nicht ausgeben, klagt Schellhorn.

Der Landesrat wälzt daher bereits einen Plan B: Dieser sieht vor, die Kinderseelenhilfe, die zur Pro Mente GmbH gehört, stärker in die psychosoziale Versorgung für die Kinder innergebirg heranzuziehen. Sie ist etwa schon bisher mit dem "Bubble Truck" innergebirg unterwegs. Eine Idee, die Thun-Hohenstein, der bei der Kinderseelenhilfe als ärztlicher Leiter fungiert, schon länger propagiert hat.

Einziger Schönheitsfehler: Die Kinderseelenhilfe ist zu zwei Dritteln aus Spenden finanziert. Es ist nicht sicher, dass sie weiterhin die nötigen 250.000 bis 300.000 Euro Spenden pro Jahr auftreiben kann. Thun-Hohenstein wirft eine Grundsatzfrage auf: "Auch Kinder- und Jugendpsychiatrie ist eine öffentliche Aufgabe. Aber wir müssen Spenden sammeln. Auf diese Idee käme man bei einer internen oder chirurgischen Abteilung nie."

Auch für den Schwarzacher Kinderprimar Josef Riedler, der auf seiner Station auch sechs psychiatrische und sechs psychosomatische Betten für Kinder und Jugendliche hat, ist mit dem Neubau in der CDK längst nicht alles gut.

Riedler: "Wir haben schon vergangenes Jahr gefordert, dass wir mindestens vier Betten für psychiatrische Fälle von Kindern zusätzlich brauchen. Außerdem brauchen wir eine zweite Kinderpsychiaterin, wir sind mit einer Frau in Verhandlung. Sie könnte im Juli 2017 anfangen, wenn das Geld bereitsteht."

Aufgerufen am 23.09.2018 um 06:51 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/jugendpsychiatrie-neubau-loest-nur-teil-der-probleme-868396

Karusell

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Lange Wartezeiten erlauben auch das wunderschöne Karusell im Abendlicht bewundernd, anzusehen bevor man abhebt. Danke, dass es jedes Jahr noch so jung dasteht wie vor 35 Jahren????????

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Tobias Marie und Simon hatten sichtlich großen Spaß bei den Seifenblasen

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