Chronik

Mariapfarr hält an aktueller Baukultur fest

Einzig bei untergeordneten Bauten soll es leichte Aufweichungen geben.

Dieses Bild mit Blickrichtung Höhenweg zeigt die Vielfalt der Dachformen der letzten Jahrzehnte. Bild: Perner SN/sw
Dieses Bild mit Blickrichtung Höhenweg zeigt die Vielfalt der Dachformen der letzten Jahrzehnte. Bild: Perner

Es war die mit Spannung erwartete erste Gemeindevertretungssitzung nach den Bürgermeisterwahlen im März. Offen sein für Neues: Darum ging es rund 20 jungen Menschen, die daran teilgenommen haben, um die Entwicklung hinsichtlich der Baukultur mitzuverfolgen. In Mariapfarr sind ein alpines Steildach mit mindestens 36 Grad Dachneigung und ein Schopf die Vorgaben. Diese Regelung wurde in den vergangenen Wochen heiß diskutiert. Bürgermeister Andreas Kaiser (ÖVP): "Jetzt gilt es abzuwägen zwischen Einzel- und Allgemeininteresse. Gewisse Richtlinien sind immer einzuhalten." Franz-Josef Moser, Obmann des Bauausschusses: "Wir können die Baukultur schon alle zehn Jahre ändern, aber ob wir uns dann in Mariapfarr noch wohlfühlen?"

In der anfänglichen Fragestunde vertrat Stefan Griessner - aktuell Bauwerber am Höhenweg - seinen Standpunkt: "Wir wollen für Mariapfarr dasselbe wie ihr, nämlich das Beste. Wir wollen die Kindergärten füllen. Sollen architektonische Details künftig wichtiger sein oder der Mensch, der darin lebt? So ein Haus, wie wir es planen, gibt es rund 40 Mal in Mariapfarr." Griessner plant ein Haus mit einer Dachneigung von 28 Grad, ohne Schopf.

Die letzte Abstimmung über die Bauweise eines Daches fand in Mariapfarr 2010 statt. Im Punkt 20 der Tagesordnung - Beschlussfassung Baukultur in Mariapfarr - wurde das Thema ausführlich dargestellt und diskutiert. Mit einer Präsentation rollte Bgm. Andreas Kaiser die Historie der letzten Jahrzehnte auf. "Mariapfarr entstand früher durch viele Weiler. In den 70er-Jahren waren flachere Dächer eine Modeerscheinung. Seit den 80er-Jahren ist - bis auf wenige Ausnahmen - ein Schopfwalmdach vorgeschrieben." Die Ausgangssituation in Mariapfarr ist eine besondere. 15 Bebauungspläne und 24 verschiedene Ortsteile gibt es. "Dazu kommen Siedlungsgrenzen und Sichtachsen auf die Kirche, die eingehalten werden müssen. Letztendlich geht es darum: Was wollen wir und was wollen wir nicht." Noch vor der Diskussion mit der Gemeindevertretung vertrat Kaiser seinen Standpunkt: "Ich bin ein Verfechter des alpinen Steildaches. Es hebt den Lungau in seiner Einzigartigkeit ab. Eine flexiblere Gestaltung für untergeordnete Bauten soll möglich sein."

Für eine Lockerung setzten sich in ihren Wortmeldungen vor allem die Unternehmer Gerhard Pausch und Hannes Neumann (beide ÖVP) sowie TVB-Obmann Johann Landschützer (FPÖ) ein. Pausch: "Wir sollten eine modernere Baukultur zulassen. Jeder Häuslbauer baut sein Traumhaus." Neumann: "Alte Häuser sind schön. Wohnen möchte ich darin nicht. Die Richtlinien müssen für jeden einfach verständlich sein. Ich bin für eine Auflockerung. Es wird deswegen trotzdem noch einen Schopf geben."

Landschützer: "Ich bin der Meinung, dass es bei uns gar keine Baukultur gibt. Die Fehler der letzten 30 Jahre werden wir nicht ausmerzen. Das Thema gehört jetzt gelöst. Urlauber konsumieren auch Architektur. Wir sind in der glücklichen Lage, dass es viel Nachfrage gibt, um zu bauen. Eine Regelung ist wichtig, aber sie sollte liberaler sein."

Vizebgm. Hans Kren (SPÖ): "Es wurde in der Vergangenheit in einzelnen Fällen gebaut, ohne Richtlinien einzuhalten. Aufgrund von Fehlbauten braucht es strenge Richtlinien. Wir werden von der Gesellschaft zu Entscheidungen gezwungen." Für Elisabeth Bauer, Johann Schreilechner und Reinhard Schröcker (alle ÖVP) sowie für Franz Josef Schiefer (FPÖ) hat der Schopf eine Tradition. Christine Macheiner (ÖVP): "Mit Ausnahmen kommen wir in Teufels Küche." 40 bis 50 Bauvorhaben gibt es aktuell in Mariapfarr. Amtsleiter Peter Bauer: "Modernes Bauen ist in Mariapfarr möglich. Es liegt am Geschick des Planers. Die derzeit umgebende Bebauung im Nahbereich wird als Vergleich herangezogen. Wir bitten die Bürger vor der Planung um ein Gespräch mit der Gemeinde, damit keine Überraschungen entstehen."

Fazit: An den bestehenden 15 Bebauungsplänen wird weiterhin festgehalten. Dort, wo ein Bebauungsplan vorliegt, wird die umgebende Bebauung beurteilt. Als untergeordneter Bau gilt künftig eine Breite von 7,99 m anstatt der bisherigen 7 m, wodurch eine Bauweise ohne Schopf möglich ist. Peter Bauer: "Der Grundsatzbeschluss ist mit 14:3 Stimmen gefasst worden. Im Einzelfall wird natürlich mit den Bauwerbern nach Lösungen gesucht." Einige Gemeindevertreter haben in der Diskussion geringfügige Abweichungen von der Dachneigung mit 36 Grad vorgeschlagen. "Maximal 32 Grad sind vorstellbar", sagt Peter Bauer.

Aufgerufen am 20.08.2019 um 05:15 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/mariapfarr-haelt-an-aktueller-baukultur-fest-70029430

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