Chronik

Medphoton baut Röntgenring de luxe

Medphoton baut in der Karolingerstraße Röntgengeräte der Luxusklasse. Sie könnten schon bald auch gegen Corona eingesetzt werden.

Heinz Deutschmann ist Geschäftsführer von Medphoton. Bild: sw/vips SN/sw/vips
Heinz Deutschmann ist Geschäftsführer von Medphoton. Bild: sw/vips

Es ist das leichteste CT-Gerät der Welt. Entwickelt als mobiles Röntgengerät, das sich im Krankenhausbereich beliebig bewegen lässt und so einen bestmöglichen Zugang zum Patienten erlaubt. Der chirurgische Ring vulgo Loop-X liefert nicht nur röntgentechnische Aufnahmen, sondern zeichnet bei sogenannten Durchleuchtungsaufnahmen - während der Chirurg arbeitet - Bewegungen in Echtzeit auf. Heinz Deutschmann, Geschäftsführer des medizinisch-technischen Unternehmens Medphoton, nennt es das "Schweizer Taschenmesser" der diagnostischen Bildgebung. Seine 55 Mitarbeiter aus zwölf Nationen haben den Ring in den vergangenen drei Jahren entwickelt und gebaut. Und das in der Karolingerstraße. Die erste Installation an den Salzburger Landeskliniken steht unmittelbar bevor. Deutschmann spricht von einem "Referenzinstrument" vor Ort, er hofft, dadurch auf kurzer Achse viel Feedback von den klinischen Anwendern zu bekommen. Das braucht sein Team für die Weiterentwicklung nächstes Jahr. 2021 soll der Ring "lernen", die chirurgische Navigation zu unterstützen; robotikassistiert und dreidimensional die Interaktion zwischen Arzt und Patient stärken.

Start-up entwickelte sich aus dem Keller der Klinik

Geschäftsführer Deutschmann ist Physiker, er war 24 Jahre in den Salzburger Landeskliniken aktiv, zuletzt als leitender Physiker der dortigen Strahlentherapie. Später gründete er an der Privatmedizinischen Universität Rad ART, ein Institut für Technologieentwicklung in der Strahlentherapie. Weil sein Betätigungsfeld aber weder rein die Patientenversorgung noch rein die Forschung und Lehre umfasste, folgte 2012 der Schritt in die Selbstständigkeit. Zuerst saßen die zehn Köpfe aus Medizintechnikern und Softwareentwicklern im Keller der Klinik. Dann übersiedelte man in die Strubergasse, schließlich in die Karolingerstraße, wo soeben auch die Produktion des Geräts anläuft und Informatiker Tür an Tür mit Maschinenbauern sitzen. Für seine Dynamik hat das junge Unternehmen erst kürzlich den Salzburger Innovationspreis eingeheimst. Bislang wurden alle Gewinne in die Weiterentwicklung investiert. Im Vorjahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von fünf Millionen Euro.

Die Corona-Pandemie tangiert die Techniker in Maxglan nur insofern, als es leichte Verzögerungen beim einen oder anderen Lieferanten gibt. "Ansonsten stecken wir derzeit alle Energie ins Forschen", sagt der in Bischofshofen aufgewachsene Deutschmann. "Sein" Ring könnte übrigens auch in der Behandlung von Covid-19 eingesetzt werden. Um das System speziell in der Lungendiagnostik weiterzuentwickeln, hat das Team um Entwicklungsleiter Phil Steininger großzügige Forschungsfinanzierungen erhalten. Anfragen gab es bereits im Frühjahr, jetzt wäre man mit den Zulassungen so weit, auch liefern zu können.

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