Chronik

Keine Blockabfertigung - weniger Sommerstau?

Land und Asfinag wollen im August ein Staumanagement ohne Blockabfertigung auf der A 10 testen. Das soll den Stau im Reiseverkehr lindern und Umgehungsverkehr durch die Anrainergemeinden verhindern. Im Tennengau und Flachgau sehen manche allerdings eher ein grundsätzliches Problem.

Am letzten Juli-Wochenende sind die nördlichen Anrainergemeinden der A 10, vor allem im Tennengau, noch glimpflich davongekommen - trotz Ferienbeginn in Bayern und Baden-Württemberg blieb das ganz große Verkehrschaos auf der Autobahn wie auch auf den Bundesstraßen aus, die dann schnell zu Ausweichrouten werden. Das kannte man in den vergangenen Sommern auch schon anders: "Wenn die Autobahn voll ist, nicht nur bei Blockabfertigung, dann steht der ganze Gollinger Markt, dann gibt es nur Stop-and-go-Verkehr, das reicht in schlimmen Fällen fast bis Hallein", sagt der Gollinger Martin Dietrich, der seit mehr als 40 Jahren im Ortszentrum an der B 159 neben der Volksbank wohnt. "An solchen Wochenenden ist die Lebensqualität schon stark eingeschränkt und gefühlt kommt das immer öfter vor."

Zur Hauptreisezeit fast 60 Prozent mehr Autos unterwegs

Zur Illustration: An einem durchschnittlichen Werktag im Juni 2018 zählte die Asfinag bei der Zählstelle Golling 40.619 Fahrzeuge (bis 3,5 Tonnen) in beide Richtungen, an einem durchschnittlichen Sonn- oder Feiertag im Juli 2017 64.737 - ein Plus von gut 60 Prozent. Ein weiterer Vergleich: An einem durchschnittlichen Sonn- oder Feiertag im November befahren die Autobahn nicht einmal halb so viele.

Abhilfe vom Stau auf der Autobahn und damit vom Umgehungsverkehr auf der Bundesstraße soll nun unter anderem die testweise Aufhebung der Blockabfertigungen im Bereich der Tunnelkette Werfen beziehungsweise Golling bringen. Die Maßnahme wird an zwei Wochenenden im August getestet (Details siehe Interview unten).

Neo-Bürgermeister Peter Harlander (ÖVP), seit nunmehr zwei Wochen im Amt, kennt die Thematik aus seinem Job als Polizist am Posten Golling: "An Stau-Wochenenden ist das in Golling ein Riesenproblem. Vor allem weichen die Leute nicht nur über die B 159 aus, wenn die Autobahn zu ist, sondern sie werden von den Navis auch über kleine Nebenstraßen umgeleitet, wenn dann auch die B 159 verstopft ist." Das kann dann ein Problem werden, wenn Autos mit Wohnwagen und Anhängern auf engen Gemeindestraßen unterwegs sind.

Anrainer Martin Dietrich ist da skeptisch, ein Ende der Blockabfertigung hält er für eine "Beruhigungspille" für die Bevölkerung: "Bei den Gollinger Tunnels war sie ohnehin nur selten, bei extremer Belastung, aktiviert."

"Der Vekehr hat insgesamt zugenommen"

Manche Anrainer und Wirtschaftstreibende sehen ein grundsätzliches Problem: "Der Verkehr insgesamt hat stark zugenommen. Ich habe früher im Sommer gern die Tür des Geschäfts offen gelassen, jetzt geht das nicht mehr, man könnte sich kaum noch unterhalten", sagt Christine Bliem, Betreiberin des Weltladens im Gollinger Markt, die auch selbst an der B 159 wohnt. Als Anrainerin kennt sie auch die Thematik des sommerlichen Umgehungsverkehrs auf der Bundesstraße: "Es gibt Sommer-Wochenenden, da kommt man nur schwer über die Straße vor lauter Autos." Prinzipiell sei die Durchfahrtsstraße natürlich gut für die Geschäfte, "aber nicht, wenn alles zugestaut ist." 5315 Fahrzeuge zählte das Land an einem durchschnittlichen Samstag im August 2017 auf der B 159, Höhe Golling - im Jänner 2017 waren es mit 2850 gerade mal etwas mehr als die Hälfte.

