Chronik

Lawinen in Salzburg: Am Dienstag ist größte Gefahr ausgestanden

Die angespannte Lawinensituation führte zu mehreren Straßensperren. Die Lawinenkommissionen standen vor heiklen Entscheidungen.

Hannes Weitgasser richtet einen skeptischen Blick auf das Hagengebirge. "Die kritische Stelle ist auf 2000 Metern Seehöhe. Man sieht derzeit aber nur auf 1700 Meter", sagt der Werfener Bürgermeister. Er ist zudem Mitglied der örtlichen Lawinenwarnkommission. Sorgen macht ihm eine riesige Schneewechte, die über ein Plateau ragt und die 1000 Meter tiefer liegende Pass-Lueg-Bundesstraße bedroht. "Vor vielen Jahren gab es an der Stelle schon einmal einen Abgang. Die Lawine hatte so eine große Wucht, dass sie einen Bagger mitgerissen hat." Weitgasser und seine Kollegen entschieden sich am Sonntag für eine Sperre der Bundesstraße zwischen Werfen und Tenneck. Montagmittag steht Weitgasser am Sperrbalken, um die Lage im Hang noch einmal zu beurteilen.

Die Lawinenkommission von Werfen ist eine von 90 ehrenamtlichen Gruppen. Sie beurteilen im ganzen Bundesland Salzburg die örtliche Lawinensituation und geben, falls nötig, Warnungen aus. Genaue Ortskenntnis sei dafür unbedingt notwendig, sagt Hannes Weitgasser. "Wenn ein anderer diesen Hang hinaufschaut, dann sieht er nur einen Berg mit Schnee. Wir können anhand der Schneemenge in den Verbauungen die Lawinensituation beurteilen."

Pass Lueg derzeit schlecht befahrbar

Jetzt kommt auch Herbert Burian zu der Straßensperre. Der Kommandant der Polizeiinspektion Golling ist Leiter der dortigen Lawinenkommission und wollte sich ein Bild von der Nachbargemeinde machen. Der Pass Lueg selbst ist am Montag für den Verkehr geöffnet. Da aber viele von einer Sperre der Paß-Lueg-Bundesstraße gehört hätten, würde kaum jemand über den Pass fahren. "Das ist auch besser so", sagt Burian. "Denn der Pass Lueg ist es derzeit sehr schlecht zu befahren. Es ist gescheiter, wenn die Leute die Autobahn benutzen. Dort gibt es an der Stelle keine Probleme."

Darum kümmern sich am Montag seit sieben Uhr morgens Marco Promock und Bernhard Wenger. Sie sind mit ihren Schneepflügen versetzt auf beiden Fahrspuren von Salzburg-Süd bis zum Reittunnel unterwegs. Für die beiden ist es ein Wintertag wie viele andere. "Wir haben alles im Griff", sagt Bernhard Wenger, als er um zwölf Uhr seine vorgeschriebene Pause einlegt. "Mehr Salz als jetzt kann gar nicht auf der Straße sein. Wir waren den ganzen Vormittag pausenlos unterwegs."

Für die Asfinag bisher ein intensiver Winter

Für die Asfinag war es bisher ein intensiver Winter, was die Schneeräumung betrifft. Seit dem 1. Jänner streuten die 43 Räumfahrzeuge in Salzburg 1500 Tonnen Salz aus. Dabei spulten sie 72.200 Kilometer ab, sagt Hannes Zausnig, Asfinag-Regionalleiter für Salzburg und Kärnten. "Die vielen Niederschläge brachten uns viele intensive Tage. Auch am Montag waren wieder alle Fahrzeuge im Einsatz."

Das bekam auch der restliche Verkehr zu spüren: Die Räumfahrzeuge sind versetzt auf zwei Fahrstreifen unterwegs, das brachte im morgendlichen Berufsverkehr auf der Westautobahn starke Verzögerungen mit sich. Am Nachmittag kommt es dann bei Thalgau noch einmal zu Behinderungen nach einem Unfall: Eine Frau gerät mit ihrem Fahrzeug ins Schleudern, ihr Pkw durchschlägt einen Weidezaun, die Frau wird schwer verletzt.

Eineinhalb Meter Neuschnee in Obertauern

Die intensiven Niederschläge beschäftigen die Meteorologen des Lawinenwarndienstes bereits seit einer Woche. Bereits vergangenen Donnerstag galt in Salzburg Warnstufe 4. Immer wieder fielen seither größere Portionen an Neuschnee, sagt Meteorologe Michael Butschek. "In Obertauern etwa fielen seit Donnerstag eineinhalb Meter Schnee." So wurde auch am Sonntag erneut Warnstufe 4 ausgerufen.

Unter dem frischen Schnee befinde sich eine Reifschicht, die die Lage derzeit so angespannt mache. "Das sind Voraussetzungen für klassische Gleitlawinen" sagt Butschek. Zudem habe der Sturm zu teils starken Verwehungen geführt. "Es gibt derzeit auch Rinnen, die komplett schneefrei sind. Und irgendwo muss dieser Schnee ja jetzt sein."

Die angespannte Situation gelte nicht nur für den Skisportbereich, sondern auch für einzelne Straßen. Konkret waren auch am Montag neben der Pass-Lueg-Straße die Hochkönig-Straße zwischen Mühlbach und Dienten und die Alte Gerlos-Straße gesperrt. Obertauern war am Montag nur über Radstadt erreichbar. Auf der B311 wurden bei Zell am See Bäume gefällt, die unter der Schneelast umzustürzen drohten. Auch mehrere Landesstraßen waren nicht befahrbar. Auch die Tauernautobahn war eine Stunde lang geschlossen: Die Asfinag führte bei Flachau als Vorsichtsmaßnahme eine automatisierte Lawinensprengung durch.

Lage wird sich am Dienstag entspannen

Die Straßensperren werden größtenteils auch am Dienstag noch aufrecht sein. Ab dann werde sich die Lage entspannen, sagt Michael Butschek. "Bereits am Montag ist eine gewisse Setzung des Schnees eingetreten. Die Niederschläge werden dann am Dienstag aufhören. Den Höhepunkt der Lawinengefahr haben wir dann überschritten."

Quelle: SN

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