Chronik

Keine Ersatzteile mehr: Stadt Salzburg muss neue Parkautomaten um 1,2 Millionen Euro kaufen

Die alten Geräte stammen noch aus der Zeit der Euro-Umstellung. Jetzt kommen neue - aber ohne Zusatzfunktionen.

Neue Parkautomaten kaufen, bevor die alten Geräte hinüber sind, sollte eigentlich ein Routinevorgang für eine Stadtverwaltung sein. Nicht so in der Stadt Salzburg. Mehr als ein Jahr lang wurde im Vorjahr darüber gerungen, ob es überhaupt noch Parkautomaten braucht oder ob auf Handy-Parktickets und Parkscheine aus der Trafik umgestellt wird. Anfang 2017 sandte die zuständige Magistratsabteilung bereits einen Hilferuf an die Stadtpolitiker, man möge doch bitte rasch zu einer Einigung kommen, denn für die alten Geräte gebe es keine Ersatzteile mehr und man müsse jederzeit mit einem Totalausfall rechnen. Kurz gesagt: Die Geräte geben bald den Geist auf. Und dann drohen massive Einnahmenausfälle für den Stadtsäckel. Selbst Verkehrsstadtrat Johann Padutsch sagte: "Das ist fahrlässig, was hier passiert."

Siemens als Bestbieter

Die jetzigen Automaten in der Stadt Salzburg stammen nämlich noch aus 2002, als auf Euro umgestellt wurde. Auch das Bezahlen mittels Quick-Funktion wurde 2017 bereits eingestellt. Jetzt soll es nicht mehr lange dauern. Bürgermeister Harald Preuner hat diese Woche einen Amtsbericht zur Bestellung neuer Geräte unterzeichnet und auf den Weg geschickt. 180 neue Parkscheinautomaten plus zwei Reservegeräte sollen um 1,246 Millionen Euro angekauft werden. Fünf Unternehmen haben sich an der Ausschreibung beteiligt. Als Bestbieter und Lieferant der künftigen Geräte ist die Firma Siemens Mobility hervorgegangen.

Salzburg AG hat "kein Interesse"

Im Unterschied zu den derzeitigen Parkscheinautomaten sollen die neuen Geräte auch ein Bezahlen per Bankomat- und Kreditkarte möglich machen. Mehr spielt's aber nicht. Es gibt keine sonstigen Zusatzfunktionen. Die ursprüngliche Idee, dort auch Tickets für die Öffis zu verkaufen oder eine E-Ladestation anzubieten, wird nicht umgesetzt. Die Salzburg AG hat laut Amtsbericht mitgeteilt, dass sie "kein Interesse an der Nutzung der Parkscheinautomaten als Ticketausgabestelle" habe. Es gebe direkt an den Haltestellen Fahrscheinautomaten und man forciere das Handy-Ticketing.

Was die E-Ladefunktion betrifft, so gebe es ohnehin ein landesweites Infrastrukturprogramm für E-Ladestellen in Gemeinden, teilte die Salzburg AG der Stadt mit. Die Stadt wiederum kann den Betrieb von E-Ladestationen bei Parkscheinautomaten nicht anbieten, ohne selbst als Stromhändler aufzutreten. Daher wird es diese Zusatzfunktion bei den Parkscheinautomaten nicht geben.



Geld aus Budgetposten für "Prostituierte"

Die alten Geräte müssen aber noch durchhalten, bis die neuen Automaten parat stehen. Der Amtsbericht und damit der Ankauf soll am 10. Dezember im Stadtsenat beschlossen werden. Ein kleines Kuriosum gibt es dennoch. Zwei Drittel der 1,2 Millionen Euro sind bereits im Budget 2019 und 2020 eingeplant, aber eben nicht die ganze Summe. Einen Teil nimmt die Stadt daher von jener Voranschlagstelle, die für die "Rückzahlung für Prostituierte" vorgesehen war. Dafür muss der Gemeinderat eine Zweckänderung beschließen.

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