Chronik

Krampusläufe zwischen Brauchtum und Höllenevents

Im November starten erste Krampusveranstaltungen. In Gastein will man das Brauchtum behüten, in Grödig bereiten die Krampusse einen "Höllenzirkus" vor.

Ganz genau nimmt es auch Clemens Hübsch nicht mehr mit dem Brauchtum. Ausnahmsweise wird er schon am kommenden Wochenende als Nikolaus unterwegs sein. "Unsere Werkstattpass hat eine Anfrage bekommen, die ich nicht abschlagen konnte", sagt der Maskenschnitzer aus Bad Hofgastein. Eigentlich sei der Krampus nur am 5. und 6. Dezember unterwegs. "Aber die Krampuskränzchen greifen auch bei uns um sich." Und die verwässern seiner Ansicht nach das Brauchtum im Gasteiner Tal.

Rund 100 Krampuspassen gebe es hier, sagt Hübsch. "In fast jeder Familie ist ein Krampus dabei." Viele von ihnen tragen auch einen Kopf, der in der Werkstatt von Clemens Hübsch gefertigt wurde. 60 Stunden arbeitet er an den kleinen Kunstwerken, die er nach dem Vorbild des Gasteiner Schnitzers Josef Lang fertigt.

Jetzt, wo sich der Krampustag nähert, hat Clemens Hübsch viel Arbeit. Zwar habe man einen Krampuskopf für sein Leben lang, sagt Hübsch. "Aber es gibt viele Sammler im Tal. Und es gibt auch viele historische Masken, die ich restauriere."

Auch außerhalb des Gasteiner Tals führt die Krampussaison zu großer Geschäftigkeit. In einem Zirkuszelt neben der Autobahn richten die Grödiger Krampusse gerade das Licht für ihren "Höllenzirkus" ein. Zum dritten Mal veranstalten die Grödiger einen Event in dem Zirkuszelt, der seine Wurzeln im Krampusbrauch hat. Eine 35-minütige Show hat der Verein heuer vorbereitet. Mit dabei: Musik, Lichteffekte und der "Kaiser Karl" mit Horrormaske und Schwert.

"Wir wissen, dass wir mit unseren Shows provozieren", sagt Hannes Hemetsberger, Mitglied des Vorstands der Grödiger Krampusse. Für ihn hat diese Form des Krampustreibens aber ebenfalls Tradition. Er ist jetzt 26 Jahre alt. Als die Grödiger in den 1990er-Jahren erstmals kleinere Shows veranstalteten, war er ein junges Mitglied des Vereins.

Erst nutzte man ein Wirtshaus als Bühne, später baute sich der Verein einen alten Bauernhof um. Dort zogen die Krampusse bis zum Jahr 2013 ihre Gruselshows ab. Als der Hof abgerissen wurde, übersiedelte man 2014 in ein Zirkuszelt. Heuer erwartet man zwei Mal 800 Gäste zum "Höllenzirkus". Die erste Show am 26. 11. ist bereits ausverkauft, jene eine Woche später wird es wohl auch sein. Traditioneller gehe es in Grödig dann beim Umzug am 6. 12. im Ortszenturm zu.

Prinzipiell hat auch Clemens Hübsch nichts gegen die Krampusshows, die in den vergan genen Jahren so populär wurden. Es störe ihn aber, dass viele Umtriebe als Brauchtum bezeichnet würden, die damit nichts zu tun hätten. "Wenn ich drei Mal an denselben Baum pinkle, ist das auch eine Tradition. Mit Brauchtum hat es aber nichts zu tun."

Und wirklich zu Hause sei der Brauch nur im Gasteiner Tal, sagt Hübsch. So habe auch die UNESCO die Krampusse des Tals zum immateriellen Kulturerbe erklärt. "Die Touristiker bedauern, dass sie das nicht vermarkten können." Denn der Krampus gehe von Haus zu Haus. Gäste im Tal bekämen von dem Brauch oft nichts mit.

So war Clemens Hübsch heuer noch zu einem weiteren Kompromiss bereit: Die Krampusse werden im Gasteiner Tal auch vom 8. bis zum 11. 12. zu sehen sein. Bei einer von ihm kuratierten Maskenausstellung im Bad Hofgasteiner Kursaal.

Quelle: SN

Aufgerufen am 23.09.2018 um 08:23 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/krampuslaeufe-in-salzburg-zwischen-brauchtum-und-hoellenevents-871987

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