Günther Maier wohnt neben der B 159: "Früher hatte ich mein Schlafzimmer auf die Straße hinaus, das habe ich längst geändert." Der Seniorchef des Cafés Maier: "Man merkt sofort, wenn die Autobahn zu ist, dann ist auch bald der Markt zu. Aber der Verkehr ist insgesamt schlimmer geworden, vor allem die Lkw."

Den Rückreiseverkehr bekommen Wals und Grödig ab

Wenngleich im Urlauber-Reiseverkehr die meisten der Autofahrer im Tennengau von der Autobahn flüchten und die Kuchler und Gollinger (und manchmal sogar Vigauner und Halleiner) vor Probleme stellen, so klagt doch auch Grödig über den Ausweichverkehr - vor allem an Rückreisewochenenden. "Wird zudem noch am Walserberg kontrolliert, spüren wir das massiv", sagt Bürgermeister Richard Hemetsberger (ÖVP). Vor allem Bayern würden dann in Salzburg-Süd abfahren und über das Grödiger Ortszentrum und Fürstenbrunn nach Großgmain und von dort wieder auf die bayerische Autobahn fahren. Grödig hat deshalb für heuer, wie bereits im Vorjahr, eine Verordnung genehmigt bekommen. Staut es sich bis zur Haberlander-Brücke zurück, sperrt Grödig seine Ortsdurchfahrt für den Durchzugsverkehr. Damit konnte zumindest das Ärgste verhindert werden.

INTERVIEW MIT

Michael Schneider, Teamleiter Strategisches Verkehrsmanagement

Die Blockabfertigungen im Sommerreiseverkehr auf der A 10 bringen nicht das gewünschte Ergebnis, besagt eine Studie im Auftrag der Asfinag.

Michael Schneider, Teamleiter Strategisches Verkehrsmanagement, berichtet.

Redaktion:
Redaktion: Sie heben testweise die Blockabfertigung auf. Warum?
Schneider: Erstmals erlauben wir den Autos, dass sie sich durch die Galerie Oberweisburg vor der Mautstelle in St. Michael stauen dürfen. Die kann ihre Kapazität laut Studie bei kontinuierlichem Verkehr besser entfalten, als wenn die Auto geblockt kommen. Wenn wir dort über einen längeren Zeitraum die maximale Abfertigungsleistung von 2500 Autos pro Stunde gewährleisten, könnten sich die anderen Blockabfertigungen (Werfen, Golling) möglicherweise erübrigen.

Warum geht das plötzlich?
Generell müssen wir wegen strikter Sicherheitsvorkehrungen jeden Tunnel blockabfertigen. Aber die Galerie ist kurz und seitlich offen. Es wird Begleitmaßnahmen geben: Temporeduktion auf 60 km/h, mobile Anzeigen... Wenn wir so Staus an der A 10 verhindern können, haben wir in Summe an Sicherheit gewonnen.

Warum jetzt? Wurde gar der
Leidensdruck zu groß?
Im Vorjahr gab es viele Gespräche mit Anrainern und Politikern. Deshalb haben wir heuer 16 Maßnahmen auf ihre Auswirkungen durchsimuliert, u. a. eine Temporeduktion vom Knoten Salzburg weg. Als vielversprechendste Lösung entpuppte sich das Durchstauen der Galerie Oberweisburg. Die zwei Testläufe im August werden es zeigen.

Stichwort Ausweichverkehr. Sind auch Navi-Geräte eine Schraube, an der sich drehen lässt?
Wir haben als Asfinag wenig Einfluss auf die Navi-Hersteller. Wir stellen zwar Empfehlungen zur Verfügung, ob sie einfließen, ist eine zweite Geschichte. Nur: Mit zunehmender Durchdringung des Marktes schlägt man immer mehr Menschen eine Ausweichroute vor. Umso wahrscheinlicher ist es, dass es auch dort zu Problemen kommen wird. Da werden die Navi-Hersteller umdenken müssen.


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