Chronik

Lösungen gesucht für Unfall-Hotspots im Tennengau

Was Unfallhäufungsstellen sind, ist gesetzlich klar definiert. Kein Patentrezept gibt es in der Frage, wie man sie entschärft. Bei einer Begehung suchten Experten von Land, Bezirkshauptmannschaft und Polizei diese Woche nach Lösungen.

Schon bei der Vorbesprechung am Dienstagmorgen dieser Woche in den Räumlichkeiten der Bezirkshauptmannschaft Hallein wird klar: Das geplante Programm ist ambitioniert. Zwölf Unfallhäufungsstellen im Tennengau sollen an diesem Tag von Vertretern der Bezirkshauptmannschaft, der Stadt- und Bezirkspolizei sowie der Landesstraßenverwaltung (LSV) zusammen mit dem verkehrstechnischen Amtssachverständigen Michael Lindner vom Referat für Straßenbau und Verkehrsplanung des Landes Salzburg begangen werden. Denn anders als früher, als es jährliche Begehungen gab, wurden der BH die Unfallhäufungsstellen diesmal vom Land gesammelt für die Jahre 2014 bis 2016 übermittelt.

Acht Mal krachte es von 2014 bis 2016 im Kreisverkehr

Seinen ersten Halt legt der Tross beim mittleren der drei Kreisverkehre an der Europastraße ein - weitere elf Unfallhäufungsstellen in Hallein, Oberalm, Adnet, Kuchl und Abtenau werden folgen. Beim zweispurigen Kreisverkehr in Hallein hat es in den Jahren 2014 bis 2016 acht Mal gekracht - meist Blechschäden oder leichte Verletzungen, kein Unfall mit Todesfolge. Michael Lindner hat sich den gesamten Straßenzug, von der Autobahnausfahrt bis zum Hager-Kreisverkehr, schon vorab angesehen und kommt zu dem Schluss: "Man darf Unfallhäufungsstellen nicht isoliert betrachten. Weil man, von der Autobahn kommend, aus dem ersten Kreisverkehr nur ausfahren kann, trauen sich viele im zweiten Kreisel nicht mehr, auf der linken Spur einzufahren. Die Flüssigkeit ist deshalb genauso wenig optimal wie die Leichtigkeit des Verkehrs." Wieder anders sei die Regelung beim Hager-Kreisverkehr. Wie bei herkömmlichen zweistreifigen Kreisverkehren typisch, passieren auch im mittleren Kreisel viele Unfälle beim Fahrstreifenwechsel von der inneren auf die äußere Spur. Deshalb schlägt Lindner eine Ummarkierung zum Turbo-Kreisverkehr vor, weil so Fahrstreifenwechsel zumindest für die Hauptrichtungen nicht mehr nötig sind. Für eine leicht begreifbare Verkehrsführung und eine Verbesserung der Sicherheit und Flüssigkeit des Verkehrs wären die beiden Nachbarkreisverkehre ähnlich umzugestalten.

Beim nächsten Stopp in der Halleiner Landesstraße auf Höhe Pennymarkt zeigt sich, dass sich die Situation zum Zeitpunkt der Begehung wegen der zeitversetzten Übermittlung der Unfallzahlen oft wesentlich von der Situation zum Zeitpunkt der Unfälle unterscheidet. So wird ein Unfall von 2014 besprochen, der noch vor der Errichtung des Fahrbahnteilers passiert war.

Manchmal ist nicht die Unfallhäufungsstelle das Problem

Nicht selten stellt sich deshalb heraus, dass an angeblichen Unfallhäufungsstellen gar keine Maßnahmen nötig sind. "Sehr oft ist der Grund für Unfälle auch Ablenkung am Steuer und überhöhte Geschwindigkeit, sodass es auch bei offensichtlich guten Anlageverhältnissen zu Unfällen kommt. In solchen Fällen kann in der Regel keine Maßnahme vorgeschlagen werden", so Lindner.

Als Sachverständiger kümmert er sich ausschließlich um die Erarbeitung von Lösungsvorschlägen für die Unfallhäufungsstellen. Weil er nicht weiß, ob der Straßenerhalter an besagten Stellen bereits Maßnahmen plant oder bereits geplante Maßnahmen schon einmal gescheitert sind, ist bei den Begehungen immer ein Vertreter der Landesstraßenverwaltung mit dabei.

Kreisverkehre helfen, sind aber kein Universalheilmittel

In den vergangenen 15 Jahren wurden an vielen unfallträchtigen Stellen im Bundesland Salzburg Kreisverkehre gebaut. "Diese verringern zumindest die Geschwindigkeit, wodurch es weniger schwere Unfälle gibt. Die Zahl der Unfälle geht allein durch einen Kreisverkehr aber nicht zurück, speziell wenn er zweispurig und nicht als Turbokreisverkehr ausgebildet ist", sagt Michael Lindner. Als Allheilmittel werden Kreisverkehre deshalb auch bei der Landesstraßenverwaltung nicht gesehen. Besonders an Stellen mit starkem Durchzugsverkehr hemmen sie den Verkehrsfluss. Auch die Kosten von 300.000 Euro aufwärts lassen das Land beim Bau weiterer Kreisverkehre auf der Bremse stehen.

Manchmal gibt es eine Lösung, sie ist aber nicht umsetzbar

"Das Ergebnis einer Begehung kann natürlich auch sein, dass es eine mögliche Lösung gäbe, diese aber nicht finanzierbar ist", sagt Lindner. "Entscheiden tut schließlich die Behörde." In vielen Fällen sind es aber auch von etwaigen Maßnahmen betroffene Grundeigentümer und Anrainer, die den erforderlichen Grund nicht zur Verfügung stellen. Bis an Unfallhäufungsstellen tatsächlich Maßnahmen gesetzt werden, vergehen deshalb oft mehrere Jahre.

Mindestens fünf gelichartige Unfälle an derselben Stelle

Was aber ist überhaupt eine Unfallhäufungsstelle? In den "Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen" heißt es dazu (leicht vereinfacht): Ein Streckenbereich von bis zu 250 Metern ist als Unfallhäufungsstelle zu bezeichnen, wenn sich an einer Stelle mindestens drei gleichartige Unfälle mit Personenschaden in drei Jahren oder mindestens fünf gleichartige Unfälle (einschließlich Sachschaden) in einem Jahr ereignet haben. Nach dieser Berechnung ergaben sich im Tennengau im Jahr 2015 insgesamt 14 Unfallhäufungsstellen. Im Jahr 2016 waren es 15, für das Vorjahr liegen noch keine Zahlen vor. Anhand der für 2014 bis 2016 übermittelten Daten wurden schließlich die erwähnten zwölf neuralgischen Stellen im Bezirk ausgewählt und begutachtet.

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