Chronik

Keine Kopftücher in Kindergärten: Hagenauer gegen Verschleierung

Die Vizebürgermeisterin macht einen Vorstoß in Richtung Kopftuchverbot im Kindergarten. Die Zahl von Mädchen, die verhüllt in den Kindergarten kommen, steige von Jahr zu Jahr.

Keine Kopftücher in Kindergärten: Hagenauer gegen Verschleierung SN/fotolia/
Beim Hidschab ist zwar das Gesicht frei, doch Haare, Ohren, Hals und Dekollete sind verhüllt.

In den Kindergärten der Stadt Salzburg sollen muslimische Mädchen keine Kopftücher mehr tragen dürfen. Dafür spricht sich nun Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ) aus. Bei den Elternabenden, die zu Beginn des neuen Kindergartenjahres in jeder Einrichtung stattfinden, würden die Eltern heuer informiert, dass das Tragen von Kopftüchern bei kleinen Mädchen nicht erwünscht sei, sagt Hagenauer. Ein Verbot kann sie jedoch nicht aussprechen.

Auch das Jugendamt wird involviert

Insgesamt würden zwar nur wenige muslimische Mädchen mit einem Kopftuch in den Kindergarten kommen, doch die Zahl steige von Jahr zu Jahr, sagt Hagenauer. Bereits drei- bis sechsjährige Mädchen würden den Hidschab tragen. Dabei ist zwar das Gesicht frei, doch Haare, Ohren, Hals und Dekolleté sind verhüllt. Sie wolle heuer von Anfang an klar stellen, dass Kopftücher im Kindergarten nicht erwünscht sind, betont Hagenauer. Sollten sich die Eltern nicht an die Empfehlung halten, werden sie zu einem Gespräch in den Kindergarten gebeten, zu dem auch Mitarbeiter des Jugendamtes zugezogen werden. Es gebe keine religiöse Begründung, warum bereits so junge Mädchen Kopftücher tragen sollten, erklärt Hagenauer. Das Kopftuch gelte im Islam als ein Zeichen, um Mädchen nicht den lüsternen Blicken von Männern auszusetzen. Dadurch würden Mädchen als sexuellen Objekte gesehen. "Dagegen verwehre ich mich." Außerdem würden Kinder wegen des Kopftuchs oft gehänselt. "Das Kopftuch kommt einer Diskriminierung gleich."

Bürgerliste: "Unnötige Debatte"

Die Bürgerliste kritisiert Hagenauers Vorstoß. "Eine völlig unnötige Meldung der Vizebürgermeisterin, die als ehemalige Integrationsbeauftragte der Stadt wissen müsste, dass eine solche Empfehlung nur dazu dient, Vorurteile zu stärken und Ängste zu schüren", sagt Gemeinderätin Ingeborg Haller.

Im Islam ist die Einhaltung der Kleidungsrichtlinien ab der Pubertät Pflicht. Gemeinhin tragen Mädchen ab dem Einsetzen der Menstruation den Hidschab. "Jüngere Kinder tragen, worin sie sich wohlfühlen", sagt Tilmann Schaible, der Dialogbeauftragte der islamischen Religionsgemeinde in Salzburg. Trage die Mama ein Kopftuch, würden die Mädchen das auch tun. "Sie haben damit kein Problem." Zu einem Problem werde es von Nicht-Muslimen gemacht.

Islam: Traditionelle Bekleidungsformen

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