Chronik

Kritik an der Post: Überall wird ausgedünnt

Die Post sperrt wieder zu. Diesmal trifft es nicht in erster Linie die Kunden, sondern die Zusteller. Aktuell häufen sich Meldungen über Zustellpannen.

Eine Rechnung, die einen Kunden monatelang nicht erreicht? Friedrich Strubreiter ist Bürgermeister von Scheffau und betreibt einen Medizintechnikhandel. Am Mittwoch platzte ihm der Kragen: "Eine Rechnung wurde Anfang August aufgegeben und am 16. November haben wir sie mit dem Vermerk ,unzustellbar' zurückbekommen."

Der betreffende Patient sei in ein Pflegeheim umgezogen. Davon habe er aber nur erfahren, weil der Mann in Scheffau gewohnt habe. Strubreiter räumt ein, dass dieser Fall ungewöhnlich sei. Doch die Post dünne den ländlichen Raum gezielt aus.

Das sagt auch der Kuchler Bürgermeister Andreas Wimmer, der auch Obmann des Regionalverbands Tennengau ist: "Die Post hat sich für mich nicht gut entwickelt. Alles wird eingespart und die Abläufe sind nur mehr umständlich: Wenn wir die Gemeindezeitung aufgeben, müssen wir sie zur Zustellbasis Kuchl bringen. Von dort wird sie nach Wals gebracht und die liefern sie dann wieder zurück nach Kuchl, damit sie zugestellt werden kann. Das ist doch verrückt", sagt Wimmer.

Die SN erreichten Meldungen aus mehreren Bezirken. Parten für Begräbnisse würden schon lange nicht mehr mit der Post zugestellt, heißt es. Bei einer Zustellfrist von fünf Tagen sei das Begräbnis oft schon vorbei. In Eben im Pongau schickt die Gemeinde zum Beispiel Parten in ihrem E-Mail-Verteiler aus.

In Bad Vigaun sei über Wochen wegen Krankenständen keine Post zugestellt worden.

Manche Vorfälle sind besonders ärgerlich. Dem Skiclub Dienten blieben Anfang November bei der wichtigsten Veranstaltung des Vereins die Besucher aus einigen Nachbargemeinden aus. "In St. Veit und Teilen von Goldegg ist unser Postwurf erst in der Woche nach unserer Veranstaltung zugestellt worden", sagt Obmann Sepp Burgschwaiger. Man habe reklamiert. Die Besucher bringe das freilich nicht zurück.

Kritiker sehen einen Zusammenhang zwischen den Sparplänen und den Problemen bei der Zustellung. Briefträger dürfen nicht mit Medien reden, wenn sie ihre Jobs behalten wollen. Die Gewerkschaft hatte stets davor gewarnt, dass jede Einsparung beim Personal für die verbleibenden Briefträger im Schnitt rund acht Stunden Mehrarbeit pro Woche bedeute, die immer schwerer zu bewältigen sei.

Die Anzahl der Postämter geht seit Jahren zurück - um 20 Prozent auf 108 in den vergangenen sieben Jahren. Nur mehr ein Drittel sind echte Postämter - der Großteil sind Postpartner.

Nun knöpft sich die Post offenbar die kleineren Zustellbasen vor. Dort holen die Briefträger jeden Morgen die Post und Drucksorten für ihren Rayon ab.

Postsprecher Michael Homola bestätigte, dass im April die Zustellbasis Kuchl geschlossen werden solle. Man habe das genau berechnet. "Es ist auch bei Krankenständen günstiger, wenn sich mehr Personen in einer Zustellbasis befinden." Die Verzögerungen in Scheffau und in Goldegg bzw. St. Veit könne er sich nicht erklären.

In Kuchl waren bis vor Kurzem 20 Zusteller für die Gemeinden Abtenau, Scheffau, Golling, Kuchl und St. Koloman zusammengefasst. Die Abtenauer Briefträger wurden bereits nach Bischofshofen umquartiert. Ihr Anfahrtsweg hat sich schlagartig verdoppelt. Die restlichen Zusteller sollen nach Puch übersiedeln.

Der Vermieter der Zustellbasis Kuchl, Gerhard Fritzenwallner, wurde übrigens von der Post noch nicht informiert.

Aufgerufen am 17.11.2018 um 09:57 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/kritik-an-der-post-ueberall-wird-ausgeduennt-876394

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