Chronik

Vorsprechen für den Traumjob über den Wolken

Airlines suchen dringend Personal: Die Lufthansa allein braucht heuer 2600 neue Flugbegleiter. Am Samstag veranstaltete sie ein Casting in Salzburg.

"Ich melde mich, sobald ich etwas weiß", sagt die junge Frau mit Dutt zu ihrem Begleiter und atmet tief durch. Doch die Schultern im eleganten Kostüm bleiben oben, die Anspannung ist groß. Wie Hunderte andere will sie sich beim Casting der Lufthansa im Salzburger Kongresshaus beweisen. Bereits um 8.30 Uhr hat sich eine Schlange im Foyer gebildet, eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn. Der Raum aus Glas und Metall, die Steher mit Gurten als Absperrung und die leise dudelnde Musik im Hintergrund verströmen Flughafenatmosphäre.

Unter die aufgeregten Kandidaten mischen sich echte Stewardessen in blau-gelber Uniform und rot geschminkten Lippen. Sie erkundigen sich, ob die Bewerber eine schöne Anreise hatten und wie sie sich fühlen. "Nervös", lautet die Antwort mehr als einmal.

"Mehr von der Welt sehen"

Der Großteil der meist jungen Menschen kommt aus Bayern, der Frauenanteil überwiegt. Manche sind aus Mannheim oder sogar aus Polen angereist. Einer der wenigen Salzburger ist Manuel Steinacher aus Lamprechtshausen. Er ist - verglichen mit anderen Bewerbern - eher leger gekleidet mit offenem kariertem Hemd über einem T-shirt.

Manuel Steinacher aus Lamprechtshausen will mehr von der Welt sehen. SN/chris hofer
Manuel Steinacher aus Lamprechtshausen will mehr von der Welt sehen.
"Ich habe mir vorgenommen, mehr von der Welt zu sehen", sagt er locker. Seine Ausbildung geht freilich in eine andere Richtung: Er besucht die HTL in Itzling mit Schwerpunkt Elektronik und Informatik.

Spontan ist besser

Die Lufthansa hat im Vorjahr mit den Castings begonnen. "Wir haben in relativ kurzer Zeit sehr viele Flugbegleiter gesucht, da mussten wir neue Wege gehen", sagt Klaus Jacobsen, der für diese Bewerbungsverfahren verantwortlich ist. Normalerweise laufe die Bewerbung bei Lufthansa über das Internet, doch für Flugbegleiter sei das nicht der richtige Weg: "Wer Flugbegleiter werden will, sucht den direkten Kontakt", erklärt der Psychologe. Die besten Bewerber seien meiste jene, die sich spontan entscheiden, vorbeizuschauen - im Gegensatz zu anderen, die Stehsätze von sich geben, wie "das war immer schon mein Traum" oder "ich fliege einfach so gerne".

Nach dreieinhalb Monaten in die Luft

Bei diesen Castings hat die Lufthansa im Vorjahr bei sechs Terminen gut 2000 Bewerber registriert. Ein Drittel bis die Hälfte werde tatsächlich akzeptiert. In Salzburg war am Samstag nach 300 Bewerbern Schluss. "Wir müssen bei den Castings immer früher schließen", erklärt Jost Lauter. Er ist in München für die "Cabin Crew" (Anm.: die Flugbegleiter) zuständig und damit quasi der Auftraggeber des Castings ins Salzburg - übrigens das erste, das nicht in Deutschland stattfindet. Wer akzeptiert wird, auf den wartet noch eine Ausbildung von dreieinhalb Monaten, bevor es in die Luft geht. "Das wichtigste ist die Sicherheitsschulung. Das muss man ernst nehmen, da kann man auch durchfallen, wenn man nicht dafür lernt. Alles andere - wie das Servieren - kann man üben", sagt Lauter.

Jede Formulierung sitzt

Nach dem ersten Schlangestehen werden Zettel ausgefüllt. Abgefragt werden Größe und Gewicht, aber auch Schwimmkenntnisse oder Fehlsichtigkeit. Mit mehr als fünf Dioptrien ist schon nach dem ersten Ausfüllen Schluss. Sichtbare Tattoos seien ebenfalls ein Ausschlussgrund, sagt Trainingsreferent Rüdiger Lauer. Bei ihm sitzt jede Formulierung. "Auch den kleinen Stein, den Sie in der Nase tragen, und der bei Ihnen übrigens sehr hübsch aussieht, müssen wir Sie bitten zu entfernen, sollten Sie sich bewerben", sagt Lauer und fügt hinzu: "Sie wären sicher eine gute Gastgeberin".

Was tun in Stresssituationen?

Der zweite Schritt für die angehenden Stewardessen ist ein Zweiergespräch mit einer Trainerin. Dabei werden vor allem die Englischkenntnisse der Kandidaten ausgelotet. Steht auch die Familie hinter dieser Berufsentscheidung? Die Flugbegleiter verbringen nämlich ihre Freizeit meistens im Ausland. Daher gebe es auch ermäßigte Flugtickets für Angehörige, um die Work-Life-Balance zu verbessern, sagt Lauer.

Im persönlichen Gespräch mit einer Trainerin werden die Englischkenntnisse ausgelotet. SN/chris hofer
Im persönlichen Gespräch mit einer Trainerin werden die Englischkenntnisse ausgelotet.

Entscheidend ist jedoch das Gespräch mit den Psychologen, die Motivation und Verhalten in Stresssituationen auszuloten versuchen. Was tun, wenn ein Kunde unerlaubterweise in der ersten Klasse sitzt und sich weigert, den Platz zu räumen?

Licht und Schatten

Danach heißt es wieder Platz nehmen und warten. Die "echten Stewardessen" leisten den Kandidatinnen und Kandidaten wieder Gesellschaft. Schließlich kommt eine Trainerin und pickt sich drei bis fünf Bewerber heraus: "Bitte mitkommen!"

Geht es nach hinten zur Treppe, folgt die Absage. Die Trainerin überbringt die schlechte Nachricht, die Gesichter der jungen Leute werden lang, sie nicken betreten.

Wird man von der Trainerin allerdings nach vorne ins Licht geführt, ist das ein gutes Zeichen: In der Gruppe wird den jungen Frauen und Männern verkündet, dass sie akzeptiert sind. Jubel! Freude! Umarmungen! Bei den meisten fließen die Freudentränen.

Die Freudentränen fließen. SN/chris hofer
Die Freudentränen fließen.

Die ersten erfolgreichen Kandidatinnen des Salzburger Castings heißen Andrea Kühnhackl, Ning Xiaochen, Sieglinde Hödl, Annika Augustin und Lucine Jaff. Im Freudentaumel bekommen sie abschließend einen Imagefilm vorgeführt. "So einen positiven Hormoncocktail werden die Kandidaten selten haben. Da versuchen wir natürlich, ihnen die Werte von Lufthansa noch einmal mitzugeben", sagt Psychologe Jacobsen. Die Worte, die er an die angehenden Stewardessen richtet, lauten: "Fliegen können alle Airlines der Welt - den Unterschied machen Sie."

Quelle: SN

Aufgerufen am 25.09.2018 um 12:58 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/lufthansa-hielt-casting-in-salzburg-ab-402697

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