Chronik

Kann Kultur die Landflucht stoppen?

Darüber wurde vergangene Woche im Kammerlanderstall diskutiert - sehr anschaulich.

V. l.: Robert Zehentner (Taxenbach), Renate Ratzenböck (Uttendorf), Pia Steiner (Neukirchen) und Christian Vötter (Bramberg); hinten: Moderator Michael Minichberger (Pinzgauer Nachrichten). simo
V. l.: Robert Zehentner (Taxenbach), Renate Ratzenböck (Uttendorf), Pia Steiner (Neukirchen) und Christian Vötter (Bramberg); hinten: Moderator Michael Minichberger (Pinzgauer Nachrichten).

Christian Vötter lebt für und von Kultur. Begonnen hat der heutige Tauriska-Geschäftsführer anders - als Lehrling bei den damaligen Tauernkraftwerken. Dann kam Alfred Winter, Landesbeauftragter für kulturelle Sonderprojekte, und gründete den Kulturverein Tauriska. "Er wusste, mit Kultur kann man die Leute vom Nationalpark überzeugen", sagte Vötter. Diese Rechnung ging auf.

Seit 32 Jahren macht Tauriska Kultur. Brauchtum und Handwerk steht im Mittelpunkt - und Zeitgenössisches. "Dafür holen wir auch viele Veranstaltungen in die Region." Vötter ist überzeugt: "Wenn keine Kultur mehr im Dorf ist, dann wandern Menschen ab." Es dürfe auch nicht alles was kosten. "Wir haben 2500 Veranstaltungen gemacht, nur bei rund 20 war Eintritt zu bezahlen." Kultur könne viel leisten, sagte Vötter, aber auch: "Sie allein kann die Landflucht nicht stoppen. Er braucht natürlich Arbeitsplätze, Wohnungen und soziale Einrichtungen."

Renate Ratzenböck ging und geht eine "klassische Vereinslaufbahn" - u. a. Jungschar, Chöre, Elternverein, Keltendorf. "Alltagskultur" ist für die Uttendorferin das Wichtigste. "Das schweißt eine Dorfgemeinschaft zusammen und kann über manches Manko hinweghelfen." Ihr ist auch wichtig, dass "Einheimische nicht untergeordnet werden". Sie lebt gerne auf dem Land - "und noch schöner ist es, wenn ich etwas mitgestalten kann". Sie empfiehlt auch Hochkultur (etwa Klavierkonzerte in Niedernsill) und ärgert sich über Missbrauch von Brauchtum ("das Dirndlspringen brauchen wir nicht").

Pia Steiner stammt aus Neukirchen, absolvierte die Tourismusschule Bramberg, studierte in Innsbruck. "Dort war es schwierig, eine Wohnung zu finden. Wir fanden dann eine: 50 Quadratmeter für 900 Euro kalt. Es war eine schöne Zeit, man konnte jederzeit ins Kino gehen oder Freunde treffen." Sie war auch als Au-pair in England. In die Gesellschaft habe sie über Vereine gefunden. Heute sei sie glücklich, einen Job als Lehrerin im Pinzgau (Kaprun) zu haben. "Wir haben viele Kulturen in der Klasse, es ist schön, wie sich die Schüler ergänzen." Generell glaube sie, dass der soziale Zusammenhalt am Land stärker sei als in der Stadt. Aber es müsse der Jugend etwas geboten werden, auch in der Nebensaison. Und: "Man muss sich auch selbst ins Dorfgeschehen einbringen."

Robert Zehenter ist "kein klassischer Kultur-Mensch". Der Taxenbacher beschäftigt sich mit ländlicher Entwicklung. "Das Wichtigste dafür sind kreative Menschen, sie können eine Region veredeln und Wertschöpfung schaffen." Auch er hält viel von "Alltagskultur" - "bei ihr ist man aktiv". Als Beispiele nannte er Eltern, die ein Programm für Kinder erstellt haben, dieses reichte von der "Märchenstunde bis zum Zeltlager und Würstelmachen".

Kritisch sieht Vötter Veranstaltungen wie Bauernherbst und Almsommer, auch solche, bei denen es nur um Besucherzahlen und Umsatz gehe. Kultur dürfe sich auch nicht darauf beschränken, alte Zeiten nachzuspielen. Viel hält er von Kreativität, nannte als Beispiel die Obstpresse in Bramberg, die viel in Bewegung gesetzt habe.

Das Publikum sprach auch die Begegnungskultur im Oberpinzgau an. Eine Mutter sagte, ihre mittlerweile erwachsenen Kinder seien weggezogen, sie hätten sich gemobbt gefühlt, weil sie nicht aus dem Pinzgau stammt.

Der Begriff Kultur wurde breit ausgelegt, umfasste im Prinzip alles, was selbst gestaltet werden kann. In diesem Sinne gibt es viele Chancen im Pinzgau und damit Gründe, auf dem Land zu bleiben: Man muss vieles nur selbst anpacken.

Aufgerufen am 22.09.2019 um 06:28 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/kann-kultur-die-landflucht-stoppen-61463101

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