Chronik

Lungauer Tanne wurde zur Marke

Die Familie Petzlberger in St. Margarethen sichert ihre Landwirtschaft mit Tausenden Christbäumen.

"Die Stadt-Salzburger halten viel von Lungauer Produkten", freut sich Martin Petzlberger, "so ist unsere Lungauer Tanne neben Erdäpfeln oder Schwammerl aus unserer Region auch zur beliebten Marke geworden." Alljährlich im Dezember pilgern er und seine Familie mit den Christbäumen in die Stadt, um sie den Landsleuten anzubieten. Auch in Tamsweg vor der Hofer-Filiale werden die Tannen des Schwabbauern verkauft.

Unglaublich, aber wahr: Schon im Jahr 1958 hat der Vater von Martin, Leonhard Petzlberger, diese landwirtschaftliche Nische von Christbaumkulturen entdeckt. Damals waren es noch Fichtenbäumchen, die er im Lungau entlang von Forststraßen geschlägert hat. Zwei Freunde des Schwabbauern, die in Wien lebten, machten ihn dann darauf aufmerksam, dass Lungauer Christbäume in der Bundeshauptstadt sicher sehr begehrt sein würden.

Also verlud der St. Margarethener Bauer seine Bäumchen in einen Eisenbahnwaggon und fuhr mit ihnen vor die Wiener Stadthalle und auf den Antonsplatz in Favoriten - und die Wiener flogen auf die Lungauer Weihnachtsbäume. 30 Jahre lang. Freilich war der Aufwand für die Kundschaft im fernen Wien überaus groß. Also dachte sich Sohn Martin Petzlberger, der dann den Hof übernommen hatte: Was den Wienern gefällt, müsste doch auch bei den Stadt Salzburgern Anklang finden. Und es hat bestens geklappt: Seit vielen Jahren werden die Bäume nun im Advent an zwei Standorten an der Salzburger Alpenstraße angeboten. "Wir haben hunderte Stammkunden", erzählt er, "die jedes Jahr zu uns kommen, um ihren Christbaum zu holen."

Längst hat der Schwabbauer auf die Tanne umgestellt. Auf eine Tanne allerdings, die auch in großer Höhe und klirrender Kälte, wie sie im Lungau vorgefunden wird, gedeiht und wächst. "Unsere Tanne ist ursprünglich im Kaukasus in Georgien zu Hause, wo sie in Höhen von 18oo Metern vorkommt", sagt der Christbaum-Bauer. Er hat diese Art über Jahrzehnte im Lungau weiterentwickelt. So ist sie zur "Lungauer Tanne" geworden.

Auf drei hofeigenen Flächen mit insgesamt rund sechs Hektar wird die Tanne gesetzt, deren Samen vorher in einer Baumschule in der Steiermark zu Setzlingen gezogen werden. "Wir haben inzwischen an die 60.000 Bäume in unseren Kulturen stehen." Freilich hört sich das besser an, als es ist: Bis ein zwei Meter hoher Christbaum geerntet werden kann, dauert es bis zu zwölf Jahre. Und so mancher Baum kann gar nicht verkauft werden, wenn er nicht entsprechend gewachsen ist.

Viel, viel Arbeit hat die Familie Petzlberger das ganze Jahr über mit ihrer Baumkultur. Unterstützt wird sie dabei von rund 20 ganz besonderen Mitarbeitern. Es handelt sich dabei um die englische Schafrasse Shropshire. "Diese Schafe weiden das Gras unter den Bäumen ab, lassen aber deren Rinde brav in Ruhe", sagt der 62-Jährige, für den seine Tiere damit eine entscheidende Hilfe den ganzen Sommer über sind. Die Erntezeit hat in St. Margarethen dann ein ganz bestimmtes Datum und beginnt nach dem 11. Vollmond des Jahres im abnehmenden Mond (im November). "Dann verlieren unsere Christbäume überhaupt keine Nadeln", versichert Martin Petzlberger, der seinen Nebenerwerbsbetrieb mit elf Rindern, den Schafen und die Christbaumkultur inzwischen an Sohn Armin übergeben hat. "Das ist ja das weitaus Wichtigste daran", sagt er, "dass unsere Baumkulturen es ermöglichen, dass es weitergeht mit dem Schwabgut in St. Margarethen, dass der Hof eine wirtschaftliche Zukunft hat."

Quelle: SN

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