Chronik

Keine Hausapotheke erlaubt: "Es ist absurd"

Gregor Gems will in Maria Alm seine Patienten vor Ort mit Medikamenten versorgen, eineinhalb fehlende Kilometer verbieten es. Die "Plattform Einarztgemeinde" kämpft darum, Apotheker zeigen Widerstand.

Etwa 300.000 Menschen in Österreich kennen die Situation: Sie haben zwar einen Hausarzt in ihrer Gemeinde, aber aufgrund der Gesetzeslage keine Versorgung mit Medikamenten, weder durch eine öffentliche Apotheke noch durch eine ärztliche Hausapotheke. Maria Alm ist eine der betroffenen Gemeinden. Eine österreichweite Initiative möchte das ändern und fordert die Möglichkeit von ärztlichen Hausapotheken in allen Einarztgemeinden ohne Einschränkungen. Hausarzt Gregor Gems hat sich dieser Initiative angeschlossen, vorigen Donnerstag lud er zu einer Informationsveranstaltung ins Hotel Eder.

Den PN schilderte er, wie "absurd" die Situation sei: "Würde ich meine Ordination etwa in der Nähe der Abergbahn-Talstation aufmachen, hätte ich kein Problem. Ich dürfte eine Hausapotheke führen." Es geht um die Distanz zur nächstgelegenen Apotheke. Die "Aesculus" in der Saalfeldener Almerstraße ist viereinhalb Kilometer von seiner Ordination entfernt. Das derzeitige Gesetz schreibt vor, dass es mindestens sechs Kilometer sein müssen. Wenn er in Richtung Aberg übersiedeln würde, erklärt Gems beispielhaft, sei er ein Stück weg vom Großteil der Almer Bevölkerung - "das hat doch alles keinen Sinn. Es fahren ja paradoxerweise auch viele, die nahe an meiner Ordination wohnen, mit dem Auto zu mir, weil sie dann ohnehin nach Saalfelden weitermüssen."

Kontrovers geführte Diskussion mit Apothekern

Richtig schlimm werde es für die Bevölkerung nach Abendordinationen, am Wochenende, nachts oder bei Hausbesuchen. "Wenn man dann etwa aus Hinterthal noch mehr als 20 Kilometer nach Leogang in die Apotheke fahren muss", erläutert Gems.

Die Diskussion wurde kontrovers geführt. Neben betroffenen Gemeindebürgern waren auch Apothekerinnen und Apotheker aus dem Umland sowie Vertreter der Apothekerkammer anwesend. Diese priesen die Vorzüge von öffentlichen Apotheken im Vergleich zu ärztlichen Hausapotheken an und setzten sich dafür ein, zunächst einmal alle Möglichkeiten der bestehenden Gesetzeslage auszunutzen - und die in der Region bestehende gute Kooperation der beiden Berufsgruppen samt der aufgebauten Versorgungsstrukturen nicht zu gefährden. Es fielen die Stichworte Lieferservice und Abholbox.

Klaus Winter, Apotheker in Großarl, brachte den Vorwurf ein, es gehe bei einer Hausapotheke "nur um die wirtschaftliche Besserstellung der Ordination". Außerdem komme es zu einem Interessenkonflikt, "wenn der Arzt bei der Verschreibung eines Medikaments auch an dessen Verkauf verdient". Wolfgang Lanner, Vizepräsident der Salzburger Apothekerkammer, sprach ebenfalls von einem "netten Zubrot für Ärzte" und insgesamt von einem "Jammern auf hohem Niveau."

Hausarzt Gems will den gängigen Vorwurf, dass bloß das eigene Geldbörsel aufpoliert werde, entkräften: "Man kann nicht von der Hand weisen, dass es einen finanziellen Mehrgewinn bringt, in Relation zum Aufwand ist es aber nicht das, womit wir unser Geld verdienen. Bei den Kassenmedikamenten sind die Margen gering und wir haben die gleichen Auflagen wie öffentliche Apotheken, dementsprechend muss man auch investieren. Uns geht es rein um die bessere Patientenversorgung." Er habe das Glück, dass - auch durch den Tourismus - die Ordination sehr gut laufe: "Ich bin nicht angewiesen auf eine Hausapotheke."

Hans Seifert, Unternehmer und Skischulleiter, meldete sich zu Wort: "Wir haben viele Betriebe in Maria Alm, die sehr viel mit Menschen zu tun haben. Eine der meistgestellten Fragen ist jene, wo denn unsere Apotheke sei." Auch Gems erzählt von "vielen Hoteliers, die sich beschweren, dass so etwas bei uns nicht möglich ist".

Mittlerweile seien österreichweit über 100 Einarztgemeinden an der Aktion beteiligt, in diesen Orten lägen Unterschriftslisten der Bürgerinitiative auf. Michael Dihlmann und Markus Lechner von der "Plattform Einarztgemeinde" kündigten an, diese im März der ressortzuständigen Bundesministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) überreichen zu wollen. Die Forderung: "Ärztliche Hausapotheken in allen Einarztgemeinden ohne Kilometergrenzen oder sonstige Einschränkungen zu ermöglichen."

Aufgerufen am 15.10.2019 um 01:04 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/keine-hausapotheke-erlaubt-es-ist-absurd-64225633

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