Chronik

Kaprun: Wildkamera nahm Wolf auf

Das Bild stammt aus einem Wald im Kapruner Tal, der zu Gut Fischhorn gehört. Gutsverwalter Josef Zandl sagt, Experten hätten bestätigt, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handle.

Der Wolf in einem Aufforstungsgebiet oberhalb des Klammsees im Kaprunertal. SN/gut fischhorn
Der Wolf in einem Aufforstungsgebiet oberhalb des Klammsees im Kaprunertal.

Das Gut Fischhorn in Bruck ist einer der größten Grundbesitzer im Pinzgau. Unter anderem gehören dazu große Flächen im Kapruner Tal. Dort hat der Föhnsturm Uschi im November 2002 riesige Waldflächen vernichtet. Darunter Schutzwälder, die für Kaprun von existenzieller Bedeutung sind.

Um die Aufforstung zu sichern, haben die Grundbesitzer und die Gemeinde ein flächenwirtschaftliches Konzept umgesetzt. Das heißt unter anderem, dass Reh- und Rotwild von den Aufforstungsflächen ferngehalten wird, um Verbiss zu verhindern. Das Wild wird intensiv bejagt. Zur Kontrolle, ob die Maßnahmen in dem teilweise schwer zugänglichen Gebiet wirken, wurden Zeitrafferkameras montiert. Eine dieser Kameras auf der Ostseite des Tals hat am 17. Juni 2016 einen Wolf erfasst. Gutsverwalter Josef Zandl: "Wir haben die Aufnahmen erst im Jänner 2017 ausgewertet und dabei den Wolf entdeckt." Dann wurde noch geprüft, ob es sich nicht um einen Schäferhund handelt. "Der Wolfsbeauftragte Georg Rauer hat bestätigt, dass es ein Wolf ist. Ebenso slowenische Experten, an die er das Foto geschickt hat."

Im Sommer 2016 wurden im Pinzgau zwei verschiedene Wölfe mit DNA-Tests nachgewiesen. Einer in Fusch, der mehrere Schafe riss, und ein zweiter im Stubachtal bei Uttendorf. Zandl vermutet, dass das Bild eines dieser Tiere zeigt. "Beide entstammten der dinarischen Population auf dem Balkan."

Ob das Tier sich noch in der Gegend aufhält, ist unbekannt. Zandl sagt, es habe im Jänner 2017 dort wieder Indizien für einen Wolf gegeben, aber keinen Nachweis. "Bei einer Fütterung ist das Wild ins Tal geflüchtet. Es gab eine Beunruhigung. Dass Menschen die Ursache waren, glaube ich nicht, weil das Wild an Menschen gewöhnt ist."

Zu Fischhorn gehört auch jene Alm am Imbachhorn zwischen Kaprun und Fusch, auf der vor zwei Jahren rund 70 Schafe zu Tode kamen. Ingrid Hagenstein vom Naturschutzbund sagt, es gebe keinen DNA-Nachweis, dass ein Wolf dafür verantwortlich war. Das Land habe die Entschädigungen aus Kulanz bezahlt und jetzt würden diese Tiere immer wieder der Bilanz der Wolfsopfer zugeschlagen. Zandl bestätigt, dass es keinen DNA-Nachweis gebe. Von den gerissenen Tieren seien keine Proben entnommen worden. Außerdem seien fast alle abgestürzt. Es spreche aber sehr viel dafür, dass sie auf der Flucht vor einem Wolf waren. "Einen Hund haben wir damals dort nicht gesehen. Und Jäger haben auch diesen Wolf fotografiert."

Wohl kein Tier in Mitteleuropa polarisiert so wie der Wolf. Die einen bewundern ihn, andere verteufeln ihn, manche fürchten ihn. In zahlreichen Märchen tritt er als "böser Wolf" auf. Zandl, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat, sagt, das habe damit zu tun, dass Wölfe in der Vergangenheit tatsächlich Menschen angegriffen hätten. "Im Dreißigjährigen Krieg ließ man die Toten liegen. Wölfe fraßen sie und wurden so darauf konditioniert, dass Menschen eine mögliche Beute sind. In Russland gab es die meisten jüngeren Vorfälle kurz nach dem Zweiten Weltkrieg." Heute seien die Wölfe auf Wild konditioniert, einige aber auch auf Schafe. Und diese müsse man entnehmen, damit sie das nicht an die Jungen weitergeben. Die Schweiz mache das so.

Zandl fordert auch bei uns einen pragmatischen Umgang mit der Jagd auf Wölfe. "Es gibt in Europa 20.000 Wölfe. Sie sind, wenn man es grenzüberschreitend sieht, nicht gefährdet. Wir brauchen beim Wolf eine wildökologische Planung auf europäischer Ebene, wie wir sie beim Rotwild machen. Die Äcker um die Stadt Salzburg wären ein guter Lebensraum für den Hirsch. Aber dort lässt man ihn nicht hin und bejagt ihn. Wo ist der Unterschied zur Bejagung von Wölfen, die Schafe auf Almen im Pinzgau angreifen?"

Aufgerufen am 18.08.2018 um 01:40 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/kaprun-wildkamera-nahm-wolf-auf-12430435

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