Chronik

Kautionsbetrüger in Salzburg aktiv: Täter üben auf Opfer massiven Druck aus

Die Mutter einer Stadt-Salzburgerin ist nach dem Anruf eines Kautionsbetrügers noch immer schwer geschockt.

Symbolbild.  SN/ www.bilderbox.com
Symbolbild.

Seit einigen Tagen treibt wieder eine Bande von Betrügern, die mit der perfiden Kautionsmasche agieren, verstärkt in Salzburg ihr Unwesen. Eine Stadt-Salzburgerin berichtete am Donnerstag den SN, dass ihre Mutter - eine ältere Dame - am Mittwochnachmittag von einem vermeintlichen Polizisten angerufen wurde. Dieser, so die Salzburgerin, die anonym bleiben möchte, habe sich als "Kriminalbeamter der Inspektion Hauptbahnhof" ausgegeben und ihrer Mutter vorgegaukelt, "dass ich, also die Tochter, wegen eines von mir verschuldeten Verkehrsunfalls mit Totalschaden verhaftet worden bin. Der Anrufer sagte meiner Mutter, sie müsse eine Kaution von 58.000 Euro hinterlegen, sonst würde ich zumindest zwei Wochen ins Gefängnis kommen".

Opfer häufig ältere Frauen mit traditionellen Namen

Dem nicht genug, so berichtete die Stadt-Salzburgerin, "haben die Betrüger meine Mutter sogar mit ,mir' sprechen lassen. Doch die Frau an der anderen Leitung, die angeblich ich war, hat vor - vermeintlicher - Aufregung nur geweint und kein vernünftiges Wort herausgebracht".

Gottseidank, so betont die Tochter, habe ihre Mutter letztlich an der Echtheit des Anrufs gezweifelt und aufgelegt. Und schließlich die echte Polizei verständigt. "Meine Mutter ist dann schwer geschockt zu mir an meine Arbeitsstelle gefahren"; diese sei froh gewesen, "mich dort anzutreffen".

Täter üben am Telefon starken emotionalen Druck aus

Die Täter hätten im Fall ihrer Mutter zwar keinen finanziellen Schaden angerichtet. Allerdings, so betont die Salzburgerin, "haben sie auf meine Mutter massiv emotionalen Druck ausgeübt. Und bei ihr existentielle Ängste geschürt" Sie ist noch immer psychisch traumatisiert".

Die Salzburgerin ersuchte die SN, den perfiden Betrugsversuch zu veröffentlichen - "damit nicht andere Personen Opfer werden".

Laut Hans Wolfgruber, Pressesprecher der Salzburger Polizei, "haben wir es sicher mit mehreren betrügerischen Gruppierungen zu tun, die hier gleichzeitig am Werk sind". Die Tätergruppen hätten in Osteuropa ihren Ursprung, so Wolfgruber: "Wir gehen davon aus, dass ein Gros der Täter osteuropäischer Herkunft ist - auch wenn diejenigen Täter, die bei den älteren Damen oder Herren anrufen, sehr gut Deutsch sprechen."

Ein mutmaßliches Mitglied eines der Betrügernetzwerke - ein 36-jährige Pole - war übrigens Mitte Mai in Salzburg verhaftet worden. Den Ermittlungen zufolge arbeitete er für eine Tätergruppe als "Money Mule" ("Geldesel" bzw. Kurier). Konkret soll er zwischen November 2018 und Anfang März von gleich fünf Salzburger Opfern - allesamt ältere Damen mit traditionellen Vornamen (z. B. Maria, Franziska, Erika etc.) - insgesamt 338.000 Euro einkassiert haben. Demnach fungierte der Pole als Kurier der Anrufer, die den Opfern zuvor sagten, ein "Polizeikollege" würde die Kaution entgegennehmen.

Die Polizei warnt inständig davor, sich auf Telefonate, bei denen Geld gefordert wird, einzulassen. Pressesprecher Wolfgruber betont zudem, dass "jüngere Familienmitglieder die älteren Angehörigen unbedingt aufklären sollen über derartige Betrugspraktiken".

Wichtige Tipps der Polizei zum Schutz vor (Kautions-)Betrügern

• Brechen Sie Telefonate, bei denen von Ihnen Geldleistungen gefordert werden, sofort ab. Lassen Sie sich auf keine Diskussionen ein und machen Sie Ihrem Gegenüber entschieden klar, dass Sie auf keine der Forderungen/Angebote eingehen werden.

• Lassen Sie sich, auch von Polizisten, im Zweifelsfall immer Dienstausweise zeigen.

• Falls Verwandte ins Spiel gebracht werden, kontaktieren Sie diese umgehend, um die Echtheit eines vermeintlichen Vorfalls nachzuprüfen.

• Lassen Sie niemanden in Ihr Haus oder Ihre Wohnung, den Sie nicht kennen. Verwenden Sie zur Kontaktaufnahme die Gegensprechanlage oder verwenden Sie die Türsicherungskette oder den Sicherungsbügel.

• Falls es zu einem Betrug gekommen ist, sind alle Informationen zum Täter besonders wichtig: notieren Sie etwa Aussehen, Kleidung, Sprache, Autokennzeichen, Autofarbe.

Erstatten Sie umgehend Anzeige bei der nächsten Polizeidienststelle.

Quelle: SN

Aufgerufen am 20.06.2019 um 03:44 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/kautionsbetrueger-in-salzburg-aktiv-taeter-ueben-auf-opfer-massiven-druck-aus-70676158

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