Chronik

Mann löste mit Gaspistole Massenpanik aus: Prozess in Salzburg

Ein bereits mehrfach vorbestrafter 23-Jähriger hatte im vergangenen Dezember mehrmals in das Innere einer Diskothek gefeuert.

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Salzburg APA

Eine Massenpanik in einer Diskothek am Stadtrand von Salzburg am 9. Dezember 2017 hat am Dienstag ein Nachspiel am Landesgericht Salzburg gehabt. Ein 23-jähriger Pongauer soll damals die Eingangstür eingeschlagen und mit einer Schreckschusspistole drei bis vier Mal in das Innere des Lokals gefeuert haben. Viele der rund 100 Gäste flüchteten darauf ins Freie, dabei gab es auch einige Verletzte.

Der Malergehilfe und Gerüstbauer sitzt seit dem Vorfall in U-Haft. Ihm wird von der Staatsanwaltschaft neben Körperverletzung, Hausfriedensbruch, versuchter schwerer Nötigung und Sachbeschädigung vor allem vorsätzliche Gemeingefährdung zur Last gelegt - ein Delikt, das mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Die Anklagebank teilte sich der 23-Jährige am Freitag mit einem gleichaltrigen Freund, der am Rande in den Vorfall involviert war.

Die beiden jungen Männer sind polizeibekannt - und haben mit sechs bzw. zwei Vorstrafen auch schon Gerichtserfahrung gesammelt. Die Freunde waren Mitglieder der berüchtigten Jugendbande "La Familia", der 2013 und 2014 im Salzburger Pongau rund 50 Gewalttaten zur Last gelegt werden. Und sie hatten sich an jenem Dezembertag mit Bekannten in der Diskothek zum Fortgehen getroffen.

Dabei kam es in dem Lokal nach Mitternacht zu einer Schlägerei, an der auch die Freunde des Hauptangeklagten beteiligt waren. Der 23-Jährige selbst ruhte sich zu diesem Zeitpunkt gerade im Auto aus, weil er zu viel getrunken hatte. Als sein Freund von den Türstehern recht resolut ins Freie verfrachtet wurde und mit einem blauen Auge und einer blutenden Wunde im Gesicht plötzlich am Parkplatz stand, griff der Pongauer zu einer im Handschuhfach verwahrten Gasdruckpistole und lief zum Eingang. Weil er seine anderen Bekannten im Lokal in Gefahr wähnte, wie er sagte.

Schon am Weg zum Eingang gab er einen ersten Schuss ab. Vor der Disco bedrohte er dann den Lokalbetreiber und die Türsteher. Die verteidigten sich mit Besenstielen und warfen Gläser. Gleichzeitig schleuderte sein Freund einen Absperrständer aus Metall gegen die Männer. Die zogen sich darauf in das Lokal zurück und versperrten die Tür. Der 23-Jährige schlug mit einem der Metallständer die Scheibe der Eingangstür ein, griff nach innen und öffnete die Tür. Dann gab er durch den Eingang drei bis vier Schreckschüsse in das Innere ab.

"Das löste im Lokal eine Panik aus", erklärte Staatsanwalt Marcus Neher. "Eine Panik, die in Zeiten, wo regelmäßig von terroristischen Anschlägen berichtet wird, nachvollziehbar ist." In der Disco warfen sich Gäste auf den Boden. Bei der Flucht ins Freie gab es mindestens drei verletzte Personen - sie zogen sich durch die Splitter der zerbrochenen Tür Schnittwunden zu. Der Lokalbesitzer bezifferte die Schäden mit fast 23.000 Euro.

Sein Mandant habe ein getrübtes Vorleben, erklärte der Verteidiger. Aber der Vorfall stehe nicht in Verbindung mit früheren Taten. Der 23-Jährige wisse, dass er sich falsch verhalten habe. "Er war schwer betrunken und ist zu keinem Zeitpunkt gegen eine andere Person tätlich geworden, während andere mit Gläsern warfen oder mit Stangen aufeinander losgingen." Der Angeklagte habe nur in den Garderobenbereich gefeuert, wo sich keine Leute aufgehalten hätten. "Das war keine vorsätzliche Gemeingefährdung. Die Disco wird erst durch eine weitere Tür betreten."

Der Angeklagte selbst räumte die Schüsse ein. "Ich war in diesem Moment ohne Kopf", sagte er. Dass seine Aktion eine Panik auslöste, konnte er im Verfahren zunächst aber nicht nachvollziehen. Dass es in der Vergangenheit Terroranschläge gab, habe er gehört. Der Anschlag auf ein Konzert in Paris im November 2015 sagte ihm dann aber nichts.

Der Prozess (Vorsitz: Richterin Nicole Haberacker) ist bis Mittwoch anberaumt.

Quelle: SN

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