Chronik

Kleingärtner müssen ihr gepachtetes "Paradies" räumen

Für 37 Mitglieder des Kleingartenvereins Pulvermacherweg naht das Ende ihrer beschaulichen Oasen. In gut zwei Jahren endet der Pachtvertrag, die Grundbesitzer wollen die Fläche im Grüngürtel der Stadt zurück.






Die wahre Pracht eröffnet sich den Besuchern hinter jeder Hecke, hinter jedem Gartenzaun. Üppig blühen Rosen, Akeleien, Hortensien. In den Beeten wachsen Radieschen, Salat und Küchenkräuter ebenso wie Tomaten-, Gurken oder Paprikapflanzen.

Pachtvertrag auf 30 Jahre abgeschlossen

Seit 1991, als der aktuelle Pachtvertrag mit der Besitzerfamilie abgeschlossen wurde, haben sich die Mitglieder des Kleingartenvereins Pulvermacherweg ihr individuelles Paradies geschaffen - aus dem sie Ende Februar 2021 ausziehen müssen. "Wir müssen alles entfernen, was wir hier an- und aufgebaut haben. Der Grundbesitzer will, dass das alles wieder eine Wiese wird. Deshalb will er den Pachtvertrag, den der Verein damals auf 30 Jahre abgeschlossen hat, auf keinen Fall verlängern", berichtet Obmann Werner Einböck.

Dieser Umstand ist bekannt. Seit Jahren informiert der Grundbesitzer regelmäßig über die zu Ende gehende Pacht. "Wir setzen unsere Mitglieder auch seit einigen Jahren davon in Kenntnis, zuletzt haben wir es bei unserer Hauptversammlung noch mal mitgeteilt", erklärt Einböck.

Attraktiver Pachtzins

Zwischen 220 und 450 Quadratmeter groß sind die einzelnen Parzellen auf den insgesamt 15.000 Quadratmetern. Der jährliche Pachtzins ist mit rund 200 Euro sehr attraktiv. Und der Wert solcher Anlagen ist angesichts großer Nachfrage in den vergangenen Jahren rasant gestiegen.

Jeder hat auf seiner Fläche ein genormtes Gartenhaus mit vier mal sechs Metern auf einer Betonplatte aufgebaut. Strom gibt es auf jeder Parzelle, Wasser beziehen alle aus den geschlagenen Brunnen vom Grundwasser. WC- und Sanitäranlagen stehen im großen Gemeinschaftshaus zur Verfügung. "Wir sind verzweifelt, weil wir hier weg müssen. Wir müssen alles abbauen, ausreißen und zerschreddern. Eine unglaubliche Geldvernichtung ist das. Dabei hätten wir einen sechsstelligen Betrag für die Vertragsverlängerung sowie eine höhere jährliche Pacht angeboten. Das hat leider nichts genützt", bedauern mit Einböck seine Kollegen vom Vereinsvorstand.

Seit Jahren informiert

Weil es sich um einen Privatgrund handelt und die Betroffenen seit Jahren über die Sachlage informiert sind, will der Grundbesitzer keine öffentliche Stellungnahme abgeben.

Auch Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) sagt: "Als Behörde können wir hier leider gar nichts ausrichten, denn es geht um Privatbesitz und um privatrechtliche Verträge." Trotzdem bedauert er das Ende der Gartensiedlung. Die Fläche ist übrigens als Kleingartenanlage gewidmet - und ist Teil der Salzburger Gründlanddeklaration.

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