Chronik

Kein EU-Kulturerbesiegel für "Stille Nacht"

Stille Nacht, das "Salzburger" Weihnachtslied mit starker Friedensbotschaft, wurde trotz intensiver Bemühungen der Stille-Nacht-Gemeinden nicht mit dem Kulturerbesiegel der Europäischen Union ausgezeichnet.

Kein EU-Kulturerbesiegel für "Stille Nacht" SN/neureiter
Im März herrschte noch Zuversicht nach der Nominierung durch die Republik Österreich. Viele standen hinter der Bewerbung.

Die erhoffte frohe Botschaft aus Brüssel ist ausgeblieben: Die Bewerbung "Stille Nacht Heilige Nach! - Das Lied der europäischen Festkultur mit Weltbedeutung. Entstehungsstätten, Museen, Wirkungsgeschichte" bei der Europäischen Kommission war nicht erfolgreich, wie am Donnerstag bekannt wurde.

"Hauptgrund dafür ist nach dem Bericht der Jury, dass das Lied, seine Geschichte und die Entstehungsorte sich nicht ausdrücklich auf Europa und die europäische Geschichte beziehen", bedauert Michael Neureiter, Präsident der Stille-Nacht-Gesellschaft. Offensichtlich sei nicht ausreichend deutlich geworden, dass die Jahre nach dem Wiener Kongress mit den Umbrüchen im Zusammenhang mit der Neuordnung Europas einen engen Konnex zum Umfeld des Lieds aufweisen. Diese europäischen Weichenstellungen hätten enorme politische, wirtschaftliche und soziale Auswirkungen gehabt. "Ohne diese wäre das Stille-Nacht-Lied nach Auffassung der Experten nicht entstanden", so Neureiter, der anmerkte, dass auch der Stellenwert des Lieds in der europäischen Festkultur nicht ausreichend gewürdigt worden sei. Gemeinden gemeinsam für Stille Nacht Die Stille-Nacht-Entstehungsgemeinden Mariapfarr, Lamprechtshausen/Arnsdorf und Oberndorf bei Salzburg hatten mit der Stille-Nacht-Gesellschaft im Dezember 2012 die gemeinsame Bewerbung eingereicht. Das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur hatte dann im März 2013 für Österreich das Lied "Stille Nacht" für das neue EU-Kulturerbesiegel nominiert. In der Begründung des BMUKK hieß es etwa: "Die Friedensbotschaft des Liedes stimmt optimal mit den europäischen Werten überein (...). Besonders positiv bewertet wurden das umfangreiche Kultur- und Tourismusprogramm, die Vernetzungsaktivitäten und das große Engagement der beteiligten Gemeinden." Gratulation an Park Carnuntum Von den neun Bewerbungen aus Dänemark, Estland, Luxemburg, den Niederlanden und Österreich wurden vier Bewerbungen mit dem Kulturerbesiegel ausgezeichnet, darunter die beiden Bewerbungen aus den Niederlanden, die Bewerbung aus Estland und der Archäologische Park Carnuntum aus Österreich.

Die Stille-Nacht-Gesellschaft habe dem Archäologischen Park Carnuntum bereits zur Auszeichnung gratuliert, so Neureiter, und werde sich nun nach der Aufnahme in die nationale Liste der UNESCO 2011 darum bemühen, gemeinsam mit Partnereinrichtungen in Deutschland die Aufnahme des Lieds "Stille Nacht! Das Lied zur Weihnacht" in die "Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit" zu erreichen. Da Deutschland das Abkommen erst im Sommer 2013 ratifiziert habe, seien nun neue Chancen einer partnerschaftlichen Bewerbung gegeben. Lachendes und weinendes Auge Neureiter sieht auch einen positiven Aspekt in der schussendlich erfolglosen Bewerbung: "Der Vorgang hat die Entstehungsorte Mariapfarr, Lamprechtshausen/Arnsdorf und Oberndorf bei Salzburg samt den Tourismusverbänden gehörig gefordert: Die inhaltiche und organisatorische Kooperation ist ein guter Baustein für die weiteren Vorarbeiten für eine grenzüberschreitende Landesausstellung 2018: Da werden es 200 Jahre her sein, dass das Lied in Oberndorf erstmals erklang!"

(SN)

Aufgerufen am 18.06.2018 um 09:23 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/kein-eu-kulturerbesiegel-fuer-stille-nacht-4208146

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