Chronik

Lustiger, als die Polizei erlaubt

Warum immer trocken und sachlich? Die bayerische Polizei ist für ihre kultigen Presseaussendungen berühmt. Zwei Beispiele.

Symbolbild.  SN/APA (Symbolbild/dpa)/Armin Weige
Symbolbild.

Polizeibeamte zu sein, ist sicher nicht immer ein Zuckerschlecken. Humor hilft, ist aber nicht immer angebracht. Doch manchmal sitzt bei der bayerischen Polizei den Verfassern von Pressemeldungen der Schalk im Nacken - zur Freude der Journalisten, die sich regelmäßig mit Unfällen, Bluttaten und anderen Grauslichkeiten befassen (müssen).

Die SN haben zwei Beispiele ausgewählt: Ein aktuelles vom 8. September und eines, das bereits mehr als drei Jahre zurückliegt und es in den ewigen Olymp der besten Pressemeldungen geschafft hat.

"Sportlicher Platztausch"

Die Polizei Freilassing führte am 8. September in Surheim Geschwindigkeitskontrollen durch. Ein guter Anlass, um Beamtendeutsch mit Humor zu kombinieren:

"Lobenswerter Weise konnte diesbezüglich keine Beanstandung festgestellt werden. Jedoch hielt ein Pkw gute 350 Meter vor der Anhaltestelle. Der Fahrer und die Beifahrerin wechselten die Positionen.

Durch die Vergrößerung des Messgerätes konnten die Polizisten den sportlichen Platztausch über die Mittelkonsole genauestens beobachten.
Der Pkw fuhr dann mit neuer Fahrerin in Richtung der kontrollierenden Beamten weiter.

"Filmreife Beobachtung"

Dieser filmreifen Beobachtung musste auf den Grund gegangen werden. Bei der Anhaltung wurde eine 38-jährige Burgkirchnerin als Lenkerin des Pkw Fiat festgestellt. Zu diesem Zeitpunkt war der 33-jährige aus derselben Ortschaft stammende junge Mann der Beifahrer.
Mit dem Vorwurf der Fahrereigenschaft gab der jetzige Beifahrer zu, dass er nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis ist und deswegen vor der Kontrollstelle noch schnell die Position wechselte um unerkannt zu bleiben. Die Polizisten machten ihm da jedoch einen Strich durch die Rechnung.

"Der junge Mann blieb Beifahrer"

Während der Bearbeitung vor Ort durch die Polizeibeamten konnten ferner noch drogentypische Ausfallerscheinungen festgestellt werden. Der Mann ohne Fahrerlaubnis hat zu allem Überfluss noch einige Betäubungsmittel konsumiert.
Nach erfolgter Sachbearbeitung und einer Blutentnahme im Krankenhaus durfte die Lenkerin ihre Fahrt fortsetzen. Der junge Mann blieb Beifahrer."

Die kultigste Pressemeldung: "Kuh Nr. 638"

Nicht nur humorvoll, sondern auch mit fast literarisch anmutenden Sätzen, verfasste dieser Beamte aus dem Landkreis Altötting diese Aussendung im Jänner 2014.

"Dem Schreiber dieses Polizeiberichts ist noch aus seiner Jugend Mitte der sechziger Jahre geläufig, dass damals landwirtschaftliches Großvieh weiland im Besitz eines veritablen Eigennamens war. So kann er sich erinnern, dass am Burghauser Bergerhof beispielsweise an eine Milchkuh der Platzwechsel im Stall mit den freundlichen Worten "Flora, steh um!" - akzentuiert mit leichtem Ellenbogendruck in die Seite - erfolgreich adressiert werden konnte.

"Bovine Individualität"

Auch ist uns allen noch das freiheitsliebende Nutztier geläufig, das im Nachbarlandkreis seine bovine Individualität ausleben wollte und dazu mit dem wohlklingenden und medienwirksamen Vornamen "Yvonne" - wahlweise auch "Angie" oder "Bambi" - versehen, über Monate in die Wälder, Flure und Auen nahe Zangberg entsprang.

"Reduktion ihrer Rindspersönlichkeit"

Gänzlich anders verhielt sich am gestrigen Abend eine Kuh im nördlichen Landkreis Altötting. Vielleicht war es ihre Verstimmung ob der Reduktion ihrer Rindspersönlichkeit auf die technokratische "Nr. 638" geschuldet, die sie bewog, den sie fütternden Jungbauern anzurempeln. Als dieser, diesen eventuell stummen Hinweis auf die eigene Namenlosigkeit auch noch durch Zudrehen des Rückens quittierte, stieß sie ihn hinterrücks vollends zu Boden. Dabei ging nicht nur die geschäftsmäßige Beziehung zwischen Tier und Eigentümer sondern auch der linke Oberarm des Landwirtes zu Bruch, der sich nach dem Angriff nur noch aus dem Stall retten konnte.

Der Haus- (und Stall-)segen hing schief

Über den weiteren Verlauf der missglückten Kontaktaufnahme liegen der Polizeiinspektion Altötting keine Erkenntnisse vor. Jedoch scheint der Haus- (wohl eher der Stall-) segen, ob der Attacke derart unüberbrückbar schief zu hängen, dass "Nr. 638" vermutlich dem Metzger überantwortet werden könnte."

Quelle: SN

Aufgerufen am 22.09.2018 um 07:20 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/lustiger-als-die-polizei-erlaubt-17210593

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