Chronik

Latein: Tresor in Salzburg geknackt, Schüler verunsichert

In mehrere Schulen der Stadt Salzburg wurde in der Nacht auf Donnerstag eingebrochen. Brisant: Am Akademischen Gymnasium wurde auch ein Paket mit Zentralmatura-Aufgaben aus dem Fach Latein geöffnet.

Es ist das Gesprächsthema Nummer eins unter den Schülern des Akademischen Gymnasiums in Salzburg. Diebe waren in der Nacht auf Donnerstag in das Schulgebäude eingedrungen. Bei ihrer Suche nach Bargeld stießen sie auf ein Paket mit der Lateinmatura, das sie öffneten und liegen ließen. Schon in der ersten Stunde verbreitete sich die Nachricht über SMS und WhatsApp-Nachrichten. Jetzt, nach der fünften Stunde, steht Lucia mit dem Smartphone in der Hand vor dem Schulgebäude und sucht nach Nachrichten im Internet. "Da steht ja schon eine Meldung", sagt sie und liest ihren Kollegen vor, was die bereits wissen.

Die Diebe sollen sich Zugang zu einem Tresor verschafft haben, in dem die Aufgaben für die neue Zentralmatura lagen. Das Hauptproblem dabei: Genau diese Aufgaben sollten kommende Woche alle Schüler Österreichs bekommen. "Ich frage mich, was das für ein Tresor war", fragt Paul in die Runde. "Wie kann es denn sein, dass da so einfach eingebrochen werden kann?" Klassenkollege Erik ist jedenfalls alles andere als schadenfroh. "Das ist extrem unangenehm: Erst bereitest du dich genau auf die Matura vor und dann kommt so etwas dazwischen." Die Schüler, die in die siebte Klasse gehen, fühlen mit ihren Kollegen aus der achten mit. Die hatten heute Spanisch-Matura und sind am Mittwoch mit Latein dran. Mathe- und Französischaufgaben nicht angerührt
Inzwischen gab es auch bereits eine Aussendung des Bildungsministeirums. Während das Latein-Paket geöffnet wurde, hatten die Einbrecher an Mathematik und Französisch kein Interesse: Nach Abschluss der Spurensicherung durch die Polizei und der Prüfung der im Tresor befindlichen Klausuraufgaben stehe definitiv fest, dass "das Kuvert für 'Latein 6-jährig' geöffnet worden ist", hieß es in einer Aussendung des Ministeriums. "Damit sind die Aufgaben öffentlich." Die Kuverts mit den Aufgaben für Französisch und Mathe seien dagegen "vollständig vorhanden und ungeöffnet". Gleich drei Salzburger Schulen waren von der Einbruchsserie betroffen. Ziel sollen laut Polizei aber nicht die Maturaaufgaben gewesen sein, sondern Wertgegenstände. Die Diebe seien in die Gebäude eingedrungen und hätten mehrere Räume durchsucht. Bei dem Diebesgut dürfte es sich nach ersten Informationen um Bargeld handeln, und zwar um zwei- bis dreistellige Beträge. "Derzeit gibt es keine Hinweise auf die Täter", erklärte Polizei-Sprecherin Irene Stauffer. Plan B tritt in Kraft
Die für den kommenden Mittwoch angesetzte Latein-Matura soll aber planmäßig stattfinden. Die Schüler erhalten nun die vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) für solche Fälle bereitgehaltenen Ersatzaufgaben, hieß es aus dem Bildungsministerium.

Das Bifie stellt den Schulen am Vorabend der Prüfung - also am Dienstag - einen sogenannten verschlüsselten "Download-Container" mit Ersatzaufgaben zum Herunterladen zur Verfügung. Am Prüfungstag kann dann ab 6.30 Uhr der Direktor die Aufgaben per Passwort entschlüsseln und vervielfältigen. Die Prüfung startet deshalb später als geplant - und zwar einheitlich um 10 Uhr. Diese Vorgehensweise gilt nur für die Latein-Aufgaben jener Schüler, die an der AHS sechs Jahre Latein hatten. Das sind laut Bifie etwa 700 Maturanten an 115 Schulen. Die Aufgaben für die Schüler mit vier Jahren Latein waren vom Einbruch nicht betroffen und bleiben daher unverändert. Gleiches gilt für die Matura-Aufgaben in den anderen Fächern. Ministerium und Bifie um Beruhigung bemüht
Bildungsministerium und Bifie bemühten sich um Beruhigung, sogar die Oppositionsparteien zeigten Verständnis. Die Geschehnisse rund um den Einbruch seien "sehr unangenehm, kriminelle Akte können aber nie ganz ausgeschlossen werden", so der Grüne Bildungssprecher Harald Walser. Dass das Ministerium umgehend einen "Plan B" präsentieren konnte, zeige, dass man aus vergangenen Pannen gelernt habe. Ähnlich FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz: "Dieser Zwischenfall liegt ausnahmsweise tatsächlich nicht in der Verantwortung des Unterrichtsministeriums." Es sei zu hoffen, dass der "Notfallplan" auch funktioniere.

Abseits der Einbruchsserie sind am Donnerstag die Zentralmatura-Klausuren in Spanisch und den Volksgruppensprachen Slowenisch, Kroatisch und Ungarisch problemlos über die Bühne gegangen. Laut Bifie-Angaben maturierten etwa 900 Schüler in Spanisch, rund 50 traten in Slowenisch an, während etwa 20 Schüler in Ungarisch und etwa zehn in Kroatisch die Reifeprüfung ablegten.

Aufgerufen am 27.01.2022 um 06:36 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/latein-tresor-in-salzburg-geknackt-schueler-verunsichert-2506204

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