Chronik

Lieder, die berühren und verzaubern

Irmgard Wimmer und die "Saligen", das sind vier Musikerinnen aus dem Pongau und Lungau. In ihren Liedern durchstreifen sie Almen und Felsen und unterstützen das Projekt "Rehkitzrettung".

Der Erlös vom Verkauf der CD „Sunn im Fels“ der Saligen geht an das Projekt Rehkitzrettung. SN/sw/privat
Der Erlös vom Verkauf der CD „Sunn im Fels“ der Saligen geht an das Projekt Rehkitzrettung.

Die Saligen, so beschreibt es die Sage, sind wilde Frauen der Alpenregion. Man charakterisierte sie als scheu, aber hilfsbereit und weise. Früher sollen sie in Felsen- und Gletscherhöhlen gelebt haben. Sie galten zwar als menschenscheu, doch standen sie unerwarteten Besuchern trotzdem mit Rat und Tat zur Seite. Sie halfen armen Bauern und linkischen Menschen. Doch in der Nacht, wenn der Mond hell am Sternenzelt stand, sollte man den Saligen Frauen besser nicht begegnen, heißt es. Es sei denn, man war laut und machte Krach, da sie jeden Lärm verabscheuten.

Die vier Musikerinnen, die sich Salige nennen, fanden sich 2001 zusammen. "Wir singen davon, was wir in den Bergen erleben", sagt Irmi Wimmer (links im Bild). Sie ist das "Herz der Saligen". Neben Wimmer (Gesang, Harfe und Zither) sind das noch Lydia Weiss (lyrisch an Harfe, Hackbrett und Gesang), Anneliese Schneider (Cello und Gesang) und die Lungauerin Katharina Pföß (Klarinette, Ziehharmonika, Flügelhorn und Gesang). Irmgard Wimmer und die "Saligen" schaffen neue Volksmusik und widmen sich mit vollem Einsatz der Entstaubung von traditionellem Liedgut. "Unsere Lieder, das heißt, die Texte und die Musik dazu, die schreiben wir teilweise selbst. Manches übernehmen wir auch und finden gemeinsam neue Zugänge." Die meisten Melodien entstehen bei Irmi Wimmer, wenn sie am Berg, Fels, auf der Alm oder im Wald unterwegs ist. Die erdigen und fesselnden Klänge der Saligen erzählen davon in Bildern, in ihnen tönt eine sonnige Felskletterei im Jodler mit.

Ein anderes Mal spürt man direkt den erdigen Geruch des Sommerregens. Vielleicht hört man auch den felsigen Klang der kletternden Gämsen oder den federleichten Vogelschlag eines stolzen Adlers. Die Musikerinnen interpretieren Natur mit Volksmusik im ursprünglichsten und klarsten Sinn. Sie erzählen in ihren Geschichten mit Witz, Ironie und viel Gefühl. Mit unglaublich viel Gefühl zur Natur und zur Tierwelt. In Raps und Stanzln entführen sie ihr Publikum "mit weiblichem Augenzwinkern" in eine andere Welt und hinterfragen Dinge und Menschen aus der Region oder auch darüber hinaus. Wie etwa in einem ihrer neueren Lieder "Auf der Mauer", worin sich auch einmal alles um den amerikanischen Präsidenten Donald Trump dreht. "Die Aktualität hat uns dabei überholt", lacht Irmgard Wimmer, die hauptberuflich als selbstständige Logopädin und Stimmtherapeutin arbeitet.

Gemeinsam ist die vieren, dass Musik "unser Leben bestimmt. Wenn wir uns treffen, dann bringen wir die Melodien und Texte mit. Wir weben am Arrangement für die Lieder und gemeinsam wächst etwas."

Wie eine neue CD vielleicht. Ihre alte CD "Sunn im Fels" haben sie bereits mehrfach aufgelegt. Altes Liedgut, Jodler und vieles mehr wurde da neu interpretiert und aufgezeichnet. Mit dem Verkauf von 500 Stück unterstützen sie das Projekt "Rehkitzrettung".

Ein Projekt, das mit seiner Achtsamkeit gegenüber der Natur - wie eben die Saligen - ebenso viele schöne Erfolge im vergangenen Jahr feierte. So konnten Wimmer und das ehrenamtliche Team der Rehkitzrettung heuer im Frühjahr immerhin 28 Rehkitze vor dem Tod bewahren: Mittels Wärmebildkamera und Drohne suchten sie bevorzugt vor Sonnenaufgang nach Rehkitzen. Bevor die Bauern damit begannen, ihre Wiesen zu mähen. Denn die messerscharfen Mähwerke können Rehkitzen oft zum Verhängnis werden. Die Frühjahrsmahd fällt mit der Brut- und Setzzeit der Wildtiere zusammen. Rehe setzen ihren Nachwuchs in Wiesen, weil sie ihn dort vermeintlich sicher vor Fressfeinden wähnen. Wimmer hat selbst ein solches Rehkitz aufgezogen und ein inniges Nahverhältnis zu ihm aufgebaut: "Selbst als ich es wieder freigelassen habe, ist es immer wieder zu mir zurückgekommen."

Normalerweise verkaufen die Saligen ihre CDs und auch selbst gemachte Liköre und Brände für den guten Zweck dieses Projekts. Aber nachdem heuer fast alle Veranstaltungen - wie Konzerte oder Adventmärkte - abgesagt wurden, müssen sie den CD-Verkauf für das ehrenamtliche Engagement auch selbst stemmen.

"Das ist schon etwas schwierig", sagt Wimmer und freut sich schon auf das nächste Jahr, wo die Saligen endlich wieder einige Auftritte ins Auge fassen: "Das Zusammensein mit unserem Publikum ist ja auch so besonders, vor allem, wenn man merkt, dass die Melodien berühren." Apropos "berühren":

Für viele im Publikum ist es immer unerklärlich, warum es bei den Auftritten der Saligen in den Veranstaltungsräumen plötzlich nach Latschen oder Kiefern riecht. Ein sagenhaftes Geheimnis, das Irmgard Wimmer nicht verrät. Sagenhaft ist auch das Geschenk der Saligen, wenn sie ein respektvolles Willkommensein erfahren. Auch das geben sie gerne mit dem Verkauf ihrer CDs zurück: Einen "saligen Faden" bzw. ein Flachsgarnknäuel, dessen Glück bringender Faden niemals enden soll.

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