Chronik

Leo Huttegger plant nichts anderes als die Energiewende

Ein energieautarkes Land: Diese Vision verfolgt der Flachauer mit Nachdruck und setzt auf die Kraft der Sonne. Österreichs größte PV-Anlage betreibt er schon, nun geht's um die Energiespeicherung.

Leo Huttegger betreibt Österreichs größte Freiflächen-Photovoltaikanlage. SN/sw/brinek
Leo Huttegger betreibt Österreichs größte Freiflächen-Photovoltaikanlage.

Leo Huttegger ist ein Mann, der vor Ideen übersprudelt: "Auf meinem Nachtkasterl liegt immer ein Notizblock. Es kommt oft vor, dass mir mitten in der Nacht etwas einfällt, das ich dann sofort zu Papier bringen muss." Er betreibt seit Ende 2015 zusammen mit seinem Nachbarn die mit 3,5 Hektar größte Photovoltaik-Freiflächenanlage Österreichs. Die 13.500 Solarpaneele sind auf einer Wiese direkt neben seinem Bauerhof, dem Lehatl-Hof, installiert. Der Hang ist südwärts ausgerichtet und befindet sich auf 1200 Metern Seehöhe, Nebel ist daher kaum ein Thema. "Im Sommer haben wir Sonne von 6.30 bis 21 Uhr, eine perfektere Lage gibt es kaum", so Huttegger.

An Spitzentagen produziert er so viel Strom, dass flächendeckend alle Haushalte in Flachau, Altenmarkt, Eben und Radstadt versorgt werden können, berichtet er. Nun ist ja nicht jeden Tag Schönwetter, da stellt sich die Frage der Energiespeicherung. Hier setzt Huttegger auf neue Technologien. Um Entwicklungen auf diesem Gebiet voranzutreiben wurde im Vorjahr das Pongauer Energiezentrum als GmbH von Huttegger sowie drei weiteren Spezialisten aus dem Gebiet der erneuerbaren Energien gegründet.

Pistengeräte als fahrende Stromgeneratoren

Ihre nationalen Partner bündeln Kompetenzen in den Bereichen Herstellung hochleistungsfähiger Batterien, Entwicklung von erneuerbaren Energie-Anlagen (z.B. Solar-PV, Wind etc.), Energieeffizienz und intelligenten Energie-Management-Systemen.

Jüngst stellte Huttegger zusammen mit seinem Geschäftspartner Jürgen Sonnleitner in Brüssel den Prototyp einer leistungsstarken Batterie und andere alternative Speicher- und Antriebssysteme vor. Die Fachexperten der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission zeigten sich beeindruckt.

In zwei Jahren werde man soweit sein, dass mit den Batterien Reichweiten von 1000 Kilometer erreicht werden können, zeigt sich der Flachauer überzeugt und nennt weitere Vorteile: "Wir setzten auf eine völlig neue Technik, wir kommen ohne seltene Erden oder ander Rohstoffe aus, die importiert werden müssen."

Aber nicht nur bei Batterien und Akkus wird geforscht, man denkt schon weiter: Geforscht wird an Hochtemperaturspeichern und in der Wasserstofftechnologie. Den Hochtemperaturspeicher muss man sich ähnlich einem Silo vorstellen, erklärt Huttegger. In Speichertürmen werden Materialien, die Hitze speichern können, mit Strom aus PV-Anlagen auf 1600 Grad erhitzt. Wenn die Energie benötigt wird, kann man die Hitze in Fernwärmenetze abgeben bzw. sie wiederum zur Stromerzeugung nützen.

Ebenfalls mit überschüssigem Solarstrom kann auch Wasserstoff produziert werden. Diesen wiederum kann man in Tanks speichern und von dort in Brennstoffzellen leiten, wo Elektrizität erzeugt wird, die wiederum Elektromotoren antreibt. "Wir wollen diese umweltfreundliche Technik für Pistenbullys verwenden", so Huttegger. Diese Pistengeräte sind dann gleichsam auch fahrende Stromgeneratoren und könnten bei einem Blackout Einrichtungen wie Schulen, Seniorenwohnheime , etc. mit Strom versorgen.

Auf die mannigfachen Entwicklungen und auf die PV-Anlage wurden auch Forschungseinrichtungen und Universitäten aufmerksam, regelmäßig bekommt der Flachauer Photovoltaik-Visionär Besuch auf seinem Lehaltl-Hof.

Seine Pläne wird Huttegger alle umsetzen, davon ist er völlig überzeugt: "Was ich mir einmal in den Kopf gesetzt habe, das wird auch gemacht. Ich bin keiner, der sich entmutigen lässt." Über die rasanten Entwicklungen informieren Huttegger und seine Mitstreiter auch an Infoabenden. Den nächsten wird es am 15. Mai um 19 Uhr im Altenmarkter Gasthof/Hotel Laudersbach geben. Mehr auch unter:

pez-energie.com

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