Chronik

LKH: 89-Jähriger starb nach Sturz von Spitalsliege

Ein 89-jähriger Mann brach sich in der Notaufnahme das Genick. Keiner hat gesehen, wie es zu dem Vorfall kam.

Gerhard Langegger trauert um seinen Vater. SN/ANTON PRLIC
Gerhard Langegger trauert um seinen Vater.

Es liege ihm fern, auf irgendjemanden direkt mit dem Finger zu zeigen, sagt Gerhard Langegger. "Ich weiß, dass die Spitalsmitarbeiter in der Notaufnahme einen Knochenjob machen." Aber irgendetwas müsse im Salzburger Landeskrankenhaus falsch laufen, sagt der 44-jährige Jurist. Wie könne es sonst sein, dass sein 89-jähriger Vater von einer Liege stürzte, während er auf seine Behandlung in der Internen Notaufnahme wartete. Er starb an den Folgen des Sturzes.

Am 12. Dezember 2016 war der Vater von Gerhard Langegger wegen Atemnot vom Roten Kreuz ins Spital gebracht worden. "Er hatte bereits ein schwaches Herz und konnte auch nicht mehr gut gehen", sagt sein Sohn. Die Rettung brachte den 89-Jährigen in die Interne Notaufnahme, dort wurde der Patient übernommen. Was danach geschah, lässt sich nicht mehr vollständig rekonstruieren.

Fakt ist, dass die 76-jährige Mutter von Gerhard Langegger am nächsten Morgen einen Anruf bekam. Eine Spitalsmitarbeiterin teilte ihr mit, dass ihr Ehemann von einer Liege gestürzt war und sich den ersten und zweiten Halswirbel gebrochen hatte. "Wie es dazu kam, konnte man ihr nicht sagen. Denn niemand hat den Sturz gesehen", sagt Langegger. Seine Mutter habe sich sofort große Vorwürfe gemacht, weil sie nicht mit ihrem Mann ins Spital gefahren war.

Gerhard Langegger sei aber klar, dass die Verantwortung für den Vorfall beim Krankenhaus liege. "Man hätte ihn nicht unbeaufsichtigt und ungesichert lassen dürfen. Es war bekannt, dass er nicht immer ganz orientiert war und er deshalb teilweise aufstehen will."

"Es ist sehr tragisch, dass es so zu Ende gehen musste"

Der Familie des Verstorbenen wurde nach dem Vorfall mitgeteilt, dass die Brüche in der Wirbelsäule "final" seien. "Der Arzt hat uns gesagt, dass man meinen Vater nicht mehr operieren kann", sagt Langegger. Die kommenden Tage besuchte er den Vater täglich in der Abteilung für Unfallchirurgie. "Er wurde medikamentös ruhig gestellt, damit er sich nicht bewegt. Und er konnte durch die Verletzung nicht mehr wirklich schlucken. Ständig hatte er Durst." Trotzdem habe er mit ihm noch über das Weihnachtsfest sprechen können.

Der 89-Jährige erlebte Weihnachten 2016 allerdings nicht mehr. Am 18. Dezember verstarb er in der Früh im Spital. "Es ist mir klar, dass mein Vater wegen seines gesundheitlichen Zustandes nicht mehr ewig gelebt hätte", sagt Gerhard Langegger. "Aber es ist schon sehr tragisch, dass es so zu Ende gehen musste."

Der Vorfall wird derzeit von der Patientenanwaltschaft bearbeitet. Aber um eine Entschädigung oder ähnliches geht es Langegger gar nicht. "Mir ist es viel wichtiger, die Zustände auf der Notaufnahme im Salzburger Landeskrankenhaus aufzuzeigen." Es sei offensichtlich, dass dort nicht genügend Personal vorhanden sei und die Mitarbeiter am Limit arbeiten würden. "Die Politik ist gefragt, die Zustände dort zu ändern. Als ich den Pflegekräften gesagt habe, dass ich mit meiner Geschichte an die Öffentlichkeit gehe, war bei ihnen so etwas wie Dankbarkeit zu spüren. Sie haben gesagt, vielleicht wäre das gar nicht schlecht, damit nicht noch mehr eingespart wird."

LKH will "lückenlos aufklären"

Von Seiten des Spitals heißt es, dass man den Vorfall sehr bedauere. "Wir werden lückenlos aufklären, wie es dazu kommen konnte. Das Pflegeteam ist tief betroffen und hat unser Riskmanagement umgehend darüber informiert", sagt Kliniksprecherin Mick Weinberger. Um den Fall weiter bearbeiten zu können, müsse das Spital nun auf eine Schadenfallsmeldung vom Juristen der Familie oder von der Patientenanwaltschaft warten. Eine Überforderung des Personals liege nicht vor, sagt Sprecherin Weinberger. "Am Tag dieses Vorfalles gab es keinen Personalengpass. Die Dienstmannschaft war komplett."

Die Patientenanwaltschaft könne den Fall derzeit wegen der Verschwiegenheitspflicht noch nicht bearbeiten. Erst müssten noch Formalitäten das Erbe betreffend geklärt werden, sagt Patientenanwältin Mercedes Zsifkovics. Danach werde man sich um der Sache annehmen. "Einen so dramatischen Fall habe ich bei meiner Tätigkeit noch nicht gehabt. So etwas darf natürlich nicht passieren." Auf der Notaufnahme würden häufig betagte Personen behandelt, da sei besondere Sorgfalt geboten. "Es kann nicht sein, dass man da einfach jemanden in die Ecke stellt und nicht mehr nachschaut."

Eine Häufung an Beschwerden über die Notaufnahme liege nicht vor. Als man vor drei Jahren von einer zentralen Notaufnahme auf das alte System mit einer Unfallchirurgischen und einer Internen Notaufnahme umgestellt habe, habe sich die Situation verbessert, sagt Zsifkovics. "Aber es ist sicher so, dass die Personalstrukturen in den Ambulanzen knapp bemessen sind."

Prinzipiell stünde Angehörigen in solchen Fällen Schmerzensgeld zu, da die entsprechenden Ansprüche vererbt werden. Auch ein Ersatz von Begräbniskosten und ein Trauerschmerzensgeld sei möglich. Um Finanzielles geht es Gerhard Langegger aber nicht. "Ich möchte nur sicher gehen, dass niemand anderem so etwas passiert."

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.09.2018 um 05:18 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/lkh-89-jaehriger-starb-nach-sturz-von-spitalsliege-489061

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