Chronik

Lebenswertes Miteinander

Inklusion muss im Kopf entstehen. Provinzenz- Geschäftsführer ortet Besserung in Gesellschaft.

 Klienten in der Werkstätte auf Schernberg nehmen auch Auftragsarbeiten an. Ihrem Chef, Jürgen Rettensteiner, haben sie, symbolisch für gutes Teamwork, ein Fußball-Wandbild geschenkt. Migu
Klienten in der Werkstätte auf Schernberg nehmen auch Auftragsarbeiten an. Ihrem Chef, Jürgen Rettensteiner, haben sie, symbolisch für gutes Teamwork, ein Fußball-Wandbild geschenkt.

Jürgen Rettensteiner feierte dieser Tage 25-jähriges Dienstjubiläum. Als Buchhalter begann er bei Provinzenz auf Schernberg, übernahm 2007 die Geschäftsführung und war seit dieser Zeit mit Plänen und der Umsetzung des Ausbaus der Betreuungseinrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen beschäftigt. Seit einem halben Jahr ist das 17,6 Millionen Euro teure Vorhaben abgeschlossen.

17,6 Mio. Euro in nachhaltiges Konzept investiert

Das Schloss Schernberg wurde innen gänzlich umgebaut und beheimatet nun die Geschäftsleitung sowie Werk-, Schulungs- und Sozialräume. In neuen Haus Königsegg sind sieben Gruppen mit 56 Klienten, im Haus Schwarzenberg drei Gruppen mit 24 Personen beheimatet. Vorher betreute man an dem Standort bei unzeitgemäßen Rahmenbedingungen 170 Menschen. Sehr klientenfreundlich haben sich die neuen Standorte in Schwarzach und Mitterberghütten mit je vier Wohngemeinschaften und 20 Personen sowie Salzburg mit fünf Wohngemeinschaften und 36 Personen entwickelt. Rettensteiner: "Unser Ziel ist, noch mehr Wohnungen anzumieten und so den Menschen ein selbstständigeres Leben zu ermöglichen. Der Bedarf ist durch Mitbürger gegeben, die zu Hause nicht mehr betreut werden können oder wollen. Manche entwickeln sich bei uns so selbstständig, dass sie in eine angemietete Wohnung übersiedeln können."

Die nachbarschaftlichen Beziehungen in den Wohnungen werden gelobt. Berührungsängste und anfängliche Skepsis sind verflogen. Dass statt eines schon präsentierten Bauprojektes (nur Schernberg) ein inklusives mit Außenstellen umgesetzt wurde, bezeichnet Rettensteiner als richtungsweisend. Entscheidungsträger waren damals die zuständigen Landespolitiker Soziallandesrat Heinrich Schellhorn, Finanzlandesrat Christian Stöckl und Wohnbaulandesrat Hans Mayr.

In unserer Gesellschaft hat ein bunteres Leben Platz

Rettensteiner erkennt in der Gesellschaft, dass durch mehr Kontakt zu Menschen mit Beeinträchtigungen eine buntere Lebensvielfalt Platz greift. Trotzdem sei auf diesem Sektor noch viel Aufholbedarf gegeben.

Für die 215 Mitarbeiter von Provinzenz hat sich der Arbeitsalltag verändert. Hatte man früher kurze Wege zu den Klienten und dem Betreuungsangebot, so sind heute Mobilität und Flexibilität gefordert - sollen doch alle Einrichtungen in gleicher Qualität betreut werden. Das gilt ebenso für die Tagesbetreuung auf Schernberg, an der die Bewohner aus Schwarzach oder Mitterberghütten täglich teilhaben können. Rettensteiner: "Die Baumaßnahmen sind das eine - die Betreuung, die Bedingungen für die Mitarbeiter zu optimieren und den Geist von Provinzenz nach außen zu tragen, das andere. Wir möchten jeden Klienten nach seinen Wünschen und Möglichkeiten unterstützen. Das gilt nicht minder für Menschen mit Schwerstbehinderungen. Da freut man sich natürlich über jede Begegnung mit Pongauern, die offen auf unsere Klienten zugehen, sie natürlich wahrnehmen.

Wir bekommen Firmenaufträge, die das Selbstwertgefühl unserer handwerklich geschickten Klienten anheben, und können uns bei Veranstaltungen auf Schloss Schernberg immer wieder über enormen Andrang freuen. Unsere Warteliste von 30 bis 40 Personen aus der Region sorgt dafür, dass wir immer Vollauslastung melden können. Es kommen nur vier Klienten von außerhalb unseres Bundeslandes."

Aufgerufen am 30.10.2020 um 03:12 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/lebenswertes-miteinander-65554003

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