Chronik

Liebesbetrüger entlockte Flachgauerin mehr als 150.000 Euro

Von Romantik ist da keine Spur mehr: Ein 41-jähriger Liebesbetrüger bekam am Donnerstag in Salzburg eine Haftstrafe, weil er einer Salzburgerin über Jahre hinweg Geld entlockt haben soll.

„Ich habe ihm vertraut“, schrieb die betroffene Frau in einem Brief an die Behörden. Sie selbst wollte keine Anklage gegen den Mann einbringen.  SN/APA (Gindl)/BARBARA GINDL
„Ich habe ihm vertraut“, schrieb die betroffene Frau in einem Brief an die Behörden. Sie selbst wollte keine Anklage gegen den Mann einbringen.

Am Landesgericht Salzburg ist am Donnerstag ein 41-jähriger Liebesbetrüger zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Drei Monate davon muss der Mann tatsächlich ins Gefängnis. Er soll einer Frau in den Jahren 2010 bis 2015 in Summe mehr als 152.000 Euro herausgelockt haben. Allerdings lebte der Angeklagte seit 2011 in Thailand und hatte dort zeitweise eine zweite Familie. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die 58-jährige im Flachgau lebende Frau hatte den Oberösterreicher vor Jahren über ihren damaligen Mann kennengelernt. Nach der Scheidung kamen sich die beiden auch sexuell näher. Kurz darauf plante der Mann, in Thailand ein Studio für Thaiboxen eröffnen zu wollen. Was er nicht erzählte: Die Reise nach Asien trat er bereits mit einem großen Schuldenberg nach einem Privatkonkurs an.

Als Startkapital borgte ihm die Frau 2010 zunächst 17.000 Euro. Doch der Geschäftsplan des elffach vorbestraften Mannes scheiterte. Auch der Versuch, im Königreich mit einem Motorradverleih oder einer Wechselstube durchzustarten, ging nicht auf. "Der Betrug war nicht von Anfang an geplant", sagte Verteidiger Franz Essl heute. "Erst als sich seine Ideen nicht haben umsetzen lassen, hat er begonnen, die Frau zu belügen."

"Sie hat es mir ja nur geborgt"

Für angebliche Geschäftstätigkeiten, Krankenhausaufenthalte und Verkehrsunfälle überwies ihm die 58-Jährige über Jahre Geld, meist Beträge in der Höhe von 300 bis 500 Euro. Dafür nahm die Frau sogar einen Kredit auf, ein Teil stammte aus einer Erbschaft. "Es entsteht der Eindruck, dass sie die Gutgläubigkeit, Blindheit und wohl auch Naivität der Frau zu Ihren Gunsten ausgenutzt haben", sagte Richterin Bettina Maxones-Kurkowski zum Angeklagten. "Sie hat es mir ja nicht geschenkt, sondern nur geborgt", meinte dieser.

Der 41-Jährige ging in Thailand nie einer Arbeit nach. "Ich habe aber manchmal in Diskotheken ausgeholfen." Nachdem sein Touristenvisum abgelaufen war, hielt er sich illegal im Land auf. Für einige Jahre führte der Oberösterreicher eine Beziehung mit einer einheimischen Prostituierten. Die zwei gemeinsamen Kinder seien aber wohl nicht von ihm, erklärte er heute vor Gericht. "Ich bin mir nicht sicher. Wie meine Kinder sehen sie eigentlich nicht aus." Ob er seiner Geldgeberin in Salzburg von der neuen Partnerin erzählt habe, will die Richterin wissen. "Nein, das ist doch logisch."

Angeklagter will 25 Jahre lang zurückzahlen

Als die Salzburgerin erfuhr, dass ihr Freund gar keinen Job hat, schaltete sie einen Anwalt ein. Als der Angeklagte Anfang August erstmals seit sieben Jahren wieder österreichischen Boden betrat, wurde er noch am Flughafen verhaftet. Er sitzt seitdem in U-Haft. Die 58-Jährige schrieb an die Behörden, sie wolle keine Anklage und besuchte ihre frühere Affäre im Gefängnis. "Ich habe ihn als sehr netten und ehrlichen Menschen kennengelernt." Er habe ihr nach der Scheidung durch eine schwierige Zeit geholfen. "Ich habe ihm vertraut."

Sein Mandant sei trotz der Vorstrafen kein hartgesottener Betrüger, betonte Verteidiger Essl und ortete eine Mitschuld des Opfers. "Es ist fast schon eine provozierende Gutgläubigkeit, über so viele Jahre immer wieder Geld zu überweisen."

Der Angeklagte selbst zeigte sich heute voll geständig. Mit der Frau hat er bereits eine Rückzahlungsverpflichtung getroffen. Der 41-Jährige will nach seiner Entlassung aus der Haft im Gastgewerbe arbeiten und ihr jeden Monat 500 Euro überweisen. "Wissen Sie, wie lange Sie da zurückzahlen?", fragte die Richterin und rechnete es dem Mann gleich vor. "Fünfundzwanzigeinhalb Jahre." Doch der relativierte: In der Nebensaison könne er möglicherweise nicht immer die volle Rate leisten.

Quelle: SN

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