Chronik

Katholische Kirche öffnet in Salzburg ihre Pforten für Bettler

In der Stadt Salzburg öffnet die katholische Kirche ihre Türen für Menschen, die sonst auch bei Minusgraden die Nächte im Freien verbringen müssen: Die Erzdiözese stellt seit Kurzem jede Nacht für Bettler und Obdachlose abwechselnd fünf Räume als Notschlafquartier zur Verfügung. Sie reagiert damit auf das Vorgehen der Stadt Salzburg, die campierende Bettler bestraft hatte.

Symbolbild. SN/robert ratzer
Symbolbild.

Bettler aus südosteuropäischen Ländern waren der Auslöser für das Rufzeichen der Kirche: 13 von ihnen hatten im November ihr Nachtlager nicht nur unter Brücken, sondern auch im Salzburger Volksgarten aufgeschlagen und wurden deswegen mit 200 Euro pro Kopf wegen wilden Campierens abgestraft - weil sie sich mit einer Plane vor Regen und Kälte schützen wollten. Der Koordinator der kirchlichen Armutsprojekte für die Stadt, Pfarrer Alois Dürlinger, reagierte und ließ mit seiner Ankündigung aufhorchen, er würde die Strafe der dreizehn betroffenen Armutsmigranten übernehmen: "Ich werde, wenn es notwendig ist, die Spenden zusammenbekommen", so Dürlinger. Zuvor wollte der Pfarrer von St. Veit und Goldegg aber auf offiziellem Wege um Strafmilderung ersuchen: "Diese Leute haben nichts, was man ihnen nehmen könnte", sagte er. Seine Interventionen blieben ohne Erfolg, berichtete die Erzdiözese am Freitag. Die Stadt habe argumentiert, sich mit der 200-Euro-Strafe ohnehin am unteren Rand des Strafrahmens bewegt zu haben.

Eine Alternative wäre lediglich eine 24-Stunden-Ersatzstrafe im Gefängnis gewesen.

Weil das Haus Franziskus, eine Notschlafstelle der Caritas, zurzeit aber voll ausgelastet ist, öffnete die Erzdiözese als Reaktion nun fünf weitere Räumlichkeiten. Dorthin kommen seither jeden Abend 20 bis 30 Armutsmigranten. Sie erhalten Tee, warmes Wasser für Fußbäder und einen Schlafplatz. Die Helfer arbeiten dabei mit dem Haus Franziskus und dem Verein Phurdo, dem Zentrum für Roma und Sinti in Salzburg, zusammen. "Uns wird gemeldet, wie viele Armutsmigranten beim Haus Franziskus abgewiesen werden mussten; an bestimmten Sammelstellen holen wir die Betroffenen ab und bringen sie zur jeweiligen Unterkunft", so Herbert Müller, Initiator des Projekts mit dem Namen BIWAK. Mitinitiator Günther Jäger ergänzt: "Die Sorge um die Ärmsten der Armen ist ein kirchlicher Grundauftrag."

Quelle: APA

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