Chronik

Keine Atempause für den Winterdienst

Die Straßenmeisterei Pinzgau ist mit 20 Fahrzeugen und rund 50 Mann im Dauereinsatz, um die Hauptverkehrsrouten frei zu halten. Die PN waren am verkehrsreichen Samstag mit dabei.

Samstag, 5. Jänner, 7.30 Uhr: Reger Verkehr auf der B 311 von Zell am See nach Saalfelden. Viele Urlauber sind früh auf der Rückreise - aufgeschreckt durch die tagelangen Schneefälle, die sich laut Prognosen noch verstärken sollten. Vor allem aus dem Glemmtal kommen viele Autos (wenig später wurde die Glemmtaler Landesstraße gesperrt).

Das Räumen der Hauptverkehrsrouten ist Aufgabe der Straßenmeisterei Pinzgau. Einer der Schneepflugfahrer ist Josef Lochner aus Fusch. Er ist seit 1 Uhr früh unterwegs. Sein Haupteinsatzgebiet ist die B 164 von Saalfelden nach Dienten. "Heute könne wir nur bis zum Filzensattel räumen, ab dort ist wegen Lawinengefahr gesperrt." Aus Sicht des Beifahrers ist die Straße verdammt schmal. Lochner steuert seinen Scania Euro 6 sicher, setzt den 3,60 Meter breiten Schneepflug zentimetergenau, ohne Hilfe von Sensoren. "Das habe ich schon im Blut." Den Pflug setzt er nicht ganz tief, damit das gestreute Salz wirken kann. "Das wird von drüberfahrenden Pkw richtig eingewalzt und arbeitet dann zwei, drei Stunden, sodass der Schnee nicht anpickt." Salz, Splitt und Sole transportiert Lochner mit und setzt sie je nach Bedarf ein.

Zwischen Saalfelden und Maria Alm ist wenig Verkehr. Die Autofahrer verhalten sich diszipliniert. "Das ist nicht immer so, einige gibt es immer, die stur dahinfahren und dir keinen Platz lassen." In Hinterthal trifft Lochner sich mit Kollegen. Alfred Pichler (Thumersbach) und Christian Grössig (Niedernsill) sind mit der Schneefräse unterwegs. Diese räumt und schleudert den hohen und schweren Schnee vom Straßenrand weg. Pichler: "Die Fräse hat einen 260 PS starken Zusatzmotor. Sie ist in dieser Ausführung und Stärke einzigartig im Land Salzburg. Der Unimog ist 20, die Fräse 40 Jahre alt und wird so gar nicht mehr hergestellt. Wir sind sehr froh, dass wir sie haben, gerade auf der B 164 würde ohne sie gar nichts gehen."

Lochner fährt weiter bis zur Passhöhe Filzensattel auf 1290 Meter Seehöhe. Die Straße ist für den Verkehr gesperrt, die Fahrbahn zum Teil schneeverweht. Lochner orientiert sich auch an den drei Meter hohen Stangen am Straßenrand. Nebenbei misst er die gefallenen Schneemengen. "Letztes Jahr hatten wir am Filzensattel insgesamt 8,50 Meter, heuer werden wir genauso viel kriegen, wenn nicht mehr." Allein von Mitternacht bis ca. 9 Uhr vormittags hat es rund einen halben Meter geschneit. Oben, beim Parkplatz, stehen Autos unter Schneemassen. "Sie gehören Bediensteten auf den Hütten. Wenn sie wegfahren, haben sie einiges zu schaufeln."

Auf der Rückfahrt macht Lochner eine kurze Kaffeepause in Hinterthal, bespricht sich mit seinem "Capo", Partieführer Siegfried Mayer (St. Georgen). Er hat den Fuscher so früh zum Einsatz beordert, weil es galt, die Sperre am Filzensattel einzurichten. "Es hat oben so richtig gefetzt, in kurzer Zeit extrem geschneit und gestürmt, das habe ich lange nicht erlebt", sagt Mayer, der seit 1995 bei der Straßenmeisterei ist. Der Schnee könne ihn aber nicht schrecken, eher undisziplinierte Autofahrer. "Sie sind unsere größten Feinde. Ab und zu bleibt dir das Herz stehen, wenn einer stur in der Spur bleibt oder nicht warten kann. Dabei machen wir den Weg frei für die Autofahrer, schauen, dass sie möglichst sicher fahren können. Aber einige kapieren das nicht. Sie wissen anscheinend auch nicht, dass Einsatzfahrzeugen Vorrang zu geben ist." Gute Nerven sind wichtig für die Schneepflugfahrer.

Ab Maria Alm sind schon mehrere Autos unterwegs, dicht wird es ab Saalfelden. Der Rückreiseverkehr hat voll eingesetzt, es staut sich auf der B 311 in Richtung Lofer, die Autos kommen im dichten Schneetreiben nur langsam voran. "Hier können wir jetzt nicht fahren, das würde keinen Sinn haben. Wir müssen warten, bis sich der Stau aufgelöst hat", sagt Lochner. Das erkläre auch, weshalb bei solchen Gegebenheiten kein Räumfahrzeug zu sehen sei. "Das muss man manchen Autofahrern ja erst sagen."

Seit 22. Dezember ist Josef Lochner täglich unterwegs. Start ist immer bei der Straßenmeisterei in Bruck, zumeist um drei Uhr früh. Über Digitalfunk und Handy ist er stets mit Kollegen und der Zentrale in Verbindung.

Auf dem Weg nach Maria Alm räumte der Fuscher bereits die Thumersbacher Landesstraße und die B 311 bis Saalfelden. Sein Haupteinsatzgebiet ist die B 164 von Saalfelden bis Dienten. Diesen Straßenzug fährt er permanent ab. "Pro Tag lege ich 300 bis 350 Kilometer zurück", sagte der 49-Jährige. 22 Tonnen wiegt sein 380-PS-Fahrzeug. Mit dem Pflug fährt er maximal 40 km/h. Das Kommunalfahrzeug hat Allradantrieb, dennoch muss er öfters Ketten anlegen. Gefährlich ist es für ihn - Lochner fährt bereits den 17. Winter - nur ein Mal geworden, frühmorgens auf einer völlig vereisten Fahrbahn. "Ich habe Glück gehabt, es ist nichts passiert."

Am späteren Vormittag steigt der PN-Reporter aus, Lochner macht sich wieder auf den Weg Richtung Hinterthal. Es ist eine Sisyphusarbeit, aber der Fuscher sagt: "Ich tue es gerne. Wer das nicht macht, muss es lassen." Laut Prognosen soll der Schneefall und damit die Räumarbeit noch mehrere Tage anhalten.

Leiter der Straßenmeisterei Pinzgau ist Stefan Oberaigner. Sein gesamtes Team habe die Situation gut im Griff, aber es gehe nach mehr als 14 Tagen mit reichlich Schneefall langsam an die Substanz. "Kein Wunder, wenn der Tag um drei Uhr früh beginnt." 40-Stunden-Woche gibt es derzeit keine, die Mitarbeiter dürfen und müssen mehr leisten. Auch Bushaltestellen müssen geräumt, Verkehrstafeln sichtbar gemacht werden. Oberaigner kurz und knapp: "Wir halten die Geschichte am Laufen."


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Schöne Heimat

darf es ein bisschen mehr sein?

Von Rupp Porti
25. August 2019
die Anzahl der Blätter ist gemeint, den sechs und achtblättrigen Enzian kann ich nicht zuordnen, …

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