Chronik

Kuchl: Nach 1585 Geburten sperrt das Entbindungsheim zu

Eva Egger führt das Entbindungsheim in Kuchl seit 33 Jahren. Ihren Beruf vergleicht die 60-Jährige mit dem Berggehen. Im Jänner ist aber Schluss.

Claudia Ramsl mit Mann Josef, ihren Kindern Simon, Josef (4) und Johanna (2). Hebamme Eva Egger hat die Kinder zur Welt gebracht. SN/robert ratzer
Claudia Ramsl mit Mann Josef, ihren Kindern Simon, Josef (4) und Johanna (2). Hebamme Eva Egger hat die Kinder zur Welt gebracht.
Die Geschwister mit dem Baby. SN/robert ratzer
Die Geschwister mit dem Baby.

Simon heißt das letzte Kind, das im Entbindungsheim in Kuchl auf die Welt kam. Er erblickte am Mittwoch das Licht der Welt und darf mit seiner Mutter noch bis zum 31. Dezember im Wöchnerinnenzimmer bleiben. Am 1. Jänner sperrt das Heim zu. Denn die Hebamme Eva Egger geht in Pension - und niemand will in ihre Fußstapfen treten.

33 Jahre lang hat Egger das Heim geführt, in dem es drei Wöchnerinnenzimmer, eine Küche, ein Bad und ein Kreiszimmer gibt. 1585 Babys hat die 60-Jährige auf die Welt begleitet. Jede Geburt sei etwas Besonderes. "Es ist jedes Mal eine neue Herausforderung. Es ist, wie wenn man süchtig nach dem Berggehen ist: Jeder Gipfel ist anders. Und so ist auch jede Geburt anders."

Egger ist Hebamme geworden, weil sie gut mit Menschen umgehen kann - und in Extremsituationen ruhig bleibt. Das schätzt auch Claudia Ramsl, die ihren Simon im bunt bemalten Wöchnerinnenzimmer in Armen hält. "Das Vertrauen ist groß und die Betreuung von Eva sehr gut." Die Geburtsvorbereitung, die Geburt selbst und die Fürsorge danach übernimmt die Hebamme.

Fünf Tage lang können Mütter im Wöchnerinnenzimmer bleiben, sie werden rund um die Uhr von Egger betreut. "Ich schätze die familiäre Atmosphäre sehr", sagt Ramsl. Die 31-Jährige hat deshalb auch die zweijährige Johanna und den vierjährigen Josef im Entbindungsheim geboren. "Und mein Mann ist auch hier auf die Welt gekommen."

Ab Jänner müssen die Kuchler ins Krankenhaus nach Hallein fahren, wenn die Wehen einsetzen. Damit steht nicht mehr der Heimatort, sondern die Stadt in der Geburtsurkunde. "Simon ist der letzte waschechte Kuchler", sagt Vater Josef Ramsl. Das sei schade, ergänzt Hebamme Egger. "Denn die Kuchler sind so stolz auf ihre Kuchler."

Hebamme Eva Egger mit dem zwei Tage alten Simon Ramsl. SN/robert ratzer
Hebamme Eva Egger mit dem zwei Tage alten Simon Ramsl.

Die 60-jährige Hebamme wird ihren Job vermissen. Manchmal aber auch nicht. "Es ist schön, nicht immer abrufbereit zu sein. Und auch mal entspannt jemanden besuchen zu können." Geburten kann man nicht planen und Egger hat ihre Wöchnerinnen Tag und Nacht betreut. Das war auch der Grund, warum sie keine Nachfolgerin fand: "Das Entgelt für die Nachtdienste ist nicht sehr hoch. Bei zwei Hausbesuchen am Tag bekommt man mehr." Zudem sei die Verantwortung groß, schließlich ist die Hebamme mit der werdenden Mutter allein. "Man muss wissen, wann man ins Krankenhaus fährt - und wann das nicht nötig ist."

1,5 bis 2 Prozent der Babys in Österreich werden zu Hause oder im Entbindungsheim geboren. Obwohl das Heim in Kuchl zusperre, sei das System nach wie vor zeitgemäß, sagt Angelika Sams. Die Landesgeschäftsstellenleiterin des Hebammengremiums Salzburg betont, dass es etwa in Wien ein riesiges Zentrum gebe. "In Salzburg betreibt aber nur mehr Lisi Kogler aus Abersee ein Entbindungsheim."

Tendenziell entscheiden sich eher Frauen, die schon Kinder haben, für eine Geburt außerhalb des Krankenhauses. "Viele wollen sich den Spitalstrubel nicht antun und ihr Kind ohne großartige Eingriffe auf natürliche Weise bekommen", sagt Sams. Es sei auch nicht gefährlich, ohne ärztliche Begleitung zu gebären. "Wenn es eine komplikationslose Schwangerschaft war, ist die Geburt das Normalste der Welt. Da braucht man nichts - außer moralische Unterstützung."

Eva Egger selbst hat eine Tochter. Auch sie ist im Entbindungsheim Kuchl geboren worden - Eggers Vorgängerin hat die Tochter auf die Welt gebracht. "Wir kannten uns gut, ich vertraute ihr", sagt die 60-Jährige. Und nach einer Pause fügt sie hinzu: "Ich habe vor Kurzem mit einer jungen Mutter gesprochen. Sie wusste nicht, wie die Hebamme ihres Kindes hieß. Das ist traurig."

Aufgerufen am 26.04.2018 um 01:37 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/kuchl-nach-1585-geburten-sperrt-das-entbindungsheim-zu-22282438

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